Gesetzesvorlage

Masern-Impfpflicht: Was Eltern jetzt wissen müssen

Bundestag beschließt Masern-Impfpflicht

Kinder und Mitarbeiter in Kitas, Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen müssen künftig gegen Masern geimpft sein.

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Berlin.  Die Masern-Impfpflicht kommt und betrifft vor allem Kinder, die bald in eine Kita oder Schule kommen. Das sind die wichtigsten Fakten.

Das ist sie jetzt also, die viel diskutierte Impfpflicht gegen Masern. Wer nun sein Kind in eine Kita oder Schule schicken möchte, muss zuerst den Eintrag im gelben Pass vorweisen – sonst droht Bußgeld.

Am Donnerstag stimmte der Bundestag der Gesetzesvorlage aus dem Haus von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu. Was Eltern jetzt wissen müssen.

Was gilt bei der Impfpflicht gegen Masern ab März 2020?

Eltern müssen vor Aufnahme ihres Kindes in eine Kita oder Schule nachweisen, dass dieses gegen Masern geimpft ist. Bei Verstößen können Bußgelder von bis zu 2500 Euro drohen – auch für Kitas, die ungeimpfte Kinder aufnehmen. Die Nachweispflicht gilt auch für die Menschen, die in Kitas, Schulen oder auch medizinischen und Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten.

Der Nachweis kann durch den Impfpass erbracht werden oder, für den Fall, dass ein Kind bereits Masern hatte und entsprechend immun gegen eine erneute Infektion ist, durch ein ärztliches Attest. Kinder, die schon jetzt in Kitas oder Schulen betreut werden, müssen die Impfung bis 31. Juli 2021 nachweisen.

Warum eine Masern-Impfpflicht?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bereits vor vielen Jahren das Ziel ausgegeben, die Masern weltweit auszurotten. Denn auch wenn sie noch immer gerne als Kinderkrankheit verharmlost werden – Masern sind eine hoch ansteckende Infektionskrankheit, die schwere Komplikationen mit sich bringt und in seltenen Fällen auch tödlich verlaufen kann.

In Entwicklungsländern gehören sie laut dem Robert Koch-Institut (RKI) zu den zehn häufigsten Infektionskrankheiten mit einem hohen Anteil tödlicher Verläufe. In Deutschland wurden in diesem Jahr bereits 500 Fälle gemeldet. Doch die Impfquoten sind laut RKI hierzulande zu niedrig, um die Krankheit auszurotten. Zwar sind 97,1 Prozent der Schulanfänger einmal geimpft, bei der notwendigen Zweitimpfung liegt die Quote aber nur bei 93 Prozent – erforderlich wären mindestens 95 Prozent.

Ärzteverband fordert Pflicht für alle empfohlenen Impfungen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte, die Masern würden nun in den Blick genommen, auch weil sie durch Tröpfcheninfektion sehr leicht übertragbar seien – deutlich mehr als Grippe oder andere Erkrankungen. Er setze aber schon darauf, „dass durch den Besuch beim Arzt, durch das Gespräch übers Impfen gleichzeitig die Bereitschaft wächst, sich auch gegen andere Erkrankungen impfen zu lassen“.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) steht hinter der Impfpflicht für Masern – doch nicht allein das. „Wir fänden es wichtig, dass es eine Pflicht für alle empfohlenen Impfungen gibt“, sagt Jakob Maske, Kinderarzt und BVKJ-Sprecher. Dazu zählt etwa die Immunisierung gegen Keuchhusten, Diphtherie oder Kinderlähmung.

Wie sind die Impfempfehlungen und wie gut wirkt die Immunisierung?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die erste Impfung im Alter von elf bis 14 Monaten, sie kann jedoch bereits ab einem Alter von neun Monaten verabreicht werden – zum Beispiel wenn das Kind in eine Gemeinschaftseinrichtung kommt oder Kontakt hatte zu einem an Masern erkrankten Menschen.

Die zweite Impfung, die laut Stiko ausdrücklich keine Auffrischung der ersten ist, kann bereits vier Wochen nach der ersten Impfung im Alter zwischen 15 und 23 Monaten erfolgen. Nach dieser Zweifachimpfung sind laut RKI 93 bis 99 Prozent der Menschen ihr Leben lang immun gegen eine Infektion. Hundertprozentigen Schutz gebe es jedoch nie, betont die Stiko.

Auch Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden, sollten laut den Empfehlungen ihren Impfstatus überprüfen und sich im Zweifelsfall einmal immunisieren lassen. Denn sie haben in der Regel nur eine Spritze bekommen – damals hielten Experten das für ausreichend. Bei älteren Menschen geht man davon aus, dass die meisten die Masern schon hinter sich haben.

Gibt es auch einen Einzelimpfstoff?

Zwar hat der Bundestag eine Impfpflicht allein gegen Masern beschlossen, de facto entsteht dadurch aber eine Impfpflicht gegen Masern, Mumps und Röteln, in einigen Fällen auch Windpocken. Denn immunisiert wird mit Kombinationsimpfstoffen, das ist auch die Empfehlung der Stiko. Ein sogenannter Monoimpfstoff, der also nur gegen Masern wirkt, steht laut dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) nicht zur Verfügung.

„Die Kombiimpfstoffe sind mal entwickelt worden, um die Zahl der Injektionen bei Kindern möglichst gering zu halten“, sagt vfa-Sprecher Dr. Rolf Hömke. Auch der aktuelle Beschluss des Bundestages wird daran nichts ändern, bestätigen die Impfstoffhersteller GlaxoSmithKline und MSD. Einen Monoimpfstoff werde es auch künftig nicht geben.

Welche Bedenken gibt es gegen die Impfpflicht?

Die Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen kritisiert, dass die Hauptverantwortung in die Hände der Einrichtungen und der Kita-Leitungen gelegt werde. Das gefährde die Vertrauensbasis zwischen Kita und Eltern. Sie forderte, die Prüfpflicht dem öffentlichen Gesundheitsdienst zu übertragen.

Medizinische Bedenken äußern die Kinderärzte. Sie sorgen sich durch die Konzentration auf Masern um die Impfraten für andere Erkrankungen. „Das kennen wir aus anderen Ländern, in denen es Impfpflichten gegen einzelne Erkrankungen gibt“, sagt Maske. „Es wäre eine Katastrophe, wenn jetzt die Impfquoten für Diphtherie oder Keuchhusten hierzulande sinken würden.“

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