Planung

So macht man beim Dachausbau das Beste aus Schrägen

Selfboard Nelli ist ein Kommoden-Programm, bei dem Einzelcontainer nach Belieben miteinander kombiniert werden können.

Selfboard Nelli ist ein Kommoden-Programm, bei dem Einzelcontainer nach Belieben miteinander kombiniert werden können.

Foto: SELF / Self

Köln/ Hamburg  Mit den passenden Möbeln lässt sich in Schrägen viel Stauraum unterbringen. Mit ein wenig Geschick wirken diese Räume oft behaglicher.

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Sie entstehen durch Dachkonstruktionen, eingesetzte Gauben oder architektonische Besonderheiten: Schrägen, Nischen, Hohlräume. Insbesondere in den oberen Gebäudeetagen sind Räume mit solchen Ecken und Kanten häufig anzutreffen – zur Freude oder zum Ärger ihrer Bewohner.

„Durch die Schrägen kann man meist vorhandene Möbel nicht aufstellen. Sie müssen angepasst werden oder man muss besonders kreativ sein“, nennt Mareike Hermann von der DIY Academy in Köln einen Nachteil der Schrägen. Andererseits können diese einem Raum auch eine besondere Atmosphäre verleihen, ihn gemütlich und behaglich wirken lassen.

Der Buchautor und Architekturexperte Daniel Fuhrhop empfiehlt, Schrägen nicht als einen Mangel, sondern als das Besondere eines Raumes anzusehen: „Das Unperfekte macht eine Wohnung unverwechselbar. Es ist wie die Bausünde in der Architektur. Man kann sie auch als Chance betrachten, weil sie auf den wahren Wert eines Hauses aufmerksam macht.“

Umgesetzte Projekte einer Innenarchitektin

Innenarchitektin Annette Embert kann dies bestätigen. Beim Umbau eines Reihenhauses in Hamburg plante sie beispielsweise für ein Ehepaar einen Rückzugsraum mit einem Panoramafenster, „das einen wunderbaren Ausblick bietet und in dem er problemlos Schlagzeug üben oder einer der beiden alternativ fernsehen kann.“

In einem anderen Fall entstand unter dem Dach ein „unglaublich schmales Bad“, in dem jedoch eine Dusche und ein Waschtischunterschrank mit viel Stauraum untergebracht werden konnten.

„Und bei der Umgestaltung einer alten Gründerzeitvilla haben wir die Wände auf Brüstungshöhe geöffnet und somit den Raum nutzbar gemacht. Hier befindet sich jetzt Platz für ein großes Bett und einen kleinen Arbeitsplatz“, erzählt die Planerin, die bei solchen Arbeiten gern erfahrene Tischler hinzuzieht. „Dann bekommen solche Räume nämlich nicht nur eine sehr funktionelle, sondern auch eine sehr edle Anmutung.“

Romantisch wird es, wenn man zur Schlafenszeit auch noch den Sternenhimmel durch ein gut positioniertes Fenster betrachten kann. Dann wird dieser Schlaf- und Ruheplatz schnell zum begehrtesten Ort im Haus.

Stapelbare Würfel und Regalsysteme

Die klassische Nutzung von Schrägen ist und bleibt aber wohl die Ablagefläche. „Schrägen bieten ein hohes Potenzial an Stauraum“, bestätigt Mareike Hermann.

Der Handel biete Regalsysteme, die sich entsprechend anpassen und kombinieren ließen. „Dafür eignen sich zum Beispiel Regalwürfel, die man versetzt übereinanderstapelt, oder Regalböden mit Konsolen sowie Regalsysteme in diversen Höhen.“

SELF ist beispielsweise ein Kommoden-Programm, das in vielen Möbelhäusern oder auch online erhältlich ist (www.self-moebel.de, circa 699 Euro). Einzelcontainer können hier in diversen Größen miteinander kombiniert werden, sodass viele Anordnungs- und Kombinationsmöglichkeiten umsetzbar sind. Neben der Funktionalität kommt das Design nicht zu kurz: Gerundete Griffmulden sind ein markantes Gestaltungselement bei den Fronten.

Ideen für Hobbyhandwerker

Wer selber Hand anlegen möchte, kann auch ein einfaches, nach oben offenes Regal auf die passende Höhe stutzen und so in die Nische einpassen. Offene Fächer lassen sich hinter Schiebetüren, Schiebegardinen oder Vorhängen verbergen.

Für Schrägen direkt unter dem Dach sind diese Lösungen aber oft nur bedingt geeignet – vor allem wenn die Decke noch weit nach hinten abfällt. Regale bieten dann meist nicht die notwendige Tiefe und Flexibilität, um den Stauraum komplett auszunutzen. Die Folge: Der Platz dahinter bleibt ungenutzt – oder wird schnell vollgestellt.

„Bevor man daran denkt, eine Ecke oder eine Schräge praktisch zu nutzen, sollte man sich also fragen, was man dort wirklich braucht“, empfiehlt Architekturexperte Fuhrhop. Sonst sammelt sich dort nämlich nur das an, was man eigentlich entrümpeln wollte.

Sein Tipp: „Fangen Sie mit dem Ausmisten beim Platz unter der Schräge an, räumen Sie ihn frei – und dann lassen Sie einfach mal alles auf sich wirken!“

Hersteller bieten auch Bausätze an

Wer dennoch Stauraum benötigt, dem rät Hermann, Drempelschränke einzubauen: „Dafür bieten sich Möbel auf Rollen unter dem Kniestock an.“ Dann könne man die einzelnen Elemente auch nach vorn herausziehen.

Oder man bringt hinter einer geschlossenen Front Fächer, Kleiderstangen und andere Sortier- und Aufhängesysteme unter, um auf diese Weise Kleidung und Handtücher, Geschirr, Vorräte und Deko-Sachen zu verstauen.

Wer sich nicht zutraut, so etwas selbst zu bauen, oder wem das Geld für Maßanfertigungen fehlt, kann auch auf Bausätze zurückgreifen: „Teilweise haben sich Anbieter darauf spezialisiert, Möbel für Schrägen herzustellen“, sagt Hermann.

Innenausbau als Chance nutzen

Fridtjof Ludwig, Sprecher des Bundesinnungsverbands Tischler Schreiner Deutschland, rät Bauherren, die Nutzung von Schrägen früh und sehr konkret zu bedenken „und direkt mit dem Innenausbau anzugehen“.

So könne man zum Beispiel die Decken in hohen Räumen mit steilen Dachschrägen abhängen oder eine indirekte Beleuchtung gleich mitverbauen. „Oder aber die Schrägen werden selbst verkleidet, sodass der Raum gerade Wände erhält.“

Schrägen sind also nichts Schlimmes, sondern eine Chance, noch mehr Wohnraum zu generieren. „Beim derzeitigen Trend der Verdichtung wird der Dachraum immer mehr erschlossen“, sagt Annette Embert. Und auch wenn häufig der Platz für eine Treppe fehle, sollte man sich davon nicht abhalten lassen: „Hier hilft eine Raumspartreppe, die auch ein Objekt im Raum sein kann“, weiß die Planerin.

Ihr Tipp: „Beim Einbau von Dachflächenfenstern darauf achten, dass der Öffnungswinkel der oberen und unteren Fensterlaibung möglichst groß ist. Durch den großen Lichteinfallwinkel wird der Raum besser belichtet und die Fensterfläche erscheint größer.“

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