Musikfestival

Ein Tag hinter den Kulissen von Rock am Ring

Die Band Beginner steht am 3. Juni 2017 im Rahmen des Rock am Ring Festivals auf dem Nürburgring auf der Bühne. | Verwendung weltweit

Foto: Ralph Goldmann

Die Band Beginner steht am 3. Juni 2017 im Rahmen des Rock am Ring Festivals auf dem Nürburgring auf der Bühne. | Verwendung weltweit Foto: Ralph Goldmann

Essen.   Damit Festivalbesucher vor der Bühne feiern können, muss dahinter hart gearbeitet werden. Unsere Reporterin durfte beim Auf- und Abbau dabei sein.

Vom 2. bis 4. Juni 2017 fand das legendäre Festival „Rock am Ring“ am Nürburgring in der Eifel statt. Vor den Bühnen und auf dem Festivalgelände wurde gefeiert. Aber hinter den Kulissen wurde hart gearbeitet, damit alles reibungslos abläuft und die Fans mit ihren Idolen einen unvergesslichen Abend bzw. Tag erleben können.

Wie viel Arbeit hinter so einem großen Festival steckt, bekommt man vor der Bühne nicht wirklich mit. Auch ich wusste das nicht, bis ich dieses Jahr die Möglichkeit hatte die Leute der Backline-Firma Captured Live zu begleiten. Captured Live arbeitet schon seit mehr als 20 Jahren mit den größten Stars der Musikbranche und den Veranstaltern der größten Festivals zusammen. Die Firma ist der Partner für alle produktionstechnischen und organisatorischen Belange des Tourlebens. Sie stellen Instrumente, Verstärker, DJ Equipment, Shuttle-Service und vieles mehr.

Am Samstag waren wir bereits um 7 Uhr unterwegs. Um 10 Uhr fand das erste gemeinsame Meeting statt. Es wurden die aktuellen Tagesabläufe besprochen. Dabei ging es um die Gesamtsituation des Festivals. Dazu zählten Fragen zum Thema Sicherheit, Notärzte, Medienverkehr, Verkehrswege im Allgemeinen, Ton-Licht-Technik und Stagemanagment. Ich war überrascht, wie viele Leute an der Organisation des Festivals beteiligt sind. Ich wurde schließlich Tom, dem Stagemanager zugeordnet. Er koordiniert die Abläufe auf der Bühne.

Um 11 Uhr ging es dann mit dem Shuttle zu einer der Bühnen, der Volcano Stage. Jeder Mitarbeiter von Captured Live begab sich zu seinem Einsatzort.

Als wir auf der Volcano Stage ankamen, waren schon unglaublich viele LKWs mit unglaublich viel Equipment da. Alle warteten auf die Anweisungen des Stagemanagers wann und wo sie das Equipment, also die Instrumente und die Technik ausladen sollten.

Zu meiner Verwunderung waren bereits LKWs ausgeladen. Die Nachtschicht hatte schon gute Vorarbeit geleistet. Unmengen von Equipment waren bereits auf der Bühne. Langsam begann ich daran zu zweifeln, wie man dabei überhaupt noch den Überblick behalten konnte. Was gehörte denn nun zu wem?

Tom erklärte mir: „Jeder muss seine Aufgabe kennen, damit alles funktioniert und die Zeiten eingehalten werden können. Zwischen den einzelnen Bands sind nämlich zum Teil nur 10 bis 15 Minuten für den Ab-und Aufbau übrig. Wenn da auch nur einer nicht richtig aufpasst, kann das schwere Folgen haben.“

Für den Überblick ist der Stagemanager Tom da. Er gibt genaue Anweisungen, wer mit welchem Teil wohin muss. Er muss also trotz des ganzen Gewusels den Überblick behalten.

Beim Anblick der vollen LKWs aus denen gerade noch tonnenweise Equipment auf die Bühne gebracht wurde, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie das funktionieren sollte.

Dann begannen die Aufbauten für die ersten Bands. Aus dem für mich großen Durcheinander wurde langsam ein perfekter Aufbau der Instrumente, Verstärker und dem Bühnenbild. Während des Aufbaus wurde sehr deutlich, dass die Priorität auf dem Hauptact, „Die Toten Hosen“, lag. Alle anderen Bands mussten sich mit ihrem Bühnenbild an dem des Hauptacts anpassen. Das Bühnenbild der „Toten Hosen“ stand nämlich schon und durfte auf gar keinen Fall bewegt oder verändert werden.

Um Punkt 13:30 Uhr begann die Ruhe vor dem Sturm. Tom holte nochmals alle zusammen und ging den Ablauf erneut durch. Das alles waren erst die Vorbereitungen für die Shows. Doch die ersten Mitarbeiter hatten bereits Stunden an harter Arbeit hinter sich. Aber eigentlich fing jetzt erst alles richtig an.

Um 14:10 Uhr fiel der Startschuss für die erste Band. Von da an musste wirklich jeder Handgriff sitzen. 30 Minuten später war der Auftritt der ersten Band vorbei und plötzlich stürmten fast 40 Leute, darunter Backliner, Stage-Hands und die Crew-Mitglieder der Band auf Kommando von Tom auf die Bühne. Schon wieder fingen sie an für die nächste Band ab- und wieder aufzubauen.

Ich hätte es nicht gedacht, aber 20 Minuten später stand tatsächlich die nächste Band auf der Bühne. So ging es den ganzen Tag ohne größere Zwischenfälle bis Nachts um ca. 1 Uhr weiter. Sieben Bands hatten an diesem Tag auf der Volcano Stage ihre Show abgeliefert. Das hieß sieben mal Ab- und Aufbauen, dabei versuchen genau im Zeitplan zu bleiben, und das bei harter körperlicher Arbeit mit wenig Schlaf. Das Ganze geschieht bei „Rock am Ring“ auf insgesamt vier Bühnen. Natürlich läuft dabei nicht immer alles nach Plan. Manchmal bleiben LKWs liegen, Flüge werden verpasst oder die Band ist nicht vollständig. Zudem weiß man nie wie das Wetter wird. Tom sagte mir: „Von Schnee über Sturm und Regen bis zu 30 Grad im Schatten hat es schon alles gegeben.“

Was für ein aufregender, spannender aber auch unfassbar anstrengender Tag. Wenn ich mir vorstelle, das drei Tagen durchstehen zu müssen, graut es mir.

Dank vieler fleißiger und zuverlässiger Leute können die Festivalbesucher hoffentlich auch in Zukunft noch viele unvergessliche Tage am Nürburgring verbringen.

Sophia Plass, Klasse 8a, Grashof Gymnasium, Essen

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