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Hybrid Food: Halb und halb ergibt ein leckeres Ganzes

Nicht nur am Frühstückstisch lecker: Der Cronut – eine Mischung aus Croissant und Donut.

Nicht nur am Frühstückstisch lecker: Der Cronut – eine Mischung aus Croissant und Donut.

Foto: NatashaBreen

Berlin/Essen.   Hybrid Food sind neue Kreationen aus zwei altbewährten Speisen. Wir stellen einige leckere Beispiele vor.

Ein bisschen hiervon, ein bisschen davon – beim Hybrid Food kommt das Beste aus zwei verschiedenen Gerichten zusammen. Die Crème de la Crème also. Damit sind wir auch schon fast beim Thema: der Frage nach der ultimativen Süßspeise. Lieber luftig-knusprig wie die Waffel oder saftig wie der Muffin? Selim Esgin meint: beides! „Muffle“ hat der 37-jährige Berliner seine Süßspeise stimmigerweise genannt. Hat dieses Hybrid Food das Zeug zum nächsten großen Trend?

Nachspeisentrend made in Germany?

Ganz neu ist die Idee nicht, räumt Esgin ein: „Der Muffle ist angelehnt an den Hong Kong Egg Cake.“ Dabei handelt es sich um eine saftige, mit runden Erhöhungen übersäte Waffel, die in China mit Puderzucker versüßt auf die Hand gereicht wird. „Als ein Freund und ich vor vier Jahren die Egg Cakes auf einem Markt in Kanada aßen, dachten wir: Das probieren wir auch.“

Gesagt, getan: Seit vier Jahren bieten die beiden auf Street-Food-Märkten ihre Muffles an – in der Papiertüte zur Teigtasche gerollt und etwa mit Frozen Yogurt oder Salzkaramell gefüllt. „Inzwischen hat sich unsere Idee unter dem Namen Bubble Waffle auch in anderen Regionen Deutschlands verbreitet, wir waren aber das Original“, betont Esgin, der bald sein erstes Muffle-Café im Berliner Trendbezirk Neukölln eröffnet.

Was wurde eigentlich aus Cronuts?

Apropos Großstadt. Das wohl bekannteste Hybridfood stammt aus New York: In seiner Bäckerei im Stadtteil Soho erfand der Franzose Dominique Ansel 2013 nämlich den Cronut, ein Croissant in Donut-Form oder Donut aus Croissant-Teig – ganz wie man will. Die Menschen standen seinerzeit Schlange vor Ansels Laden. Da war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis in- und ausländische Medien auf das Gebäck aufmerksam wurden und bald war der Cronut (unter anderem Namen) über die Kontinente hinweg erhältlich – und landete auch in Gelsenkirchen. Damals war es Bäckermeister Rütger Croonenbroek, der versuchte, den Hybridling im Pott zu etablieren. Seine Version des Cronuts, einem mit Vanillecreme gefüllten Spritzring, nannte Croonenbroek Crossynut – und bot ihn von da an in der Stadtbäckerei Gartenbröcker an. „Ein halbes Jahr verkauften sich die Crossynuts auch richtig gut, dann nahm das Interesse allerdings wieder ab.“

Doch Freunde der süßen Verschmelzung können aufatmen: Den Crossynut gibt es auch heute noch: „Er gehört zwar nicht mehr zum Standardsortiment, aber etwa einmal im Monat bekommen die Bäckereien eine Ladung Crossynuts“, sagt Croonenbroek.

Vielleicht revolutionierte der Cronut also nicht unbedingt die (Gelsenkirchener) Welt des Gebäcks, war aber auch mehr als eine bloße Modeerscheinung. Vielleicht war der Cronut also ein halber Trend – und das wiederum passt doch perfekt zum Hybrid Food!

Halbzeit: Drei Arten von süßem Hybrid Food

Cragel: eine Mischung aus Croissant und Bagel. Der Blätterteig wird zu einem Ring geformt, wie ein Bagel im Wasserbad blanchiert und dann knusprig gebacken. Er kann pur gegessen oder aufgeschnitten und nach Belieben belegt werden.

Cruffin: Ein Blätterteig oder einfach sehr dünn ausgerollter Hefeteig wird zu einer Schnecke gedreht und in Muffinförmchen gebacken. Danach kann er mit Cremes gefüllt werden oder der Teig wird bereits beim Aufrollen süß oder herzhaft bestreut. Wird statt Blätter- ein Briocheteig, also ein fettreicher Hefeteig, verwendet, entsteht ein Bruffin.

Muffle: auch Bubble oder Egg Waffle genannt. Ein süßer, eierhaltiger Waffelteig wird in einem speziellen Waffeleisen gebacken, das für die charakteristische Form sorgt.

Herzhafte Fusionen

Wer sein Hybrid Food für die Nachspeise aufheben will, kann schon bei der salzigen Mahlzeit vorab zweigleisig fahren. Es muss nämlich nicht unbedingt süß sein, es geht auch salzig. Beliebt beim Mixen: Sushi. Das japanische Reisgericht macht sich nämlich nicht nur als mundgerechte Rolle gut, sondern auch als Burger, Donut oder Burrito. Beim Sushi-Burger ersetzen zwei Reis-Patties das Brötchen, statt Fleisch kommen zum Beispiel Avocado und roher Fisch aufs Salatblatt, garniert mit Soja-Soße und/oder Nori-Blatt. Der Sushi-Donut funktioniert ähnlich. Nur, dass Avocado, Lachs & Co. auf dem aus Reis geformten Ring platziert werden.

Der Sushirrito, so der Name der kalten Burrito-Variante, erinnert an eine überdimensionale Sushirolle. Benötigt werden dieselben Zutaten: Nori-Blätter, Sushi-Reis und Füllung nach Wahl, auch gerne herzhafter als das Original, zum Beispiel mit Hähnchen, Tomate und Salatblatt. Reis auf dem Nori-Blatt verteilen, mit der Füllung toppen, zusammenrollen und in Backpapier wickeln.

Wer so gar nichts mit Sushi anfangen kann, wird eventuell bei Ramen-Burger oder Pizza-Dog hellhörig. Ersteres ist eine Kombination aus asiatischen Nudeln und einem Hamburger. Statt Brötchen umschließen die zu Scheiben geformten Ramen Rindfleisch, Ketchup, Käse, Gürkchen und Zwiebeln.

Beim Pizza-Dog landen nicht etwa Würstchen auf dem Teig. Die Brühwurst im Brötchen wird mit Pizza-Soße, Salami (o.ä.) und Käse getoppt und kurz in den Ofen geschoben. Eine Kalorienbombe par excellence – da machen Sushirrito & Co. dann doch eine bessere Figur.

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