Kultur

Cosplayer fordern mehr Toleranz

Cosplayer schlüpfen in die Rolle bekannter Anime-, Manga- oder Videospielfiguren.

Cosplayer schlüpfen in die Rolle bekannter Anime-, Manga- oder Videospielfiguren.

Foto: Fabian Strauch

Hagen.   Sie sind schrill und bunt, tragen ausgefallene Kostüme und fallen auf - Cosplayer. Viktoria Brysz hat sich die Jugendszene näher angeschaut.

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In der Jugendszene ist das Cosplay richtig in. Dort können Jugendliche ihren Wunsch verwirklichen die Rolle einer fiktiven Person zu verkörpern. Doch gegenüber dieser Szene herrscht wenig Toleranz.

Sie sehen die Welt durch gefärbte Kontaktlinsen, während sie in großen Gruppen die Stadt und Eventhallen unsicher machen. Man trifft sie verkleidet als Pikachu aus Pokemon im Ganzkörperanzug, als Krieger in Rüstungen und mit überdimensionalen Schwertern oder auch als süßes Schulmädchen bei den Events an.

Doch eins haben sie alle gemeinsam: Sie wollen ihren Idolen ähneln. Genau das ist der Traum vieler Jugendlicher zwischen 14 und 25 Jahren, welche diesen Wunsch als sogenannte „Cosplayer“ verwirklichen wollen. Cosplay setzt sich aus den Wörtern ,,Costume’‘ und ,,Play’‘ zusammen, was übersetzt so viel wie Kostümspiel bedeutet. Es handelt sich hierbei um eine Jugendszene, welche aus Japan stammt.

Das Ziel von Cosplay

Dabei basiert Cosplay auf japanischen Medien wie dem Anime, einer Art japanischen Animationsfilm, Videospielen und den Mangas (Comics). Beim Cosplay ist das Ziel, den Charakter auf großen Events, wie dem Japantag in Düsseldorf oder bei kleineren Conventions, zu imitieren und bei Wettbewerben teilzunehmen.

Ein Cosplayer und sein Idol

Auch Lara G. (16) ist Cosplayerin und Teil der Community. ,,Ich cosplaye noch nicht so lange, erst seit dem ich 14 Jahre alt bin. Interesse an Animes und Mangas hatte ich jedoch schon vorher. Bei mir hat alles mit dem Zeichnen von Mangas angefangen“, erzählt das junge Mädchen.

Lara G. ist in ihrem alltäglichen Leben ein normaler Teenager und besucht eine soziale Fachhochschule. Gegenüber ihren Kameraden ist sie sehr freundlich und hilfsbereit. Doch sobald ein Event ansteht, erkennt sie keiner mehr wieder: Stark geschminkt und in blauer Langhaarperücke mit dem passenden Outfit verwandelt sich Lara in den animierten Popstar Hatsune Miku aus Vocaloid.

Vocaloid ist ein Programm mit dem es möglich ist, künstlichen Gesang herzustellen. Hatsune Miku ist dabei eine Figur, die man singen lassen kann. Begeistert und aufgeweckt versucht Lara G. ihrem Idol nahe zu kommen. Zusammen mit ihren Freunden besucht sie regelmäßig Conventions in Dortmund und anderen Großstädten. Auf der Bühne tanzt sie mit ihrer Gruppe die Lieder von Hatsune Miku, für welche sie wochenlang trainieren mussten. Doch die Anstrengung hat sich gelohnt, wie man am Applaus des Publikums gut erkennen kann. ,,Wenn ich auf der Bühne stehe, bin ich voll in meinem Element. Doch es geht mir nicht um den Applaus des Publikums, sondern mehr um den Spaß, den ich mit meinen Freunden teile.“

Herzlicher Empfang

Lara verbringt gerne ihre Zeit auf Veranstaltungen, nicht nur um sich als Hatsune Miku zu repräsentieren, sondern auch neue Kontakte mit Gleichgesinnten zu knüpfen und sich Ratschläge zu holen. Denn die Cosplay-Szene ist bekannt dafür jeden herzlich aufzunehmen. Doch wie in allen Bereichen des Lebens ist es meistens schwer als Anfänger Anschluss zu finden, vor allem wenn es um das erste Cosplay geht.

,,Als Einsteiger muss man sich bewusst werden, dass man viel Kritik von Profis wegstecken muss. Viele meinen es auch wirklich gut und wollen einem nur helfen. Man soll deswegen nicht aufgeben und auch die Motivation nicht verlieren“, erklärt Lara G.

Unterstützung von der gesamten Familie

In diesem Punkt ist auch ihre Familie wichtig. Diese weiß schon seit Beginn über das Hobby des jungen Mädchens Bescheid. Dass Lara G. sich zu Veranstaltungen extravagant kleidet, ist für ihre Familie zur Gewohnheit geworden.

,,Ich habe kein Problem damit, dass sich meine Tochter einem besonderem Hobby hingibt. Es macht sich deutlich bemerkbar, mit wie viel Freude und Spaß sie in der Szene dabei ist. Solange sie glücklich ist, hindere ich sie an nichts“, erklärt ihre Mutter. Lara wird von allen Seiten ihrer Familie tatkräftig unterstützt und ist dankbar für die Hilfsbereitschaft und die Akzeptanz, die ihr die Sicherheit geben, ihr Hobby mit Motivation weiter angehen zu können.

Toleranz nicht von jedermann

Das Verhalten und vor allem die Toleranz, die in der Familie zu erkennen ist, sind leider nicht selbstverständlich. Die japanische Jugendszene ist der deutschen Kultur noch sehr fremd, weswegen Cosplayer mit ihrem Kleidungsstil ,,komisch’‘ auffallen und somit Angriffsziel für verbale Äußerungen sind. ,,Du siehst hässlich aus’‘, ,,Warum ziehst du so eine Scheiße an?’‘ und ,,Du bist so ein Freak’‘ sind Standardbemerkungen. Es wird mit dem Finger auf sie gezeigt, während sie in schadenfrohes Gelächter verfallen. Mit solchen Mobbing-Angriffen haben Cosplayer jedes Mal zu kämpfen.

,,Es war für mich ein beschämendes Gefühl, in aller Öffentlichkeit von Fremden bloß gestellt zu werden. Ich war mir durch die Bemerkungen so unsicher geworden, dass ich kurz davor war, mein Cosplay in die Ecke zu werfen und nie wieder zu berühren’‘, sagt Lara rückblickend. Nicht nur in der Realität, sondern auch online sind beleidigende Sprüche haufenweise vorhanden.

Auch viel positives Feedback für Cosplayer vorhanden

Es soll aber nicht nur beim Schlechten bleiben, denn auch schöne Momente konnte jeder Cosplayer schon selbst einmal spüren. Da gibt es nämlich noch die Menschen, die positives Feedback geben und großen Respekt dem Mut, sich so in der Öffentlichkeit zu präsentieren, entgegenbringen. Fotografen haben auch auf den Events Freude daran, Cosplayer in coolen Posen fotografieren zu können und die Bilder im Internet zu veröffentlichen.

Und dann gäbe es da noch die bekannteren Cosplayer, bei denen man sich über ein gutes Gespräch und ein schönes Foto freuen kann. ,,Auch wenn die Jugendszene mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, ist immer noch das wohltuende Gefühl da, in einer großen neuen Familie immer herzlichst willkommen zu sein und seine Interessen und Träume ausleben zu können”, sagt Lara.

Viktoria Brysz, Klasse 11, Gesamtschule Haspe, Hagen

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