Gesundheit

Alltag zwischen Messen und Spritzen

Mit einem solchen Messgerät kontrollieren Diabetiker ihren Blutzuckerwert.

Mit einem solchen Messgerät kontrollieren Diabetiker ihren Blutzuckerwert.

Foto: FUNKE Foto Services

Hagen.   Thomas Knublauch leidet seit seinem fünften Lebensjahr an Typ-1-Diabetes. Was das für seinen Alltag bedeutet berichtet er hier.

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Der Alltag eines Diabetikers ist anders als der eines gesunden Menschen. Diabetes ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der das Hormon Insulin nicht mehr oder nur teilweise selbstständig vom Körper produziert wird. Insulin ist unter anderem dafür verantwortlich, dass der Blutzuckerspiegel im Körper sinkt. Es ist das einzige Hormon im menschlichen Körper, dass diese Funktion hat. Ohne Insulin steigt also der Blutzuckerspiegel. Krankheitssymptome, die bei Diabetes auftreten können, sind zum Beispiel ständiges Durstgefühl, häufiges Wasserlassen, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit oder allgemeine Erschöpfungszustände.

Ich habe seit meinem fünften Lebensjahr Diabetes. Seitdem muss ich regelmäßig meinen Blutzuckerwert messen und Insulin spritzen. Regelmäßig klingt eigentlich ja gar nicht so viel, aber tatsächlich muss ich vor jeder Mahlzeit mit einem Messgerät den Blutzuckerwert kontrollieren. Dazu pikse ich mit einer Stechhilfe in einen Finger und gebe den Blutstropfen, der dabei entsteht auf einen Teststreifen. Den Teststreifen stecke ich in das Messgerät und das Gerät zeigt mir dann den Wert an. Ist er gut, muss ich nur das Essen „wegspritzen“. Falls der Wert zu hoch ist, muss ich zusätzlich eine Korrektur spritzen. Dies mache ich mit einem sogenannten „Pen“. Das ist eine Spritze, die Ähnlichkeit mit einem Füller (Pen) hat und in der eine Insulinkartusche und eine Nadel sind.

Erst messen, dann spritzen

Das Spritzen tut in der Regel kaum weh. Ich spritze mir in den Bauch oder in den Oberschenkel. Die Fingerkuppen, an denen ich die Stechhilfe verwende, um meinen Blutzuckerwert zu kontrollieren, und die Spritzstellen werden natürlich ziemlich belastet. Aus diesem Grund versuche ich, immer in unterschiedliche Stellen zu stechen.

Damit ich die richtige Dosis an Insulin abgebe, muss ich vorher berechnen, wie viele Kohlenhydrateinheiten (KE) das jeweilige Gericht hat. Das ist nicht immer genau möglich, weil man das Essen eigentlich dafür abwiegen müsste, was unterwegs nicht möglich ist. Dann kann es auch passieren, dass ich für das Essen zu viel „wegspritze“. Wenn mein Blutzuckerwert dann viel zu tief ist, spricht man von einer „Unterzuckerung“.

Saft für den Notfall

In diesem Zustand habe ich ein Gefühl, das man am ehesten mit einer sehr starken Erschöpfung und zusätzlichem Unwohlsein beschreiben kann. Aus diesem Grund habe ich für den Notfall immer etwas dabei, was meinen Wert schnell wieder stabilisiert, wie zum Beispiel eine Flasche Saft. Würde ich den Wert nicht stabilisieren, könnte sogar eine Ohnmacht die Folge sein. Aber auch wenn ich den Wert stabilisiert habe, braucht mein Körper einige Zeit, um sich wieder zu erholen. Ich muss also auf viel mehr achten und in meinem Alltag (Sport, Schule, Urlaub, Ausflüge) viel mehr planen als ein gesunder Jugendlicher.

Alle drei Monate gehe ich ins Krankenhaus, um mit den Diabetologen meine Werte zu besprechen und um Rezepte für meine Nadeln und die Insuline zu bekommen. Wenn ich meine Rezepte in der Apotheke eingelöst habe, komme ich immer mit einer großen Tragetasche wieder heraus.

Auch Emotionen können den Blutzuckerwert beeinflussen

Jugendliche Diabetiker – so wie ich – müssen nicht nur auf Grund des Essens spritzen, sondern auch andere Faktoren können den Blutzuckerwert beeinflussen. Oft werden die Werte zum Beispiel durch Wachstum oder Emotionen negativ beeinflusst. Eine aufregende Mathearbeit könnte also zu Schwankungen der Werte führen. Auch sportliche Aktivitäten beeinflussen den Blutzuckerwert enorm und ich muss meine Insulingabe und Ernährung darauf abstimmen.

Die Krankheit wäre für mich viel leichter zu ertragen, wenn sie in der Öffentlichkeit richtig dargestellt werden würde. Leider wird mein Diabetes-Typ 1 fast immer mit dem Diabetes-Typ 2 verwechselt. Typ 2 bekommen häufig ältere und/oder übergewichtige Menschen die sich beispielsweise falsch ernähren. Meine Krankheit ist nicht auf diese Ursachen zurückzuführen. Trotzdem muss ich mich ständig vor unwissenden Leuten rechtfertigen, die sogar manchmal glauben, ich würde Drogen spritzen. Selbst bei Besuchen in Museen gibt es aufgrund der mitgeführten Tasche mit meiner „Notfallration“ immer wieder Probleme, diese auch behalten zu dürfen. Das ist alles zusätzlich sehr anstrengend.

Hoffnung auf noch bessere Behandlungsmöglichkeiten

Vielleicht ist eines Tages die Forschung so weit, dass man Diabetes viel leichter behandeln oder noch besser behandeln oder von vorne herein, zum Beispiel durch eine Impfung, verhindern kann. Das würde mich freuen.

MediaCampus-Reporter Thomas Knublauch, Klasse 8a, Hildegardis-Schule, Hagen

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