Haushalt

Genossenschaften: Mieter und Eigentümer zur gleichen Zeit

Am Stadtpark baute die Genossenschaft von 1904 mit zwei anderen Genossenschaften diese Anlage.

Foto: Hermann Jansen / Wohnungsgenossenschaft von 1904

Am Stadtpark baute die Genossenschaft von 1904 mit zwei anderen Genossenschaften diese Anlage. Foto: Hermann Jansen / Wohnungsgenossenschaft von 1904

Berlin/Münster  Wer einer Genossenschaft angehört, profitiert von Vorzügen. Außer lebenslangem Wohnrecht werden viele Serviceleistungen angeboten.

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Vielerorts ist der Mietraum knapp und nicht gerade günstig. Besonders unangenehm wird es für Mieter, wenn es dann auch noch zum Streit mit dem Vermieter kommt. Als günstige Alternative erscheint vielen das Wohnen in einer Genossenschaft. Doch worin unterscheidet sie sich von anderen Mietwohnungen? „Der Unterschied besteht darin, dass der Vermieter kein gewinnorientiertes Unternehmen ist“, sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund.

Die Mieter selbst seien zugleich auch Eigentümer – in Form einer Genossenschaft. Normalerweise wohne man deshalb preiswerter. Zudem wohnen Mitglieder vergleichsweise sicher, denn Genossenschaften machten keinen Eigenbedarf geltend. „Wer sich an die Regeln des Mietvertrages hält, hat praktisch lebenslanges Wohnrecht“, sagt Ropertz.

An eine Wohnung kommt man nur als Mitglied

„Mitglieder haben ein Mitspracherecht, sodass sich die Genossenschaft an ihren Interessen orientiert – und nicht an denen von Kapitalgebern“, ergänzt Eric Meyer vom Institut für Genossenschaftswesen der Uni Münster. Außerdem böten sie Leistungen an wie schnelle Reparaturen, Gästewohnungen, Gemeinschaftsräume und Betreuungsleistungen für ältere Menschen, günstigen Internet- und Fernsehanschluss, Schuldnerberatungen, Con­cierge-Services und vieles mehr.

An eine Wohnung kommt man nur als Mitglied. „Dafür muss man Miteigentümer einer Genossenschaft werden“, sagt Meyer. Statt eines Mietvertrages unterschreibe man einen Nutzungsvertrag und zahle einen oder mehrere Geschäftsanteile. „Diese Anteile werden leider häufig mit der Mietkaution verwechselt, sie sind aber etwas völlig anderes“, sagt Meyer. Denn mit den Geschäftsanteilen werde der Mieter Miteigentümer aller Wohnungen der Genossenschaft und damit auch indirekt seiner eigenen Wohnung.

Geschäftsanteile kosten bis zu 3000 Euro

Die Mitgliedschaft kann von den Mitgliedern leicht wieder gelöst werden. „Wer austritt, erhält das Geld für die eingezahlten Geschäftsanteile zurück“, sagt Meyer. Unter Umständen zahle die Genossenschaft die Anteile erst nach einer kurzen Wartezeit zurück. Dieser Zeitraum ist in der jeweiligen Satzung geregelt.

„Für die Geschäftsanteile zahlen Mitglieder einmalig zwischen 500 und 3000 Euro“, sagt Matthias Zabel vom Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW). Bei neu gegründeten Genossenschaften könne der Betrag auch höher ausfallen. Die Beiträge werden verzinst, und den Gewinn zahlen manche Genossenschaften auch wieder an ihre Mitglieder aus. Darüber hinaus gibt es in Deutschland 47 Genossenschaften mit Spareinrichtung, so Zabel. Sie bieten ihren Mitgliedern Sparkonten und Sparbriefe mit günstigen Zinsen an.

„Mit dem eingesammelten Geld darf die Genossenschaft nicht spekulieren, sondern muss es nur zur Gebäudepflege, Modernisierung und zum Neubau verwenden“, sagt Zabel. Mit der Mitgliedschaft gehe zwar ein gewisses wirtschaftliches Risiko einher, doch das gelte für jede Unternehmensform, an der man sich beteilige. „Außerdem haben Genossenschaften die niedrigste Insolvenzquote im Vergleich zu anderen Rechtsformen.“

Vergabe der Wohnungen nach festen Kriterien

In Deutschland gibt es fast 2000 Genossenschaften, insgesamt gehören ihnen rund 2,2 Millionen Wohnungen. Das entspricht laut Zabel knapp einem Zehntel aller deutschen Mietwohnungen. Dabei sind die Genossenschaften unterschiedlich aufgestellt: „Es gibt kleine, die vom Engagement ihrer Mitglieder geprägt sind, und große, die ein breites Wohnungsangebot haben“, sagt Zabel. Ihre Wohnungen vergeben die Genossenschaften stets nach festen Kriterien. Einfacher kommt man an die Wohnungen deshalb aber nicht heran.

„Genossenschaftswohnungen sind begehrt und deshalb gerade in Groß- und Universitätsstädten schwerer anzumieten als eine normale Mietwohnung“, sagt Ropertz. Interessierte landen dann erst mal auf einer Warteliste. Ropertz rät ihnen deshalb, sich frühzeitig eintragen zu lassen. „Wenn die Größe, Lage und Ausstattung stimmen, spricht alles für einen Beitritt.“

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