Verbraucherzentrale NRW

Gericht rügt Eventim im Streit um Vorverkaufsgebühr

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Ticketanbieter Eventim darf bei abgesagten Veranstaltungen die Rückzahlung des vollen Kaufpreises nicht verweigern: Zu diesem Schluss kommt das Landgericht München nach einer Klage der Verbraucherzentrale NRW.

Ticketanbieter Eventim darf bei abgesagten Veranstaltungen die Rückzahlung des vollen Kaufpreises nicht verweigern: Zu diesem Schluss kommt das Landgericht München nach einer Klage der Verbraucherzentrale NRW.

Foto: Sina Schuldt / dpa

München/Düsseldorf.  Die Verbraucherzentrale NRW hat vor dem Landgericht München einen Teil-Erfolg gegen Eventim erstritten. Viele Kunden hatten sich beschwert.

Ticketriese Eventim darf bei abgesagten Veranstaltungen die Rückzahlung des vollen Kaufpreises nicht pauschal verweigern. Dagegen hatte die Verbraucherzentrale NRW vor dem Landgericht München geklagt, nachdem es im März vergangenen Jahres „massenhafte Verbaucherbeschwerden“ gegeben habe.

Die Kunden hatten beklagt, dass Eventim die Erstattung von Tickets für coronabedingt verschobene Veranstaltungen verweigere. Der Tickethändler behielt die Vorverkaufsgebühr für sich. Zu Unrecht, wie die Richter urteilten. Ein entsprechender Satz in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen ist demnach rechtswidrig.

Ein Argument der Kammer: Wenn eine Veranstaltung erfolgreich über die Bühne geht, streicht der Tickethändler bei Verkauf auf Provisionsbasis die Kommission allein ein. Daher sollte der Händler nach Einschätzung der Kammer auf der anderen Seite auch das entsprechende Risiko allein tragen, und nicht bei einer abgesagten Veranstaltung Kosten auf die Kunden abwälzen. Ein zweiter Punkt: Die Höhe der Vorverkaufsgebühr ging aus den Ticketpreisen vielfach gar nicht hervor. Das rügte das Gericht als intransparent.

So müsse Eventim in Fällen, in denen das Unternehmen im eigenen Namen auf fremde Rechnung handelt (Kommissionsgeschäft), den Kunden grundsätzlich den gesamte Ticketpreis inklusive der Vorverkaufsgebühren erstatten.

Tickets für Nachholtermine können nicht zurück gegeben werden

„Wir gehen davon aus, dass in einer Vielzahl der Fälle Eventim zu Unrecht Geldbeträge einbehalten hat, statt Verbraucherinnen und Verbrauchern den gesamten Ticketpreis zurückzuzahlen”, so Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW. Wurde Eventim bei Veranstaltungsabsagen mit der Rückerstattung beauftragt, könnten Betroffene mit Verweis auf das Urteil nun Eventim zur Zahlung der ausstehenden Beträge auffordern.

Das Landgericht München hält allerdings den Verweis, dass Tickets für Nachholtermine ihre Gültigkeit behalten und deswegen nicht zurückgegeben werden können, für eine zulässige Rechtsmeinung. Das sieht die Verbraucherzentrale NRW anders. „Wir werden diesbezüglich die Urteilsgründe prüfen und voraussichtlich in Berufung gehen“, kündigt Schuldzinski an.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. „Sollten sich Verbraucher jedoch aktuell in einem Rechtsstreit mit Eventim befinden, können sie auf das Urteil verweisen und Eventim anbieten, die Zahlung vom Ausgang eines möglichen Berufungsverfahrens abhängig zu machen“, rät Schuldzinski. Hierzu bietet die Verbraucherzentrale NRW einen Musterbrief an.

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