Entwicklerkonferenz

Apple-Keynote: iPhones, iPads und Macs werden mächtiger

Lesedauer: 8 Minuten
Apple wird bunter

Apple wird bunter

Apple hat seine überarbeiteten Computermodelle vorgestellt. iMac und iPad kommen in leistungsstärkeren Versionen. Außerdem setzt der US-Technologieriese auf mehr Farbe in seinem Sortiment und präsentiert ein neues Gadget. Bei Podcasts soll es nun auch kostenpflichtige Abos geben.

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Apple-Geräte erhalten ab Herbst neue Funktionen: Ein Fokus-Modus hilft gegen Ablenkung, iPads bekommen Widgets. Geräte? Fehlanzeige!

Berlin/Cupertino. Neue Software-Funktionen in Hülle und Fülle – aber nach knapp zwei Stunden Videopräsentation stand fest: Neue Hardware wird es vorerst nicht geben. Wer auf ein neues Macbook Pro oder einen Mac Mini gehofft hatte, wurde enttäuscht. Apple zaubert zum Start der eigenen Entwicklerkonferenz WWDC zwar eine ganze Reihe an Neuigkeiten aus dem Hut. Aber entgegen der meisten Branchengerüchte im Vorfeld blieb es bei der Ankündigung neuer Funktionen und Features für bestehende Apple-Geräte.

Dafür gewährte der iPhone-Konzern, allen voran Apples Software-Chef Craig Federighi, in der vorab aufgezeichneten Keynote einen Ausblick auf die neuen und verbesserten Möglichkeiten der künftigen Betriebssystem-Versionen wie iOS 15, iPadOS 15, WatchOS 8 oder dem „Monterey“ getauften macOS 12 – allesamt weiterentwickelt für iPhones, iPads, Apple Watches und Co.

Zahlreiche vielgenutzte Apps wurden überarbeitet oder mit neuen Funktionen ausgestattet. Die Botschaft: Wer Apple-Geräte nutzt – am besten möglichst viele parallel – soll in Zukunft noch schneller, nahtloser und fokussierter arbeiten können. Datenschutz und Privatsphäre will der US-Hersteller künftig höher hängen.

Die wichtigsten Highlights der WWDC-Keynote zusammengefasst:

iOS 15: „Fokus“-Modus für weniger Ablenkung auf dem iPhone

Das iPhone, Apples meistverkauftes Gerät, erhält ab Herbst mit iOS 15 zahlreiche neue Funktionen. Da die Neuerungen meist einzelne Apps betreffen, wirken sich die Verbesserungen oft auch auf anderen Geräten wie dem iPad oder Mac-Computern aus.

Ein neuer „Fokus“-Modus etwa soll gegen die allgegenwärtige Ablenkung helfen. iPhone-Nutzer können künftig eingehende Mitteilungen und auf dem Haupt-Bildschirm angezeigte Apps danach filtern lassen, ob sie selbst gerade etwa arbeiten, Freizeit haben, Sport treiben oder nicht gestört werden wollen. Für viele typische Phasen des Tages und für die Schlafenszeit gibt es passende Modi, die durch selbst erstellte Fokus-Modi erweitert werden können.

Gruppen-Videochats mit Facetime: Musik und Filme gemeinsam erleben

Verbessert wurde laut Federighi auch die Facetime-App für Videotelefonate. Gespräche und Konferenzen per Video sollen künftig noch komfortabler und natürlicher ablaufen. Zum Beispiel soll man in Gruppengespräche dank räumlichem 3D-Audio (genannt „Spatial Audio“) genau hören können, welcher Teilnehmer etwas sagt. Der Sprecher wird zudem farblich hervorgehoben und soll auch bei Umgebungsgeräuschen klarer zu verstehen sein. Ein Porträtmodus stellt den Hintergrund auf Wunsch unscharf dar. Mit der „Shareplay“-Funktion in Facetime soll man bald in Gruppen zusammen Musik hören, Filme schauen oder Apps nutzen können. Stoppt jemand etwa den Film, stoppt er für alle Teilnehmer.

Mächtiger soll auch die zentrale Suchfunktion Spotlight werden: Gibt man dort einen Suchbegriff ein, sollen neben Dateien und Ordnern auch Inhalte von Fotos oder Screenshots durchsucht werden können. Ist auf einem Foto etwa eine Telefonnummer oder Text zu sehen, kann beides ausgelesen werden. Die Nummer etwa kann man dann sofort anrufen oder Textinhalte in anderen Apps weiter verwenden. Möglich macht das die Funktion „Livetext“, was zum Start in sieben Sprachen funktionieren soll. Android bietet diese Funktion mit Google Lens schon länger.

Verbessert wurden ebenso die Brieftaschen-App Wallet, die Wetter-Apps sowie Apples Karten-App. Letztere erhält nun einen zoombaren 3D-Globus nach Art von Google Earth und hat sich auch sonst bei neuen Ansichten wie Verkehrsführung und Sehenswürdigkeiten offenbar viel von Google Maps und Google Street View abgeschaut.

iPads erhalten vom iPhone bekannte Widgets und besseres Multitasking

Widgets sind beliebt: Die kleinen Inhalte-Schnipsel, die sich regelmäßig aktualisieren, kennen Android-Nutzer schon lange. Ende des Jahres bekamen auch iPhone-Nutzer anpassbare Widgets für ihre Bildschirme. Ab Herbst finden sie auch den Weg auf iPads. Egal ob Wetter, Nachrichten, Fotos oder Musik: Viele Apps bringen bereits praktische Widgets mit. Diese lassen sich künftig auf dem Startbildschirmen und weiteren Screens hin und her schieben und in der Größe anpassen. Eine Widget-Galerie sammelt alle verfügbaren Widgets übersichtlich,

Freuen dürften sich intensive iPad-Nutzer auch über mehr Möglichkeiten des Multitasking auf dem Flach-Rechner: Viele Apps haben bald am oberen Bildschirm Knöpfe, die mit einem Fingertipp eine Splitscreen-Ansicht aktivieren. Damit können dann zwei, drei oder mehr Apps parallel auf dem Bildschirm bedient werden. Neu ist auch eine Schnellnotiz-App, die vor allem für den Apple Pencil praktisch ist: Ein Wisch von rechts unten genügt, um plötzlichen Ideen auf kleinen digitalen Notizzetteln festzuhalten.

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Apple Watch kann bald das Sturzrisiko ermitteln

Die Apple Watch erhält einige neue Funktionen, die mit der Gesundheits-App „Health“ zusammenarbeiten: Darunter einen Modus zur Messung der Atemfrequenz im Schlaf. Die bisherige Atmen-App zum Stressabbau wird erweitert um Achtsamkeits-Übungen, in denen man Erlebtes vom Tag für sich reflektieren kann. Außerdem erhält die Uhr eine Messfunktion, die beim gehen das Gleichgewicht und die Schrittlänge misst und beispielsweise ältere oder eingeschränkte Menschen auf ein mögliches Sturzrisiko hinweisen soll.

Bei Arztbesuchen und bei Laboruntersuchungen sollen Besitzer dank der smarten Uhr und der Health App Befunde noch besser verstehen können. Nachrichten sollen sich per Apple Watch noch leichter beantworten und mit Fotos oder Gifs verschönern lassen.

Spannend hörte sich die neue Funktion „Universal Control“ an, eine geräteübergreifende Steuerung:
Sie soll es möglich machen, dass sich Dateien und Inhalte über alle Apple-Geräte hinweg nahtlos mittels Fingerwischen auf einem Maus-Trackpad verschieben lassen. Mehrere Geräte werden praktisch zu einem Gerät. Im Video sah das recht eindrucksvoll aus: Vom iPad über ein Macbook bis zum einem großen iMac-Bildschirm wurde eine Datei nahtlos verschoben. Wie gut das in der Praxis auch mit größeren Dateien klappt, bleibt abzuwarten.

Datenschutz und Privatsphäre: Apple will hier punkten

An vielen Stellen betonten die Apple-Vertreter den Fokus auf Datenschutz und Privatsphäre. Nutzer sollen weiterhin die Kontrolle über die eigenen Daten behalten, so das Versprechen. Auch hier kündigte man Verbesserungen an: Sprachbefehle per Siri sollen auf Wunsch nur noch auf den Geräten verarbeitet werden – das ist sicherer und auch schneller. Surfen im Safari-Browser soll anonymer möglich sein. Und eine Übersicht in den Datenschutz-Einstellungen soll zeigen, welche Apps wann welche Berechtigungen nutzen und welche Daten nach außen leiten. Datenkraken auf dem Gerät sollen so erkennbar werden.

Laut Apple werden die neuen Software-Versionen für die entsprechenden Geräte ab Herbst in der finalen Version ausgerollt. Vorabversionen für erfahrene Nutzerinnen und Nutzer, sogenannte Beta-Versionen, sollen bereits ab Juli bereitstehen.

Macbook Pro und Co.: Vorerst Fehlanzeige

Wann Apple neue Geräte für das laufende Jahr ankündigt, bleibt vorerst offen. Zumindest beim Profi-Notebook Macbook Pro hatten mehrere bekannte Quellen im Vorfeld eine zeitnahe Ankündigung vorausgesagt: Ein 14-Zoll und ein 16-Zoll-Modell sollen demnach in Planung sein. Auch ein überarbeiteter Mac Mini für Desktop-Nutzter war im Gespräch. Die neuen iPhones werden in diesem Jahr für Mitte September erwartet.

Die Keynote ist der Auftakt zu Apples jährlicher Entwicklerkonferenz WWDC, die bis zum Freitag (11. Juni) wie im Vorjahr rein online stattfindet findet. Für gewöhnlich sind tausende Entwicklerinnen und Entwickler vor Ort im kalifornischen Silicon Valley (USA) und erfahren dort Neuigkeiten zu kommenden Betriebssystemen des Konzerns. In den vergangenen Wochen haben bereits Facebook und Google ihre Entwicklerkonferenzen online abgehalten.

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