Verbraucher

Telefonieren ins EU-Ausland ist von jetzt an günstiger

In Europa gibt es große Unterschiede, was das Datenvolumen bei Handytarifen angeht. Während man in Deutschland relativ wenig Datenmengen erhält, gibt es in den Niederlanden attraktive Flatrates.

Beschreibung anzeigen

Berlin  Seit diesem Mittwoch gibt es Preisobergrenzen für Anrufe und SMS ins EU-Ausland. Wer sparen will, muss aber weiter Tarife vergleichen.

Unzählige Verbraucher sind bereits in diese Kostenfalle hineingetappt, als sie mit dem Handy von zu Hause aus in einem anderen EU-Staat anriefen. Sie telefonierten munter drauflos in dem Glauben, dass Höchstpreise gelten wie während des eigenen Urlaubs im EU-Ausland.

Doch weit gefehlt: Bis zu 1,99 Euro kostet Verbraucherschützern zufolge bisher eine Gesprächsminute von Deutschland aus – das kann sehr schnell saftige Rechnungen produzieren.

Anrufe ins EU-Ausland: Ab dem 15. Mai ist der Preis gedeckelt

Die EU hat dem nun einen Riegel vorgeschoben. Der Fachbegriff dafür klingt sperrig: regulierte Intra-EU-Kommunikation. Ab dem 15. Mai ist der Preis für Telefonate des Kunden aus seinem Heimatland ins EU-Ausland gedeckelt. Anbieter dürfen dafür höchstens 19 Cent pro Minute verlangen.

Hinzu kommt die Mehrwertsteuer. Eine SMS in ein anderes EU-Land kostet dann maximal 6 Cent plus Mehrwertsteuer. Ein Zusatzbonbon für alle: Die neuen Höchstpreise gelten nicht nur für den Mobilfunk, sondern auch für Verbindungen vom Festnetz-Anschluss aus.

„Es ist gut, dass es künftig die Preisregulierung gibt, weil vielen Kunden die oft hohen Kosten für Anrufe in die EU nicht bewusst waren“, sagt Kathrin Körber, Expertin für Telekommunikation der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

Wegen verschiedener Mehrwertsteuersätze in den EU-Staaten ergeben sich unterschiedliche Preisobergrenzen. Für Deutschland liegen sie inklusive Steuer bei 23 Cent pro Minute (Telefonate) und 7 Cent (SMS).

Teure Gespräche nach Malta oder Bulgarien

Zum Vergleich: Besonders teuer mit bis zu 1,99 Euro pro Minute sind momentan Mobiltelefonate in entfernte Länder wie Bulgarien, Malta oder Zypern. Aber auch Gespräche in nahegelegene Urlaubsländer wie Frankreich, Österreich oder Polen schlagen teilweise mit rund 40 Cent je Minute oder mehr zu buche.

Wichtig zu wissen ist allerdings, dass die Regulierung nur für nutzungsabhängige Tarife greift. Das sind Tarife, bei denen die Gesprächsminuten einzeln abgerechnet werden. Nicht betroffen sind sogenannte Minutenpakete, bei denen der Kunde eine bestimmte Anzahl an Gesprächsminuten zum Pauschalpreis erwirbt – zum Beispiel 60 Minuten für 5 Euro.

Bei Ausnutzung des jeweiligen Minuten-Kontingentes schneiden Verbraucher unter Umständen besser ab, als wenn sie zum regulierten EU-Höchstpreis telefonieren.

Flatrates als Alternative

„Wir raten deshalb, weiterhin Tarife zu vergleichen und je nach persönlichem Bedarf den EU-regulierten Tarif oder ein Minutenpaket zu wählen. Da gibt es vergleichsweise günstige Angebote für etliche EU-Länder“, sagt Verbraucherschützerin Körber.

Auch Flatrates, die zum Festpreis zeitlich unbegrenzte Gespräche in ein bestimmtes Land erlauben, kommen als Alternative in Frage – „etwa wenn die Oma ihren in Frankreich studierenden Enkel häufig anrufen will oder sonst ein Familienmitglied länger im Ausland ist“, so Körber.

Welches Mobilfunknetz ist das beste in Deutschland?

Aber Achtung: Hat jemand aktuell bereits ein Minutenpaket oder eine Flatrate gebucht, heißt es schnell zu sein. Der Kunde muss seinem Provider mitteilen, wenn er diesen Sondertarif behalten will. „Ansonsten wird der Tarif zum 15. Juli 2019 auf die neuen EU-Regeln umgestellt und die Ersparnis fällt weg“, warnt die Stiftung Warentest.

Das bedeutet: Es bleibt Kunden nur noch wenig Zeit, um aktiv zu werden.

Mix aus EU- und Nicht-EU-Staaten

Maßgeblich sind die EU-Höchstpreise auch nur für Tarife, die ausschließlich EU-Mitgliedsländer umfassen. Schon bisher gibt es aber Tarifangebote mit einem Mix aus EU- und Nicht-EU-Staaten. Das könnte so bleiben – und zum Aushebeln der EU-Regulierung führen.

Laut Teltarif-Magazin wäre es etwa möglich, dass Provider für alle Auslandsgespräche innerhalb der EU, in die Schweiz sowie die USA einheitlich 29 Cent pro Minute verlangen – deutlich mehr als den Höchstpreis nur für die EU.

Hier droht eine neue Kostenfalle: Denn von sich aus entlassen die Anbieter den Verbraucher aus einem solchen Mix-Tarif nicht. Teltarif-Experte Alexander Kuch: „Er müsste aktiv vom Kunden auf den regulierten EU-Tarif umgestellt werden. Automatisch umstellen müssen die Provider nur Tarife, die ausschließlich Telefonate in EU-Länder enthalten.“

Telefonieren auf Kreuzfahrtschiffen weiterhin teuer

Doch auch hier lohnt sich ein Nachrechnen: Je nach persönlichem Bedarf an Anrufen in einzelne Länder ist ein Mix-Tarif womöglich günstiger als der reine EU-Tarif.

Nicht beseitigt durch die neue Regulierung werden die hohen Kosten für das Telefonieren und die Internetnutzung auf Kreuzfahrtschiffen in europäischen Gewässern. „Wir kennen Passagiere, die unerwartete Rechnungen von beispielsweise 1500 Euro hatten“, sagt Verbraucherschützerin Körber.

Der Grund: Schiffe auf hoher See bauen ein eigenes, mit dem teuren Satellitennetz verbundenes Mobilfunknetz auf. Die EU-Preisvorschrift läuft hier ins Leere. Vorsicht: Das gilt auch für teure Satellitenverbindungen von Reisenden in Flugzeugen.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben