Fachmesse

Fachkräftemangel: IT-Wirtschaft sucht Tausende Informatiker

Merkel und Abe: Setzen auf digitale Kooperation

Japan ist in diesem Jahr das offizielle Partnerland der Cebit. Insgesamt nehmen mehr als 120 japanische Aussteller teil.
Mo, 20.03.2017, 15.18 Uhr

Merkel und Abe: Setzen auf digitale Kooperation

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Hannover  Der Blick in die Zukunft birgt nicht nur Gutes: Auf der CeBit ist der Mangel an Fachkräften für die Digitalisierung ein großes Thema.

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Einen Blick in die neue vernetzte Welt des Stadtlebens in der Zukunft lässt sich schon heute auf der CeBit in Hannover durch die HoloLens-Brille eines großen Telekommunikationsanbieters erhaschen: Autos und Busse steuern fahrerlos durch die Straßen. Ohne Ampeln rollen sie unfallfrei durch den staufreien Verkehr. Laternen messen Schadstoffe und helfen bei der Parkplatzsuche. Drohnen mit hochauflösenden Kameras fliegen über Solaranlagen, um Risse in der Technik aufzuspüren. Andere Flugobjekte liefern Pakete in die Haushalte. Roboter pflegen Senioren. Während der Fahrt von der Arbeit nach Hause schaltet sich die Heizung auf Wohlfühltemperatur.

Manche Produkte sind noch visionär, doch vieles ist bereits Realität oder zumindest in der Erforschung oder Testphase mancher Konzerne und Start-up-Firmen. Die vierte industrielle Revolution – die sogenannte Industrie 4.0 – ist in Deutschland in vollem Gange. Die Vernetzung zwischen klassischen Produkten und dem Internet hat „rasant an Bedeutung gewonnen“, fasst Michael Kleinemeier, Präsidiumsmitglied des Digitalverbands Bitkom, die Entwicklung der Branche zusammen.

Deutsche Unternehmen wachsen digital

43 Prozent aller IT-Unternehmen in Deutschland bieten entsprechende Dienstleistungen und Produkte für die Industrie 4.0 an. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) planen solche Angebote. Damit haben sich die Aktivitäten in diesem Bereich innerhalb der vergangenen drei Jahre fast verdoppelt. 2014 hatten nur 23 Prozent der Befragten solche Anwendungen im Angebot. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Verbands unter 314 IT-Unternehmen. „Industrie 4.0 wird im produzierenden Gewerbe zum Standard und die IT-Anbieter sind die wesentlichen Treiber“, so Kleinemeier.

Viele Unternehmen stehen international in den Startlöchern, keiner mag den Anschluss verlieren – wie die rund 3000 Aussteller aus 70 Ländern mit ihren Produkten auf der CeBit zeigen. Schließlich geht es hier um einen Milliardenmarkt. Allein in Deutschland dürfte die Vernetzung mit dem Internet bis 2025 eine Produktivitätssteigerung von bis zu 78,5 Milliarden Euro bringen, schätzt der Bitkom-Verband.

Riesige Chancen für die Digitalwirtschaft

Profiteure seien vor allem Hersteller im Maschinen- und Anlagenbau, der Autoproduktion, Elektrotechnik und chemischen Industrie. Insbesondere für die Digitalwirtschaft ergäben sich riesige Chancen. Sie liefert die Software, Infrastruktur und auch die Sicherheitslösungen.

Doch nicht alle deutschen Unternehmen haben die Zeichen der Zeit erkannt. Ein großer Bremsklotz ist der Fachkräftemangel. 2016 gab es allein 28.800 offene Stellen für Informatiker – 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Jedes dritte Unternehmen hat Schwierigkeiten, seine Stellen in dem Bereich zu besetzen, berichtet Dieter Westerkamp vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Viele rechnen mit einer weiteren Verschärfung des Problems.

Gleichzeitig ist bei zahlreichen deutschen Unternehmen die Haltung gegenüber vernetzten Fabriken – sogenannten Smart Factories – noch kritisch. Jedes zweite IT-Unternehmen glaubt, dass Mittelständler den Begriff Industrie 4.0 noch gar nicht kennen, zwei Drittel sind überzeugt, dass viele Hersteller die Chancen der neuen Möglichkeiten noch zu zögerlich umsetzen.

Großer Nachholbedarf im Bereich Cybersicherheit

Hinzu kommt, dass viele Unternehmen einen großen Nachholbedarf im Bereich Cybersicherheit haben. Aus Angst vor Imageschäden würde darüber geschwiegen. Doch klar ist, dass Schad-Software zurzeit die größte Bedrohung darstellt, berichtet Christian Pursche von der Zentralen Ansprechstelle Cybercrime im Landeskriminalamt Niedersachsen. „Sie werden definitiv angegriffen, ob gezielt oder in der Masse.“ Dagegen helfe nur eine Verbesserung der Cybersicherheit.

Um im Bereich Digitalisierung, Datensicherheit und weltweiten Datenverkehr noch schnellere Fortschritte zu erzielen, will Deutschland mit dem diesjährigen CeBit-Partnerland Japan noch enger zusammenarbeiten. Konkret vereinbarten sie in einer „Hannover-Deklaration“ noch engere Kooperationen beim autonomen Fahren, künstlicher Intelligenz oder Datenanalytik.

Die Bevölkerung ist gegenüber der Digitalisierung unterdessen positiv eingestellt. 56 Prozent der Bundesbürger erwarten mehr Wachstum, nur 33 Prozent befürchten weniger Wohlstand. Unter Geschäftsführern ist der Optimismus noch stärker ausgeprägt: Dort sind 90 Prozent der Manager überzeugt, dass die Digitalisierung Chancen birgt.

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