Literatur

Weihnachten mit neuen Seiten: Buchtipps für den Gabentisch

Ein Buch ist ein Geschenk – und lange Winterabende sind die perfekte Lese-Zeit.

Ein Buch ist ein Geschenk – und lange Winterabende sind die perfekte Lese-Zeit.

Foto: AlexMaster / Shutterstock / AlexMaster

Essen.  Krimi-Königin P.D. James, der Schweizer Peter Stamm, Markus Heitz oder Nicola Förg: Diese neuen Bücher zum Weihnachtsfest sind perfekte Gaben.

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Weihnachten kann wunderbar sein, wehmütig stimmen – oder sogar wütend machen. Nur kalt lässt das Fest der Feste wohl niemanden. Wir stellen neue Bücher vor, in denen namhafte Autorinnen und Autoren den vielen Facetten des familiären Alle-Jahre-Wieder-Taumels nachspüren. Zum Verschenken – oder Selbstfreuen.

Mord und Mistelzweig

Die große alte Dame der britischen Kriminalliteratur, P. D. James (1920-2014), hinterließ der Welt nicht nur wunderbare Romane, sondern auch eine Vielzahl von Kurzgeschichten. Vier von ihnen, die sie einst für Weihnachtsausgaben von Zeitungen und Magazinen schrieb, sind nun erstmals auf Deutsch erschienen. Schon der titelgebende „Mistelzweig-Mord“ (Droemer, 187 S., 14 €) entführt in die Welt der Landhäuser und Dienstboten, wenngleich in der verdunkelten Zeit des Zweiten Weltkriegs. James gibt vor, aus dem eigenen Leben zu plaudern, und erinnert sich an ein Weihnachtsfest vor vielen Jahren: Als junge Kriegerwitwe war sie bei ihrer Großmutter geladen, zusammen mit zwei weiteren entfernten Verwandten. Einen Mord später muss sie selbst sich die Fragen von Schuld und Moral stellen.

Bühne für Vierbeiner

An der Krippe spielen die Vierbeiner eher eine Nebenrolle, im märchenhaften „Winterwunder von Dublin“ (Piper, 252 S., 12,99 €) aber stehen sie im Mittelpunkt. Nicola Förg, die bayrische Krimi-Gipfel-Stürmerin („Winterkartoffelknödel“), schickt die angehende Tierärztin Stella auf Familienbesuch nach Irland. Hier gibt es Stechpalmen statt Tannengrün, Whisky-Punsch statt Glühwein. Und einen leeren Stall statt das Glück der Erde: Stellas Lieblingspony wurde ausgesetzt – wirtschaftliche Not erklärt die vielen halbwilden Pferdeherden auf der grünen Insel. Was fehlt? Na klar: eine Prise Romantik. Bald schon trägt sie einen Namen: Daniel. Und Gummistiefel trägt sie (beziehungsweise: er) übrigens auch.

Das Wunder der Geburt

Vor 30 Jahren traf der Schweizer Peter, ein junger Künstler, am Weihnachtsabend in New York eine Frau, die ihn um eine Zigarette bat: „Als ich ihr Feuer gab, hielt sie ihre Hände schützend um meine, eine zärtliche kleine Geste, die mich berührte.“ Er geht mit ihr in ihre kalte Wohnung, er kauft Lebensmittel von seinem Geld, sie essen, trinken, wärmen sich aneinander. „Ich kann mich nicht mehr an Marcias Haar- oder Augenfarbe erinnern, weiß nicht mehr, ob sie groß oder klein war, schlank oder füllig“ – Marcia scheint die eine, die allgemeingültige Frau, ein Wunder. Im Rausch verbringt Peter einige Tage mit ihr und einem befreundeten Pärchen, mit dem Marcia in einer Dreiecksbeziehung zu leben scheint. Dann reist er ab, wort- und grußlos.

Der Schweizer Schriftsteller Peter Stamm, studierter Psychologe und Meister der Innensicht, taucht auf den wenigen Seiten des Büchleins „Marcia aus Vermont“ (S. Fischer, 80 S., 14 €) ein in einen Kosmos, der sich nicht nur vor dem Wunder der Weihnacht tief verneigt, sondern ebenso vor den Biografiespielen eines Max Frisch oder der postmodernen Identitätssuche des New Yorkers Paul Auster. In der Gegenwart ist Peter ein gefragter Künstler, der ein Stipendium in Vermont annimmt, sich dort der Vergangenheit annähert. Ein Manuskript in einer Schublade, eine junge Frau an der Rezeption, ein Bildband mit Familienfotos, der Marcia skandalösen Ruhm einbrachte, schließlich der Satz „Ein Kind ward uns geboren“: Am Ende steht die Frage, welches Leben auch hätte sein können. Große Literatur auf kleinstem Raum.

Fantasiegestalten

Das Christkind, Knecht Ruprecht, der Weihnachtsmann – alles nur Fantasiegestalten? Markus Heitz, Deutschlands literarischer Fantasy-König mit Millionenauflage, lässt seit mehr als zehn Jahren allweihnachtlich die Welt der Zwerge und Elbenkönige hinter sich und saust auf dem Rentierschlitten in ein Restaurant namens „Zum Alten Bahnhof“. Dort serviert er zum Weihnachtsmenü bitterböse Storys: kurze, kräftig gewürzte Schenkelklopfer. Nun sind sie als Buch erschienen. Da geht es um fehlgeleitete Geschenke, intrigante Boten oder einen allzu blutigen Festschmaus. „Der Tannenbaum des Todes“ (Droemer, 272 S., 10 €) eignet sich gut für den kleinen Witze-Snack zwischendurch – geballter Genuss führt allerdings rasch zu einem Gefühl der Übersättigung.

Aus Omas Nähkästchen

Torsten Rohde, Jahrgang 1974, hat Betriebswirtschaft studiert und als Controller gearbeitet, bevor er „hauptberuflich Oma“ wurde. Sein Twitter-Account @RenateBergmann hat über 50.000 Follower, die Bücher rund um die fiktive 82-Jährige aus Berlin-Spandau sind regelmäßig Bestseller. Der jüngste Streich der betagten Kunstfigur heißt „Die Reste frieren wir ein“ (Rororo, 176 S., 12 Euro) und erzählt das Beste aus über 80-jähriger Weihnachtsfesterfahrung: Vom Fest 1946 auf einem verschneiten Nachkriegs-Bauernhof, „als wir nichts hatten außer uns“ bis ins Jahr 2018, als der Staubsaugerroboter der Nachbarin entlaufen war. Was problematischer ist als ein entlaufener Hund, denn „Rufen und mit Staubflusen locken“ nützt ja nichts. Nostalgie und Gegenwartskritik, gewürzt mit bodenständigem Humor – übrigens abgelauscht den Omas und Tanten in des Autors Familie.

Frivoles zum Fest

Das erste Fest allein zu zweit – so denken Sandra und Thomas sich das. Nur haben sie die tückische Welt des Kleinanzeigenmarktes unterschätzt. Denn Elisabeth und Leo wollen gar nicht ihr Doppelbett kaufen, sondern das Fest der Liebe mit einem erotischen Doppel-Pärchenabend feiern. Bis die Paare das Missverständnis aufgeklärt haben, sind sie längst tief ins Beziehungsgespräch verstrickt. Mit alkoholroten Wangen und der Bereitschaft, Geheimnisse auszupacken – um die Bescherung immer noch schöner werden zu lassen. Heiter bis wolkig, mit Aussicht auf Friedensengel. Der Österreicher René Freund, Jahrgang 1967, hat als Dramaturg am Wiener Theater in der Josefstadt gearbeitet; „Swinging Bells“ (Deuticke, 190 S., 18 €) könnte man sich dank der Dialogstärke auch gut auf der Bühne vorstellen.

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