Umweltschutz

Warum das Plastikmüll-Abkommen in Nairobi vorerst scheiterte

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Berlin  Die UN-Konferenz findet keine Mehrheit für ein gemeinsames Vorgehen gegen die Verschmutzung der Meere. Deutschland sucht Verbündete.

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Die Nachricht von riesigen Plastikmüllstrudeln im Meer, von erstickten Möwen oder Mikroplastik in Gewässern zeigt offenbar Wirkung: Umfragen zufolge beschleicht immer mehr Verbraucher ein ungutes Gefühl, Plastikverpackungen in den Einkaufskorb zu legen.

Doch die Hoffnung von Umweltverbänden, der Plastikflut mit einem weltweiten Abkommen zu begegnen, hat sich vorerst zerschlagen: Auf der UN-Umweltkonferenz in Nairobi scheiterte der Versuch, Verhandlungen über verpflichtende Schritte zur Eindämmung des Mülls zu beginnen. Also alles für die Tonne, wie die Umweltstiftung WWF kommentiert?

WWF: „Nicht das Ende der Gespräche“

Deutschland, Norwegen und eine Reihe von südostasiatischen Staaten machen sich dafür stark, künftig unter dem Dach der Vereinten Nation über ein völkerrechtlich verbindliches Abkommen zu verhandeln, um das Einleiten von Plastik in die Ozeane zu stoppen.

Hintergrund: So können Verbraucher beim Einkauf Plastik vermeiden

Ein Mandat für den Start der Verhandlungen hätte im Abschlussbericht der am heutigen Freitag endenden Konferenz stehen können. Laut Verhandlungsteilnehmern scheiterte das an der Blockade der USA, auch Kuba stellte sich quer.

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In der abschließenden Sitzung des Konferenzplenums am heutigen Freitag soll nun über einen Kompromissvorschlag abgestimmt werden: Eine Arbeitsgruppe soll eingesetzt werden, die mögliche Antworten gegen die Plastikvermüllung berät, sagte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums. „Gemessen an dem, was wir uns vorab erhofft hatten, ist das eine herbe Enttäuschung“, sagte Alois Vedder, Politik-Chef des WWF, „doch es ist zumindest nicht das Ende der Gespräche.“

Jährlich kommen rund 13 Millionen Tonnen Plastik in Weltmeere

Deutschland jedoch will Druck machen beim globalen Plastikproblem. „Wir geben die Verhandlung einer UN-Plastikkonvention nicht auf“, sagte Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Umweltministerium und Chef der deutschen Delegation in Nairobi, unserer Redaktion.

„Die Vermüllung der Meere durch Kunststoffabfälle und Mi­kroplastik ist weltumspannend, daher brauchen wir auch eine globale Antwort darauf“, so Flasbarth weiter. „Ich habe deshalb auf der Weltumweltkonferenz angekündigt, dass wir eine ,Freundesgruppe‘ zu einem Treffen ambitionierter Staaten nach Berlin einladen werden, die sich weiter für eine Plastikkonvention einsetzen wollen.“

Wie gravierend die Umweltgefahr durch Plastikmüll im Meer inzwischen ist, haben Studien immer wieder unterstrichen. Die etwa 13 Millionen Tonnen Plastik, die laut einer amerikanisch-australischen Forschergruppe jährlich in die Weltmeere gespült werden, verschwinden nicht im Laufe der Jahre.

Viele Verpackungen werden nur kurz benutzt

Der Kunststoff zerfällt in mi­kroskopisch kleine Teile, die für Jahrzehnte eine Gefahr für über 800 Tierarten bleiben, ehe sie sich am Ende auch im menschlichen Körper anreichern. Seit 1950 sollen sich Schätzungen zufolge 150 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Meeren angesammelt haben.

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450 Jahre dauert es, ehe sich eine Plastikflasche im Wasser auflöst. 50 Jahre sind es bei einem Styroporbecher, zehn bis 20 Jahre bei einer Plastiktüte. Ein solcher Zerfall aber hat mit einem restlosen Abbau nichts zu tun, sagen die Experten des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in Oberhausen.

Plastik zu vermeiden, wo es geht, das raten Forscher und Verbraucherschützer. Die Heinrich-Böll-Stiftung fordert, Abfall-Sammelsysteme weltweit zu verbessern: Ressourcen im Wert von bis zu 120 Milliarden Dollar gingen pro Jahr verloren, weil Verpackungen nur einmal kurz benutzt und dann weggeschmissen würden.

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