Geschäftsidee

Nextmove: Das ist Deutschlands größte E-Auto-Vermietung

Berlin  Eigentlich wollte er nur seinen CO2-Fußabdruck verkleinern. Nun ist Stefan Moeller der Chef einer Vermietung für Elektrofahrzeuge.

Heute Hamburg, morgen Berlin, am Dienstag kurz nach München und zwischendurch ein Termin in Frankfurt – wer sich mit Stefan Moeller treffen will, der muss flexibel sein. Denn der drah­tige Leipziger lebt das Leben eines Handlungsreisenden und ist ständig auf Achse.

Anders als so viele Firmenfahrer sitzt er dabei allerdings nicht in einer Mercedes E-Klasse oder einem Fünfer BMW, sondern kreuzt in einem der ersten Tesla Model 3 durch Deutschland. Denn einen konventionellen Dienst­wagen kann er sich nicht erlauben. Schließlich ist er der Chef von Next­move, der größten Elektroauto-Vermietung im Land.

Dass es einmal so weit kommen würde, hätte sich Moeller vor ein paar Jahren selbst nicht ausgemalt. „Eigentlich ging es mir nur darum, meinen ei­genen CO2-Fußabdruck zu verkleinern“, sagt der Firmengründer. „Aber nachdem ich meinen Altbau saniert und meinen Alltag umgestellt hatte, habe ich mir eben auch Gedanken über die Mobilität gemacht.“

Moeller ist seit dem ersten Kilometer elektrifiziert

Die führten dazu, dass sich Moeller in Frankreich den E-Umbau eines Peugeot 106 gekauft hat. „Mit 90 km/h Höchstgeschwindigkeit und allenfalls 100 Kilometer Reichweite alles andere als alltagstauglich“, räumt er heute ein. „Aber als Gebrauchter war das Fahrzeug für 7000 Euro günstig und so etwas wie die perfekte Einstiegs­droge.“ Denn seit dem ersten Kilometer mit dem kleinen Franzosen war er wie elektrifiziert und für den Verbrenner verloren.

Und weil Nachbarn und Freunde neugierig waren auf das neue Fahren, war der kleine Franzose ständig auf Achse. „Schließlich gab es ja kaum eine Möglichkeit, irgendwo mal ein Elektroauto auszuprobieren“, erinnert sich Moeller.

Diese Erkenntnis war für ihn die Initialzündung für eine ganz neuartige Autovermietung: Kurz darauf kaufte er deshalb zusammen mit einem Freund zwei weitere Elektroautos und startete 2016 die Vermietung – just an dem Tag, an dem die Kanzlerin die Prämie für Elek­trofahrzeuge auslobte, was Moeller als hübschen Zufall in der Firmenchronik führt. Ein Jahr später fusionierte er mit einem Unternehmen aus Thüringen, und von da an ging es ständig bergauf.

Kein anderer hat sich so sehr der E-Mobilität verschrieben

Mittlerweile zählt die Flotte 350 Fahrzeuge vom elektrischen Up bis zum Tesla Model X. Nextmove hat zehn Standorte im gesamten Bundesgebiet und große Pläne für die Zukunft: Allein 100 Tesla sind gerade bestellt, und jede Woche wächst der Fuhrpark um zwei, drei Autos. Kein anderer Vermieter hat sich so sehr der Elektromobilität verschrieben wie Nextmove.

Mit Sixt & Co. will sich Möller dabei trotzdem nicht vergleichen. Denn auch wenn das Mieten sein Geschäft ist, geht es ihm vor allem ums Missionieren. „Wir wollen die Kunden an die Elektromobilität heranführen und ihnen die Probe aufs Exempel ermöglichen“, umschreibt er die Firmenphilosophie. Damit schließt er eine Lücke, die der Handel nicht füllen kann.

Nextmove vermietet kaum an spontane Kunden

Denn wenn es überhaupt mal ein Elektroauto unter den Vorführwagen gibt, kann man das meist allenfalls für ein paar Minuten fahren. Es mit nach Hause nehmen, es ein paar Tage ausprobieren und dabei erkennen, wie weit man mit dem Akku tatsächlich kommt, das sei nahezu nirgends möglich.

Deshalb vermietet Nextmove kaum an spontane Kunden, die einfach nur von A nach B kommen wollen. Für die sind die Preise in der Regel auch zu hoch. Moeller und seine Partner vermieten vielmehr vor allem an Menschen, die sich mit ernsthaften Kaufgedanken tragen.

An Firmenchefs, die ihre dienstwagenberechtigten Mitarbeiter überzeugen wollen. Oder an Kunden, die sogar schon gekauft haben und mit seiner Hilfe die langen Lieferzeiten bei Tesla & Co. überbrücken wollen.

Immer wieder werden Mieter zu Käufern

Dass am Ende der Testfahrten, deren Preise bei 200 Euro für zwei Tage im e-Golf beginnen und schon mal über 500 Euro im Monat klettern, nicht jeder hoffnungslos begeistert ist, stört ihn dabei nicht.

Wenn sich jemand nach der Testfahrt gegen ein Elektroauto entscheidet, hat Moeller trotzdem ein gutes Werk getan: „Dann haben wir den Kunden vor einer großen Fehlinvestition bewahrt.“

Oft passiert ist das allerdings nicht. Im Gegenteil: Immer wieder werden die Mieter zu Käufern und übernehmen das Auto für immer. Zwei bis drei Fahrzeuge pro Woche scheiden deshalb aus der Flotte wieder aus. Damit ihm der Nachschub nicht ausgeht, bestellt Moeller im großen Stil, und bei allen Herstellern. Und ist dabei so früh dran, dass die Autos bei ihm bisweilen sogar früher auf dem Hof stehen als bei den Händlern.

„Sobald wir erfahren, dass es ein neues Auto gibt, das uns interessiert, bekunden wir unser Interesse und zählen regelmäßig zu den Ersten auf den Bestelllisten“, verrät Moeller. Und weil er gerne mal im Dutzend bestellt, wird er dabei selten übersehen.

Auf Fahrtagen steht die Flotte für Tests zur Verfügung

Doch weil es ihm nicht nur ums Geschäft, sondern auch um den Gesinnungswandel in der Gesellschaft geht, forciert er nicht nur die Vermietung und nimmt sich extra viel Zeit für die Beratung. Um für das Akku-Auto und für seine Firma zu werben, organisiert er auch ständig irgendwelche Fahrtage, wo er seine gesamte Flotte für kurze Tests zur Verfügung stellt und so über das Jahr schnell mal 5000 Menschen hinter das Steuer bekommt.

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Und er beteiligt sich auch an PR-Aktionen und Wettbewerben wie dem e-Cannonball von Hamburg nach München, den sein Team natürlich gewonnen hat. Denn keines der 28 anderen Autos hat die 837 Kilometer schneller geschafft als der Nextmove-Tesla, nämlich in 8,5 Stunden.

Aber das war beileibe nicht die verrückteste Tour für den Tesla. Die hat das Model 3 zusammen mit zwei weiteren Teslas auf dem Lausitzring absolviert und dort mit einer Akkuladung einen Reichweitenrekord von 1.001 Kilometern aufgestellt.

Als wäre das nicht schon spektakulär genug, saß dabei kein Mensch am Steuer, sondern das Maskottchen von Nextmove, das so auch ganz nebenbei noch die Funktionsfähigkeit des Autopiloten bewies.

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