Videospiele

„Scarlet Nexus“: Übersinnliches Anime-Abenteuer

| Lesedauer: 4 Minuten
Dank übersinnlicher Kräfte können auch Autos als Waffen im Kampf eingesetzt werden.

Dank übersinnlicher Kräfte können auch Autos als Waffen im Kampf eingesetzt werden.

Foto: Bandai Namco

Essen  Das Action-Rollenspiel „Scarlet Nexus“ von Bandai Namco gefällt dank Handlung, Optik und Steuerung. Nur ein wenig Abwechslung fehlt.

Action-Rollenspiele sind in den vergangenen Jahren in der Games-Branche zu dem geworden, was SUVs im Automobilbereich sind: Populär, solide, mittlerweile in den meisten Fällen aber ein wenig einfallslos. Daher muss sich ein neuer Titel anstrengen, um in dem Genre herauszustechen. Die Entwickler von „Scarlet Nexus“ versuchen, schon durch eine Neuschöpfung eine Sonderstellung anzudeuten: „Scarlet Nexus“ sei der erste „Brain Punk“-Titel, wurde vor der Veröffentlichung verkündet. „Brain“ – also Gehirn – daher, weil die Protagonisten Yuito und Kasane über spezielle mentale Kräfte verfügen, die ihnen zum Beispiel Psychokinese und Gedankenübertragung ermöglichen. Die beiden gehören zu einer Spezialeinheit, die gegen die Bösen – genannt „die Anderen“ – kämpft. Man kann sich zu Beginn entscheiden, als welcher der beiden Charaktere man das Spiel starten will.

Viele Neon-Lichter in „Scarlet Nexus“ sorgen für „Cyberpunk“-Ästhetik

Der „Punk“-Teil leitet sich von der Ästhetik des Spiels ab. Wie jüngst der Megaseller „Cyberpunk 2077“ spielt auch „Scarlet Nexus“ in einer dystopischen Zukunft, in denen Großstädte nahezu ausschließlich aus Neon-Leuchten zu bestehen scheinen.
Unabhängig davon, ob man gleich eine komplett neue Genre-Bezeichnung einführen muss, so ist „Scarlet Nexus“ visuell so einzigartig, dass man es nicht mit anderen Titeln verwechseln wird. Auch die Kämpfe gegen „die Anderen“ sind so gut inszeniert und so temporeich, dass man sich eher an Action-Spiele wie „Devil May Cry“ oder „Bayonetta“ erinnert fühlt denn an andere Rollenspiele.

Leider übernimmt „Scarlet Nexus“ auch das größte Manko der genannten Titel: die zu starke Linearität. Bei den meisten Action-Rollenspielen gibt es große offene Spielewelten, die man erkunden kann, „Scarlet Nexus“ setzt größtenteils auf kleinere Areale mit vielen Kämpfen.

Für Anime-Fans

Zum Glück sind die Kämpfe der Höhepunkt des Titels: Dank der Superhelden-Kräfte mit sehr vielen Angriffsoptionen ausgestattet, lassen sich die Protagonisten äußerst präzise steuern. Im Laufe des Spiels lernt man neue Charaktere kennen, mit denen man sich anfreunden kann. Gelingt einem dies, kann man auch auf deren Fähigkeiten im Kampf zurückgreifen. Gerade dieser Fokus auf Charakterentwicklung macht den besonderen Reiz des Spiels aus. Die Handlung ist zunächst ein wenig sperrig und vieles erschließt sich erst, wenn man den Titel später aus der Perspektive des zweiten Protagonisten spielt. Neben der Haupthandlung kann man auch Nebenaufgaben abschließen, deren Struktur sich aber leider schnell wiederholt und die daher nicht sonderlich empfehlenswert sind. Die Optik des Spiels dürfte vor allem Anime-Fans begeistern, auch weil die Zwischensequenzen im Comicbuch-Stil gestaltet sind. Insgesamt gehören Präsentation und Inszenierung zu den größten Stärken des Spiels, wozu auch die sehr stimmungsvolle musikalische Untermalung beiträgt.

„Scarlet Nexus“ ragt aus dem Rollenspiel-Einerlei heraus

„Scarlet Nexus“ ist ein empfehlenswertes Action-Rollenspiel, das an manchen Stellen zu linear geraten ist. Dies wird aber durch die opulent inszenierten Kämpfe wieder wett gemacht. Nicht nur Fans von Action-Rollenspielen erhalten mit „Scarlet Nexus“ einen Titel, der für rund 40 Stunden gute Unterhaltung bietet. Ob es wirklich neuartig genug ist, um ein neues Genre zu begründen, sei dahingestellt. Es ist auf jeden Fall eigenständig genug, um aus der Masse an Titeln ähnlicher Machart hinauszustechen.

Infos zum Spiel:

„Scarlet Nexus“ wurde von Bandai Namco entwickelt und ist für Playstation 4 und 5, Xbox One und Series S/X und den PC erhältlich.
Je nach Version kostet das Spiel zwischen 50 und 90 Euro.
Die USK hat das Spiel für Spielerinnen und Spieler ab zwölf Jahren freigegeben.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Digital

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben