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Warum der junge Streamingdienst Joyn in Turbulenzen gerät

Die App der Streaming-Plattform Joyn auf einem iPhone.

Die App der Streaming-Plattform Joyn auf einem iPhone.

Foto: Fabian Sommer / dpa

Hamburg.  Der Grund: Gesellschafter Discovery verkauft Bundesliga-Rechte, die Zugpferd bei Joyn werden sollten, an dessen Wettbewerber Dazn.

Der Anfang klang vielversprechend: Joyn, der neue Streamingdienst von ProSiebenSat.1 und Discovery, konnte kurz nach seinem Start Mitte Juni die Nutzerzahlen seiner Vorgängerplattform 7TV mehr als verdreifachen. Das lässt sich zwar ganz wesentlich mit einer massiven Werbekampagne zur Markteinführung erklären, ist für Joyn aber dennoch höchst erfreulich.

Doch in München, dem Sitz des Dienstes, weiß man auch, dass die Stunde der Wahrheit für Joyn Ende des Jahres schlägt, wenn die Plattform erstmals Bezahlinhalte anbietet. Erst dann wird sich herausstellen, ob das Portal zumindest halbwegs mit Wettbewerbern wie Netflix und Amazon mithalten kann.

Neben der defizitären Bezahl-Plattform Maxdome soll auch der zu Discovery gehörende Eurosport Player künftig Teil des kostenpflichtigen Angebots von Joyn werden. Dort liefen bisher die Freitags- und Montagsspiele der Fußball-Bundesliga, die Relegationsspiele und der Supercup.

Discovery-Sprecherin: „Wir werden weiterhin in Joyn investieren“

Doch nun wurde dieses Paket, mit dem Joyn Nutzer seines Bezahlangebots locken wollte, an den Wettbewerber Dazn für angeblich 70 Millionen Euro verkauft. Jetzt muss dringend Ersatz her. Eine Sprecherin der Plattform sagt, Discovery werde den Verkaufserlös in Inhalte für Joyn stecken.

Das Statement einer Discovery-Sprecherin klingt weniger konkret: „Wir werden weiterhin in Joyn investieren“, erklärt sie. Zum Umfang der künftigen Investments sagt sie nichts. Stattdessen schwärmt sie von der „Partnerschaft mit Dazn“, die „weitaus umfangreicher“ sei als bisher bekannt und sich keineswegs nur auf den Verkauf der Bundesliga-Rechte erstrecke.

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„Die Kooperation ist Teil einer langfristigen Strategie, um so viele Fans wie möglich zu erreichen“, sagt sie. Konkret wird Dazn die Eurosport-Sender „länderübergreifend“ verbreiten.

Schön für Discovery, das sich mit seinem Sport-Engagement, zu dem neben der Bundesliga auch die Übertragungsrechte an den Olympischen Spielen gehören, womöglich etwas übernommen hat. Für Joyn und dessen Gesellschafter ProSiebenSat.1 klingt das alles aber nicht so gut.

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Ein „Tagesthemen“-Interview mit Annegret Kramp-Karrenbauer vom Dienstag sorgt für Turbulenzen. Es wurde ausgestrahlt, als bereits feststand,

Zum Zeitpunkt der Aufzeichnung des Gesprächs kurz vor 21 Uhr war das noch nicht bekannt, weshalb Moderatorin Pinar Atalay die Parteivorsitzende dazu nicht befragen konnte – dachte man zumindest.

„Bild“ berichtete jedoch, dpa habe bereits „um kurz nach halb neun“ die Berufung der Saarländerin zur Verteidigungsministerin gemeldet. Wenn das stimmen würde, wäre das „Tagesthemen“-Gespräch ein journalistischer Offenbarungseid, denn dann hätte Atalay dazu entsprechende Fragen stellen müssen. Allein, es stimmt nicht. Die Meldung wurde von dpa erst um 21:30 Uhr verschickt.

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