Urlaub bei Facebook und Apple

Der Mythos Garagenfirma – Ein Besuch im Silicon Valley

Das Apple-Hauptquartier im kalifornischen Cupertino – einer von vielen mythischen Orten im Silicon Valley. Das wohl berühmteste Tal der Welt liegt zwischen San Francisco und San José.

Foto: SpVVK / Getty Images

Das Apple-Hauptquartier im kalifornischen Cupertino – einer von vielen mythischen Orten im Silicon Valley. Das wohl berühmteste Tal der Welt liegt zwischen San Francisco und San José. Foto: SpVVK / Getty Images

San José  Das Silicon Valley ist wohl der seltsamste Flecken Amerikas. Es hat viele Genies hervorgebracht – von den Hippies bis zu den Techies.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Garage ist in den USA ein mythischer Ort. Hier steht dem schlichten Zweck der Nutzung entsprechend für gewöhnlich das Auto, das in Amerika erfunden wurde. Ein bisschen auch in Schwaben, was die Jüngeren im Land hinter den Rocky Mountains jedoch vergessen haben. Wenn nun dieser Ort zweckentfremdet wird, darf man vermuten, dass hier noch Wichtigeres als das freiheitsbringende Individualmobil Platz finden muss.

Und so wurden in Provinzgaragen unter anderem eine Zeitmaschine („Zurück in die Zukunft“), der Grunge (Garagenrock à la Nirvana), ein Betriebs­system (Microsoft Windows), ein Hardware-Riese (Hewlett Packard) und der stylishe Personal Computer von Apple erfunden. Allerdings: Steve Jobs und sein Partner Steve Wozniak, so viel Entmythisierung muss sein, lagerten in der Garage neben dem Bungalow von Jobs’ ­Eltern am 2066 Christ Drive in Los ­Altos meist nur Gehäuse und Tastaturen. Der wahre Apple-Spirit hat andere Ursprünge.

Cannabisschwaden und rebellischer Freigeist

Steve Jobs hat offenbar gern mal „einen durchgezogen“, war berauscht von der Kultur der kalifornischen Hippies. Im „Summer of Love“ von 1967 waberten Klänge von Bands wie den Grateful Dead, Cannabisschwaden und ein rebellischer Freigeist über die Berge und durch die Täler südlich von San Francisco. Jobs sowie die späteren Gründer von Intel und anderen High-Tech-Firmen nutzten den Trend zur Bewusstseinserweiterung für Erfindungen und Geschäftsmodelle.

Wer heute ins Silicon Valley reist, glaubt danach, den Urgedanken aller Technikvisionen aufgesogen zu haben und herausposaunen zu müssen. Doch das weltweit bekannteste Tal kann erst begreifen, wer den Weg nachzeichnet von den Hippies zu den Techies – und wer dieses seltsamste Fleckchen Amerikas um die ehemalige Mission San José auch verstehen will.

Google stellt Mitarbeitern E-Autos zur freien Verfügung

Das fängt, zum Beispiel, beim Auto an: Den Rodeo Drive in Beverly Hills als Sehnsuchtsort mit bulligen Luxus­limousinen hat längst San Joses Santana Row mit dem Flagship-Store von Tesla abgelöst.

Elektro statt Stinker – hier drücken sich die Besucher an der Schaufensterscheibe die Nase platt. Die Bewohner im Tal goutieren gute Luft. Google stellt Mitarbeitern E-Autos zur freien Verfügung, Fahr­räder in Google-Optik sowieso. Niemand muss mit dem eigenen Wagen kommen, Google chauffiert seine Angestellten in Bussen mit Wlan zum ­Firmen-Campus in Mountain View.

Auf dem Speiseplan steht Veganes und Vegetarisches

Zum Beispiel das Bauen: Foto­voltaik, großzügig verteilt über die Dächer, rechnet sich an einem Ort mit 300 Sonnentagen. Klimaanlagen werden zu intelligenten Belüftungssystemen, mit Grün überwuchert ist selbst das Apple-Raumschiff von Architekt Norman Foster. Allerdings täuschen die ­gigantischen Glasflächen Transparenz nur vor. Geheimniskrämerei bleibt Apples DNA, wenngleich Besucher auch vom Google-Maps-Navi zum Apple-Fanshop geleitet werden.

Zum Beispiel das Essen: Kalte ­Pizza mit Cola war einmal. Viel Veganes und Vegetarisches steht bei den Techies auf dem Speiseplan. Bio (Organic) dominiert seit Jahren den Anbau in einem der ehemals größten Landwirtschaftsgebiete der USA. Gleich drei ­Michelin-Sterne für das im Vergleich zu deutschen Gourmet-Tempeln lässige Restaurant „Manresa“ in Los Gatos? Für die wohlhabenden ­Talbewohner so selbstverständlich wie Mülltrennung und Plastikphobie. Hier leben die Amerikaner mit dem höchsten Durchschnittseinkommen.

San José ist das selbsterklärte gute Amerika

Zum Beispiel der Wein: „Make it bigger and better“ – das war einst das Credo jedes geschäftstüchtigen US-Business. In San José ist das selbsterklärte gute Amerika beheimatet, der Gegenentwurf zu Donald Trumps Reich der Finsternis. Wanderer (oder Tesla-Fahrer bei Probefahrten über die Hügel) entspannen sich in der Testa­rossa Winery in Los Gatos, einer Kel­lerei, die ihren silbernen Abfüllkesseln Namen von Rappern (Wu-Tang Clan) oder Rockern (AC/DC) gegeben hat.

Fast ausschließlich Bio-Gewächse bietet eines der besten Weingüter der Welt, die Ridge Vineyards 700 Meter oberhalb von Cupertino. Von hier und nicht etwa aus dem Napa Valley kommen Weine, die schon bei der legen­dären Blindverkostung 1976 in Paris (Judgement of Paris) Platz fünf und bei der Wiederholung 2006 Platz eins der weltbesten Weine belegten.

Auch Weinbauern geht es um Nachhaltigkeit

Der rote Monte Bello des Jahrgangs 2012 schlug auch 2016, von interna­tionalen Experten bewertet, alle europäischen Gewächse. „Es geht um Nachhaltigkeit“, sagt Israel Mejia von den Ridge Vineyards bei einem der Besuche, für die man sich lange vorher anmelden muss. Ein Erlebnis ist schon der Weg hinauf über staubige Serpentinen zum Ridge Plateau, von wo man das Si­licon Valley fast bis San Francisco überblickt.

Mehr ­Tesla sieht man wohl nur noch an der Produktionsstätte des Elektroautos. Ridge lässt völlig zwanglos seine Roten für 250 Dollar pro Flasche verkosten, gleichbe­rechtigt neben den günstigeren Tropfen. Unternehmensziel: nicht mehr, sondern weniger Flaschen pro Jahr. Das hält den Preis hoch. Die Winzer sagen, es gehe nur um Qualität.

Mach weniger, komm runter

Gegründet wurde Ridge 1959 von vier Stanford-Ingenieuren, die sich neben der täglichen Technologie ein erdiges Hobby zugelegt hatten. So geht es vielen im Valley. Reich sein reicht nicht. Facebook-Chef Mark Zuckerberg macht Elternzeit. Apple-Mitgründer Steve Wozniak fördert eine abgedrehte Comic-Messe: "Es geht um Technologie und Popkultur, die Macht der mensch­lichen Vorstellung. Im Silicon Valley ­sehen wir in Comics und im Film Technologien und finden heraus, wie sie in Wirklichkeit funktionieren könnten.“ Fantasie schlägt 14-Stunden-Arbeits­tage. Mach weniger, komm runter. Scheitern ist das neue Anfangen.

So klingt auch Sharon Traeger. Sie versprüht den Freigeist des Tals bei ihren „zertifizierten“ Touren durch das Silicon Valley und Zwischenhupfern bei Intel, Google, Facebook, Netflix, Ebay. Fast jeder Erdenbürger trägt ein Stück Silicon Valley mit sich herum. So ist auch das Tech Museum in Downtown San José eher ein Zukunftslabor. Von den Sponsoren wie Adobe geschickt in Szene gesetzt, malen und konstruieren bereits Fünfjährige am Computer, experimentieren Zehnjährige mit virtueller Realität.

Ein Straßenkünstler kam durch Zufall zu Reichtum

In einem Umfeld voller Wohl­habender hat sich ausgerechnet die Kunst der Gosse einen bemerkenswerten Platz erobert. Und das hat mit der Galeristin Cherrie Lakey und ihrem Partner Brian Eder zu tun. In einem ehemaligen Pornokino stellen sie Bilder und Installationen zumeist junger Street-Art-Künstler aus. Rund um die Galerie Anno Domini sind die eigentlichen Werke zu bestaunen: Graffiti, Wandgemälde, die übliche bunte Mischung, will man meinen.

Doch sie brachte einst den jungen David Choe groß heraus. Der Künstler, der ausschließlich in Flipflops um­herschlurft, durfte einst bei einem schnell wachsenden Start-up im Valley die Firmenwände komplett neu bemalen. 60.000 Dollar sollte Choe bekommen. Dem Unternehmenschef gefiel das schrille Ergebnis nicht. „Gib mir die Kohle, ich hau ab“, hat Choe laut Galeristin Lakey gesagt. Der junge Unternehmer, finanziell noch nicht liquide, bot ein paar Firmenanteile an. Choe, wie Lakey sagt, schlug ein.

„In Flipflops läuft er heute noch rum“

Der bleiche Start-up-Mann hieß Mark Zuckerberg, der Rest ist Geschichte. Der verhuschte Straßenkünstler ­David Choe war laut „New York Times“ beim Börsengang von Facebook um 200 Millionen Dollar reicher. Galeristin Lakey sagt: „Ich habe damals zu David ­gesagt: ,Mach deinen Scheiß, aber mach ihn wirklich.‘ Geld war ihm völlig egal. In Flipflops läuft er heute noch rum.“

Tipps & Informationen

Anreise: Mit Lufthansa von Frankfurt nonstop nach San Jose ins Silicon Valley ab 687 Euro, die Verbindung pausiert ab Ende Oktober, dann zum Beispiel ab Hamburg via Newark mit United oder über Frankfurt und San Francisco. Für 300 Euro Aufpreis kann man bei der Lufthansa Premium Economy fliegen. Vom 25. März 2018 an kann man wieder viermal wöchentlich direkt ohne Umsteigen von Frankfurt nach San Jose. Der Flughafen bietet eine deutlich schnellere Einreise als San Francisco und liegt nur 15 Minuten Autofahrt von Downtown San Jose entfernt.

Übernachtung: Ein Hotel-Kasten aus den achtziger Jahren, aber schön renoviert und mit Lobby-Bar und Dach-Pool ein Hotspot im Valley: das Fairmont Hotel San Jose. Je nach Wochentag und Verfügbarkeit ab 150 Euro pro Nacht und DZ.

Info: Visit San Jose

Die Reise wurde unterstützt von Lufthansa und Visit San Jose

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik