Lebensmittel

So landet weniger Essen in der Mülltonne – Fünf Tipps

Die Deutschen werfen 18 Millionen Tonnen Lebensmittel jedes Jahr weg.

Die Deutschen werfen 18 Millionen Tonnen Lebensmittel jedes Jahr weg.

Foto: Fabian Sommer / dpa

Berlin  Jeder Deutsche wirft im Schnitt pro Jahr 80 Kilogramm Lebensmittel weg. Das muss nicht sein, sagen Haushaltsexperten und geben Tipps.

18 Millionen Tonnen Lebensmittel landen jedes Jahr in Deutschland laut einer Studie der Umweltorganisation WWF von 2017 im Müll – Erzeuger, Lieferanten, Händler und Verbraucher tragen ihren Teil dazu bei. Allein jeder Deutsche wirft jedes Jahr 80 Kilogramm Lebensmittel weg, mit all den negativen Folgen.

Wir schmeißen weg, weil es Lebensmittel im Überfluss gibt und sie wenig kosten. Noch 1950 hat ein Haushalt 50 Prozent seines Einkommens für Nahrungsmittel ausgegeben, heute sind es rund zehn Prozent. Und wir schmeißen weg, weil es uns an Wissen über Lebensmittel fehlt, sagen Experten.

Dabei wäre der größte Teil des Lebensmittelabfalls vermeidbar, auch in Pri­vathaushalten – mit Planung, weniger Hysterie und mehr Wertschätzung für Lebensmittel. Wie es funktionieren kann.

1. Die Planung

Jeder wird es ahnen: Alles beginnt mit guter Planung. „Setzen Sie sich vor dem Einkaufen hin und überlegen Sie: Was habe ich zu Hause, was koche ich in der nächsten Woche?“, sagt Martina Schäfer von der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft (dgh).

Zu Beginn könne man ruhig die Mahlzeiten für eine Woche durchplanen. „Hat man ein Gefühl für die Planung entwickelt, muss es nicht mehr ganz so weit im Voraus sein“, sagt die gelernte hauswirtschaftliche Betriebsleiterin. Wichtig ist es, nicht spontan – womöglich auch noch hungrig – nach der Arbeit beim Supermarkt vorbeizufahren.

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Martina Schäfer empfiehlt jedem, über einen gewissen Zeitraum hinweg eine Liste zu erstellen: Von welchen Lebensmitteln habe ich immer zu viel? Was schmeiße ich am häufigsten weg? Bei der Planung des Einkaufs können auch Apps helfen, wie zum Beispiel der „Saisonkalender“ des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE), der zeigt, welches Obst, welches Gemüse gerade Saison hat.

2. Der Plan B

Ein Grundproblem beim Einkaufen sei die Angst, dass das Gekaufte nicht ausreichen könnte und die Mägen, vor allem die von Gästen, leer bleiben könnten, erzählt Haushaltsexpertin Schäfer. „Hier ist es wichtig, einen Plan B zu haben und nicht einfach die doppelte Menge zu kaufen.“

Konkret bedeutet das: Nicht zwei Sahnetorten kaufen, sondern lieber eine und zur Sicherheit noch zwei Hefezöpfe – „die können anders als die Sahnetorte zur Not eingefroren werden oder zum nächsten Frühstück gegessen werden“, sagt Schäfer. Oder statt der doppelten Menge Fleisch beim Grillen einfach noch ein, zwei Packungen eingeschweißte Würstchen kaufen – die halten sich viel länger als frisches Fleisch.

Um Mengen von vornherein richtig einschätzen zu können, hilft eine Orientierung an Mengenvorgaben (siehe Liste). Die Mengen können mithilfe von Erfahrungswerten angepasst werden.

3. Die Lagerung

Eine Hauptursache für Lebensmittelverschwendung sei fehlendes Wissen, sagt Lebensmittelexpertin Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg, „zum Beispiel über die richtige Lagerung von Obst und Gemüse – die am häufigsten weggeworfenen Lebensmittel“. Etwa, dass Zitrusfrüchte nicht in den Kühlschrank gehören, genauso wenig wie Mango, Ananas oder Bananen.

Und dass es im Kühlschrank spezielle Fächer für die Aufbewahrung unterschiedlicher Lebensmittel gibt. „Dieses Wissen zur Lagerung hat früher die Schule vermittelt, das passiert aber heute kaum noch“, sagt Schwartau. Damit sei auch die Wertschätzung für Essen eine andere geworden. „Aber Lebensmittel leben, man muss sich um sie kümmern.“

Konkret heißt das etwa für Brot und Brötchen, dass man sie in speziellen Brottöpfen aus Holz oder Ton lagern sollte, erklärt Martina Schäfer. „Sie brauchen bei Zimmertemperatur eine optimale Luftzirkulation, damit sie länger saftig bleiben und weniger Wasser abgeben.“

In einem Tontopf fühlen sich auch Zwiebeln, Kartoffeln und Knoblauch sehr wohl. Für Käse gilt: Nicht in einer Frischhaltebox im Kühlschrank aufbewahren, sondern in der Verpackung des Händlers. „Käse braucht ein bisschen Sauerstoffzufuhr zum Atmen“, sagt Schäfer, „bei luftdichtem Verschluss würde sich Kondenswasser bilden, und der Käse könnte schneller schimmeln.“ Anders ist es bei den meisten frisch aufgeschnittenen Wurstsorten: Sie müssen in die Frischhaltebox, sonst trocknen sie aus und werden unansehnlich.

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4. Die Verwertung

Für viele Menschen stellt das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) eine Grenze dar, die nicht überschritten werden darf. In der Folge landen Lebensmittel im Müll, die noch gut sind. Auch hier fehle es schlicht an Wissen, sagen die Haushaltsexpertinnen. „Im Englischen heißt es ja: ‚best before‘“, sagt Schwartau, „das ist eigentlich der viel bessere Ausdruck.“

Denn nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist, sei ein Produkt nicht automatisch schlecht. Nicht zu verwechseln sei das MHD aber mit dem Verbrauchsdatum, wie es etwa bei Geflügel, Hackfleisch oder Lachs gilt, sagt Martina Schäfer: „Hier gibt es keinen Spielraum.“

Schwartau plädiert dafür, sich auf die eigenen Sinne zu verlassen: Geruch, Aussehen, Geschmack. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat zu dem Thema eine Checkliste erstellt, die kostenlos online zur Verfügung steht: Unter www.vzhh.de > Themen > Lebensmittel + Ernährung > Haltbarkeit von Lebensmitteln hat sie die wichtigen Informationen zur Haltbarkeit verschiedener Lebensmittel zusammengetragen.

Wenn es trotz guter Planung Reste gibt, gibt es zwei gute Möglichkeiten: kreativ werden oder spenden. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat zum Beispiel mit „Zu gut für die Tonne“ eine App entwickelt, die Tipps für die Resteküche gibt. Von der Verbraucherzentrale NRW gibt es das Buch „Kreative Resteküche“.

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Ein anderer Ansatz ist das Teilen von übrig gebliebenem Essen. Das funktioniert über Tauschbörsen wie foodsharing.de oder die App „Too good to go“, mit deren Hilfe man überschüssiges Essen aus Restaurants finden und abholen kann. Auch die Tafel Deutschland nimmt Essen von Privatpersonen an. Die Verbraucherzentrale Hamburg empfiehlt, sich an die Tafel vor Ort zu wenden und nach den Bedingungen zu fragen.

5. Der Vorrat

Um spontane Einkäufe in Eile zu verhindern oder auch ein gutes Restekochen zu ermöglichen, sollte ein gewisser Grundvorrat in jedem Haushalt vorhanden sein, sagt Haushaltsexpertin Schäfer.

Dazu gehörten etwa – je nach Vorlieben – Brot, Nudeln, Reis, Haferflocken, Mehl, Kartoffeln und Kekse; Gemüse und Konserven wie Bohnen, Erbsen und Möhren, Saure Gurken, Rote Beete, Zwiebeln und Knoblauch; Obst wie Kirschen im Glas, Nüsse, Trockenobst und frisches Obst; Milchprodukte wie Milch, Hartkäse, Joghurt, Quark und Sahne; Tierisches wie Fischdosen, Dosenwurst, Salami und Eier; Fette wie Rapsöl und Streichfett; daneben außerdem Zucker, Marmelade, Schokolade, Essig, Senf, Salz und Gewürze, Backpulver, Trockenhefe, Tomatenmark, Instantbrühe, Kakao- und Puddingpulver. (Laura Réthy)

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