Krankenhaus

Coronavirus: Müssen Väter bei Geburten draußen bleiben?

Die Geburt ist für viele Eltern einer der wichtigsten Momente.

Die Geburt ist für viele Eltern einer der wichtigsten Momente.

Foto: Gemma Ferrando / imago/Westend61

Berlin.  Im Zuge des Coronavirus verbieten viele Kliniken Besuch. Dieses Verbot macht auch vor Kreißsälen nicht halt. Was heißt das für Väter?

Es ist für viele Eltern einer der wichtigsten Momente in ihrem Leben: die Geburt des eigenen Kindes. Doch das Coronavirus macht auch vor den Kreißsälen nicht halt. Viele Kliniken haben zum Schutz der Patienten und Mitarbeiter nun einen rigorosen Entschluss getroffen: Väter dürfen bei der Geburt nicht anwesend sein und müssen draußen bleiben.

Bundesweit handhaben Krankenhäuser den Umgang mit dem Besuchsverbot unterschiedlich. Während viele Kliniken bei werdenden Vätern Ausnahmen von dem Besuchs-Verbot machen, untersagen andere wie beispielsweise die Bonner Uniklinik den Zutritt.

Coronavirus: „Zahlreiche“ Krankenhäuser schließen Väter aus

Eine Statistik, wie viele Krankenhäuser den Zutritt zum Kreißsaal verweigern, gibt es nicht, teilte die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) mit. Aber: „Wir hören derzeit von zahlreichen Krankenhäusern, die Väter entweder ganz ausschließen oder nur garantiert symptomfreie Väter bei einer Geburt zulassen“, sagte ein DKG-Sprecher unserer Redaktion.

Bund und Länder hatten sich Anfang der Woche darauf verständigt, den Besuch in Krankenhäusern streng zu reglementieren. Ob aber Ausnahmen gemacht werden, entscheiden die Kliniken „eigenständig“, teilte die DKG mit.

Hebammenverband plädiert für eine „Entscheidung mit Augenmaß“

Der Deutsche Hebammenverband plädiert dafür, Vätern wenn möglich weiter den Zugang zu gewähren. „Frauen und Kinder gehören nicht per se zur Risikogruppe des Coronavirus. Insofern plädiere ich sehr für eine Entscheidung mit Augenmaß“, sagte Andrea Ramsell, Beirätin für den Angestelltenbereich im Hebammenverband, unserer Redaktion.

Bei einer solchen Entscheidung müsse beispielsweise berücksichtigt werden, ob sich die Klinik in einem Risikogebiet befindet oder ob bei den werdenden Eltern Kontakt zu Risikopersonen bestand.

Hausgeburten seien keine Alternative

Ramsell betont: „Es ist wichtig, dass die Infektionsketten unterbrochen werden und das Personal im Krankenhaus geschützt wird.“ Aber: „Jede Geburt ist ein immens wichtiges biografisches Ereignis im Leben einer Frau und zu einer solchen Geburt gehört eine vertrauensvolle Begleitung.“

Dass werdende Mütter aus Sorge vor dem Coronavirus nun auf eine Hausgeburt ausweichen wollen, hält Ramsell für nicht ratsam. „Die Klinik ist ein sicherer Ort, um zu gebären“, sagte sie. Hinzu komme, dass für Hausgeburten nur begrenzte Kapazitäten bereitstünden, da eine spezielle Ausbildung und Ausrüstung der Hebamme erforderlich sei. Einige Frauen wollen ganz ohne Hebamme gebären. Davon raten Ärzte dringend ab. Eine klare Meinung haben Hebammen auch zu außergewöhnlichen Geburtsformen wie Alleingeburten im Meer oder Wald.

In Rostock gab es Proteste

Welche Auswirkungen ein Kreißsaalverbot haben kann, wurde jüngst in Rostock sichtbar. Wie die „Ostsee-Zeitung“ berichtet, gab es nach einem solchen Verbot im Rostocker Südstadt-Klinikum Protest vieler Eltern, sodass die Klinik das Verbot schnell wieder aufhob.

Auch viele andere Kliniken machen mittlerweile Ausnahmen, da „Väter oder Begleitpersonen bei der Geburt nicht als Besuch angesehen werden“, sagte Ramsell. Für sie steht fest: „Eine Geburt bleibt auch in diesen Zeiten ein schönes und wichtiges Erlebnis.“

Mehr zum Coronavirus:

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben