Finanzen

Warum Frauen ohne Trauschein oft finanzielle Nachteile haben

Wer unverheiratet ist, sollte unbedingt mit seinem Partner über Geld sprechen.

Wer unverheiratet ist, sollte unbedingt mit seinem Partner über Geld sprechen.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Berlin  Finanzen in der Beziehung sind ein heikles Thema – für Männer und auch für Frauen. Wer finanziell schwächer da steht, muss aufpassen.

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Das Geldthema kann in Beziehungen ganz schön Sprengstoff sein. Das geht los mit: Wer zahlt im Restaurant? Bis hin zur Frage: Brauchen wir einen Ehevertrag? Gerade Frauen reden nicht so gern über Geld – in Beziehungen schon gar nicht. Klug ist das nicht.

Die Frage im Restaurant kennt jeder, und auch das kleine Drama, das manchmal folgt – es geht dabei immer auch um Beziehung und alte Muster: Die Frau besteht darauf, selbst zu zahlen, und zeigt damit ihre Unabhängigkeit. Oder sie lässt sich einladen und gibt ihrem Gegenüber die Chance, sich großzügig zu zeigen. Oder die Frau übernimmt die Zeche – und setzt sich von alten Rollenbildern ab.

Also was nun? Klare Regeln gibt es nicht. Und das ist nur der Anfang.

Thema Geld in der Beziehung – was, wann man nicht einig ist?

„Geld ist bei uns in der Beziehung kein Thema!“ – das stimmt fast nie. Es ist richtig, dass Frauen seltener über Geld in der Partnerschaft reden. Thema ist es dennoch. Kritisch wird es immer, wenn man plötzlich merkt, dass man sich beim Geld doch nicht einig war.

Natürlich müssen Paare nicht jede Rechnung ausdiskutieren. Doch wird es einfacher, wenn sich beide bewusst machen, auf welcher Beziehungsebene es gerade um Geld geht.

Da wäre die emotionale Ebene: Es geht um kostspielige Geschenke oder auch nur ein schönes Essen.

Die freundschaftliche Ebene: Es geht um den Ausgleich bei gemeinsamer Freizeit, wenn ein Partner vermögender ist als der andere. Etwa das Hotel und den Flug bezahlen, weil der andere nie so luxuriös verreisen würde.

In diesen beiden Kategorien will der oder die Bessergestellte das Geld nicht zurück – auch wenn es zur Trennung kommt.

Anders ist es auf der partnerschaftlichen Ebene: Hier geht es um Geld und Investitionen, die beide in die gemeinsame Zukunft stecken. Das sollten ein (Ehe-)Paar immer verhandeln, damit sich nicht einer übervorteilt vorkommt. In die Waagschale gehören: Wer zahlt was für Miete oder Immobilie, für Essen und Alltag, wer hat wieviel Anteile bei der Kinderbetreuung und im Haushalt – und wer steckt beruflich zurück.

„Heiraten, das finde ich spießig“

Klar finden viele die Ehe spießig. Für viele ist so eine Heirat aber auch ein Schritt, der die Beziehung zu etwas Besonderem macht – und die Spreu vom Weizen trennt (nicht selten scheitert eine Beziehung kurz vor der Hochzeit). Das Versprechen, gemeinsam durch dick und dünn zu gehen, verbindet. Und ohne dieses gute Gefühl sollten auch bloß niemand heiraten – schon gar nicht, nur um Steuern zu sparen.

Aber Achtung: Die Position eines unverheirateten Partners in wichtigen finanziellen Fragen ist deutlich schlechter als mit Trauschein. Falls einer der Eheleute stirbt, ist der andere erbrechtlich abgesichert. Unverheiratete haben keinerlei Ansprüche gegen den anderen, selbst wenn sie sich erst nach vielen Jahren trennen: Es gibt keinen Unterhalt, keinen Zugewinnausgleich und auch keinen Ausgleich der Rentenansprüche.

Der fehlende Ausgleich kann für Frauen existenzbedrohend sein, die Jahrzehnte mit ihrem Partner zusammengelebt und wegen der Kinder beruflich zurückgesteckt haben. Oft kommen sie finanziell mit einem Teilzeit-Job allein nicht über die Runden. Wer dann auch noch ausziehen muss, da der Mann nur allein im Mietvertrag oder Grundbuch steht, der hat ein wirkliches Problem.

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Will sich ein Paar ohne Heirat gegenseitig absichern, dann müssen es das vereinbaren. Das geht, ist aber aufwendig.

„Wir lieben uns doch, da macht so ein Vertrag alles kaputt.“

Selbst der schlimmste Vertrag kann eine Liebe nicht zerstören. Oder anders gesagt, wenn ein Ehevertrag mit dem Partner ein Tabu ist, dann gibt es wahrscheinlich noch ein paar andere Tabus in der Beziehung. Es hilft, ganz offen zu besprechen, ob einen Vertrag sinnvoll ist oder nicht. Viele Paare brauchen ihn nicht, da die gesetzliche Regelung im Fall der Trennung zu einem fairen Ergebnis führt.

In einigen Konstellationen kann ein Ehevertrag aber durchaus sinnvoll sein: Für ältere Paare, die beide arbeiten und keine Kinder haben. Auch wenn ein Partner selbstständig ist oder gerade ein Geschäft aufbaut, können die gesetzlichen Regeln zu Ungerechtigkeiten führen.

Dazu ein Beispiel: Die Frau ist angestellt, der Mann selbstständig. Sie zahlt in die gesetzliche Rentenversicherung ein, er sorgt mit einer Lebensversicherung vor. Auf Grundlage des gesetzlichen Versorgungsausgleichs muss die Frau nach der Scheidung die Hälfte ihrer gesetzlichen Rentenansprüche an den Ex abgeben. Seine private Lebensversicherung hingegen bleibt unangetastet. Ziemlich ungerecht für sie.

Auf der anderen Seite können Partner den Gang zum Notar sparen, falls jemand mit Schulden in die Ehe geht. Auch nach der Heirat ist jeder im Rahmen der Zugewinngemeinschaft für seine Angelegenheiten zuständig. Der Ehepartner heiratet also keine Schulden; geteilt wird nur, was während der Ehe erwirtschaftet wird.

„Es lohnt sich nicht für uns, wenn du auch arbeitest.“

Mit der Ehe den eigenen Beruf aufzugeben, weil sich die Arbeit nicht mehr lohnt, ist der größte Trugschluss, dem einer der Partner unterliegen kann. In der Vergangenheit haben viele Frauen diesen Satz von ihrem Gatten hören müssen. Das Steuerrecht liefert dieser Argument auch noch Munition: Die Rede ist vom Ehegattensplitting, also einer gemeinsamen Steuererklärung.

Davon profitieren besonders Ehepartner, bei denen die Einkommensunterschiede sehr hoch sind. Damit beide zusammengerechnet schon beim monatlichen Lohnsteuerabzug möglichst geringe Steuern zahlen, wählen viele die Kombination der Steuerklassen III und V.

Das führt dazu, dass der Partner, der weniger verdient (meist die Frau), die höheren Abzüge auf ihren Monatslohn hat. Das ohnehin kleinere Einkommen wird so künstlich noch kleiner gerechnet. Inzwischen gibt es eine Alternative: Steuerklasse IV mit Faktor. Das ist aufs Jahr gerechnet näher an der tatsächlichen Steuersumme – und teilt die Steuerlast gerecht zwischen beiden Partnern auf.

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Dieser Beitrag stammt aus dem aktuellen Newsletter von Finanztip und erscheint an dieser Stelle in einer Kooperation. Finanztip ist gemeinnützig und hilft Verbrauchern bei den täglichen Finanzentscheidungen.

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