Studie

Schmutzige Luft löst Diabetes aus – Immer mehr Junge krank

Eine neue Studie zeigt: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Diabetes-Neuerkrankungen und Luftverschmutzung.

Eine neue Studie zeigt: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Diabetes-Neuerkrankungen und Luftverschmutzung.

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Washington/Berlin  Übergewicht und ungesundes Essen gelten als Hauptursachen für Diabetes. Nun zeigt eine Studie: Auch Luftverschmutzung trägt Mitschuld.

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Jeden Tag gibt es in Deutschland fast 1.000 Diabetes-Neuerkrankungen – Tendenz steigend. „Junk Food“,

und Fettsucht sowie immer weniger Bewegung und Sport galten bislang als Hauptursachen – nebst der steigenden Lebenserwartung. Doch nun gibt es einen neuen Verdächtigen in Sachen Diabetes-Neuerkrankungen: die Luftverschmutzung.

Eine neue Studie kommt zu dem Schluss, dass eine von sieben neuen Diabetes-Erkrankungen durch

verursacht wird. „Die Umweltverschmutzung hat 2016 zu 3,2 Millionen neuen Fällen von Diabetes weltweit beigetragen, was etwa 14 Prozent der Neuerkrankungen entspricht“, schreiben die Autoren der jetzt im Fachblatt „The Lancet Planetary Health“ erschienenen Untersuchung.

„Es ist anzunehmen, dass die

die Insulinproduktion reduziert und Entzündungen verursacht, die die Umwandlung von Glukose aus dem Blut in Energie verhindern“, schreiben die Forscher von der Washington School of Medicine in St. Louis (USA).

Luftverschmutzung
Luftverschmutzung

Früher „Altersdiabetes“, heute junge Patienten

Diabetes ist eine der am rasantesten zunehmenden Krankheiten und betrifft mehr als 420 Millionen Menschen weltweit, darunter allein 30 Millionen Amerikaner. In Deutschland leiden laut neuesten Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums gut sieben Prozent der Erwachsenen im Alter von 18 bis 79 Jahren an Diabetes mellitus. Die große Mehrzahl der Fälle, 90 bis 95 Prozent, ist an Typ-2-Diabetes erkrankt.

Typ-2-Diabetes wurde früher auch als „Altersdiabetes“ bezeichnet. Allerdings erkranken in den vergangenen Jahren auch immer mehr junge Erwachsene und sogar Jugendliche daran. Das Leiden führt zu erhöhten Blutzuckerwerten, weil die Patienten einen Mangel am Hormon Insulin haben oder die Insulinwirkung bei ihnen vermindert ist.

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Grenzwerte für Luftverschmutzung zu hoch

Schon frühere Studien hatten auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Diabetes hingewiesen. Die neuen Ergebnisse ergeben sich nun aus medizinischen Daten von 1,7 Millionen amerikanischen Probanden, die über achteinhalb Jahre untersucht wurden. Keiner der Teilnehmer litt zu Beginn der Studie an Diabetes. Mithilfe eines statistischen Modells untersuchten die Forscher, wie die Luftverschmutzung an deren Wohnort erklären könnte, warum sie Diabetiker wurden. Auch Faktoren wie Übergewicht und Fettleibigkeit wurden berücksichtigt.

„Unsere Forschung zeigt einen signifikanten Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Diabetes weltweit“, folgert Medizinprofessor Ziyad Al-Aly aus den Ergebnissen. „Dies ist wichtig, weil viele Wirtschaftslobbyisten behaupten, dass die derzeitig erlaubten Grenzwerte von in die Atmosphäre freigesetzten Schadstoffen zu streng seien und gesenkt werden sollten“, mahnt der Wissenschaftler. Stattdessen aber gebe es Beweise, dass diese aktuell zulässigen Niveaus an Luftschadstoffen immer noch gesundheitsgefährdend sind und gesenkt werden müssen.

Übergewicht und Fettleibigkeit
Übergewicht und Fettleibigkeit

Feinstaub erhöht Sterblichkeit deutlich

Die Studienautoren gehen zudem davon aus, dass der Anteil von Diabetes-Erkrankten durch verschmutzte Luft in Ländern, in denen die Vorschriften weniger streng sind –

, Papua-Neuguinea, Afghanistan und Guyana – noch höher liegen dürfte.

Und nicht nur das Diabetes-Risiko steigt durch verunreinigte Luft besorgniserregend an. Im Jahr 2015 starben rund 4,5 Millionen Menschen vorzeitig an den Krankheitsfolgen von verschmutzter Außenluft – darunter 237.000 Kinder unter fünf Jahren, die an Atemwegsinfektionen gelitten hatten. Das ergab eine Untersuchung, die das Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie zusammen mit der London School of Hygiene & Tropical Medicine kürzlich herausgegeben hat.

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