Gesundheit

Diabetiker sollen ohne lästigen Pieks den Blutzucker messen

Diabetes

Bei der Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse kein Insulin, das einzige Hormon, das den Transport und die Freigabe von Glukose im Körper und somit den Blutzuckerspiegel regulieren

Bei der Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse kein Insulin, das einzige Hormon, das den Transport und die Freigabe von Glukose im Körper und somit den Blutzuckerspiegel regulieren

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Iserlohn.   Der Iserlohner Doktorand Sven Delbeck forscht an einer Methode, die ohne Blutabnahme auskommt. Ein Prototyp kommt aber frühestens in zehn Jahren.

Allein in Deutschland sind rund 7 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt, weltweit wird ihre Zahl auf knapp 400 Millionen geschätzt. Viele von ihnen müssen mehrmals am Tag ihren Blutzuckerspiegel messen.

Das geht zwar schnell, aber nicht ohne einen kleinen Stich in den Finger. Sven Delbeck, Doktorand an der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn, arbeitet daran, diesen Pieks überflüssig zu machen, also an einem nicht-invasiven Verfahren, einem, das nicht in den Körper eindringt.

Der 29-jährige Herdecker ist seit seinem zehnten Lebensjahr Diabetiker. Und lange hat er sich drei bis fünf Mal am Tag in den Finger stechen müssen. „Das ist auf Dauer unangenehm, weil das Gefühl in den Fingerspitzen nachlässt und man doch hin und wieder mal einen Nerv trifft“, sagt er.

Problem Unterzuckerung

Seit zwei Jahren nutzt er eine Alternative: die Gewebszuckermessung. Dabei bleibt ein Sensor ein bis zwei Wochen unter der Haut. Der Nachteil: „Man muss sich sehr gut auskennen, mit der Krankheit, mit dem Essen, dem Sport“, sagt Delbeck.

„Und man misst nicht den aktuellen Blutzucker, sondern die Glucose im Gewebe. Der Wert bildet ab, was vor einiger Zeit im Blut war. Das ist ungünstig, um eine akute Unterzuckerung zu erkennen.“

Deshalb sucht Delbeck, der sein Masterstudium der Bio- und Nanotechnologien abgeschlossen hat, im interdisziplinären Zentrum für Lebenswissenschaften nach einer anderen Lösung: In einem optischen Messaufbau mit einem Laser-Spektrometer wird kurzwellige Infrarot-Strahlung in das Unterhautgewebe geleitet. Konkret: Man hält seinen Finger vor eine Linse.

Bis Glucose im Blut übrig bleibt

Dann kommt es darauf an, die verschiedenen Bestandteile des Gewebes wie Kollagen, Fett, Wasser zu identifizieren und herauszufiltern, bis nur noch die Glucose im Blut übrig bleibt. Für das dient der Puls als Marker, weil der in den kleinen Adern eine Volumenänderung bewirkt.

Das klingt nicht ganz unkompliziert und ist es wohl auch nicht. Das ist ein Grund, warum ein Gerät, das nach diesem Verfahren arbeitet, kaum in Kürze auf den Markt kommt. Die Iserlohner Wissenschaftler leisten Grundlagenforschung. Klären wollen sie - in Zusammenarbeit mit einem Dermatologen – auch noch, welche Hautstelle sich für eine Messung am besten eignet. Das Ohrläppchen? Die innere Unterlippe?

In zwei bis drei Jahren hofft Sven Delbeck, seine Dissertation abschließen zu können. Einen funktionsfähigen Prototypen kann er sich, wenn alle Versuche erfolgreich verlaufen, in etwa zehn Jahren vorstellen. „Im Bereich der medizinischen Geräte müssen Ethikkommissionen tätig werden, klinische Studien an Menschen dauern Jahre.“

Viele verschiedene Ansätze

Natürlich arbeiten auch andere Forscher an Methoden zur nicht-invasiven Blutzuckermessung. „Es gibt da viele verschiedene Ansätze“, weiß Delbeck. In Frankfurt wird etwa ein Gerät entwickelt, das auf photoakustische Messung setzt, aber ein Durchbruch ist noch nicht gelungen.

Und warum könnte der in Iserlohn gelingen? „Weil Prof. Herbert Michael Heise hier eine ungewöhnlich große Sammlung an Spektrometern aufgebaut hat“, sagt Delbeck. Sein Professor hat ihm auch den Kontakt zur TU Dresden vermittelt, wo die Doktorarbeit betreut wird. Die Fachhochschulen brauchen in solchen Fällen immer einen universitären Partner, denn ein eigenes Promotionsrecht haben sie (noch?) nicht.

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