Zeitzeuge

„Seid froh, dass es Frieden gibt“

Tagelang auf engstem Raum unter Wasser eingesperrt: Franz Kussert war im Zweiten Weltkrieg Soldat auf einem U-Boot. Das Bild zeigt eine moderne Version der deutschen Marine.

Tagelang auf engstem Raum unter Wasser eingesperrt: Franz Kussert war im Zweiten Weltkrieg Soldat auf einem U-Boot. Das Bild zeigt eine moderne Version der deutschen Marine.

Foto: Daniel Reinhardt

Hagen.   Franz Kussert ist einer der letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs in Hagen. MC-Reporter Alan Ahmado von der Gesamtschule Haspe hat ihn Interviewt.

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„Er ist in Hagen einer der wenigen Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs, mit denen man noch sprechen kann“, sagt ein Pfleger des CMS Pflegewohnstifts. Wir sitzen in einem kleinen Zimmer mit einem großen Fenster und dennoch ist der Raum dunkel. Mein Zeitzeuge Franz Kussert genießt sein Eis, während ich mich für mein Interview vorbereite. Dann beginnt er zu erzählen...

Franz Kussert ist Deutscher und wurde am 24. April 1923 in Ost-Preußen geboren, das heute ein Teil Russlands ist. Zusammen mit seinen zehn Geschwistern verbringt er dort seine Kindheit. Mit 18 Jahren beginnt er seinen militärischen Dienst als U-Boot Fahrer. Die Ausbildung dauert nur sechs Wochen, kurz darauf muss er schon zu seinem ersten Einsatz Richtung Norwegen. Auf engstem Raum ist er mit seinen Kameraden unterwegs. Seine Kleidung ist ständig mit eiskaltem Wasser durchtränkt, Schlaf gibt es – wenn überhaupt – nur sehr wenig. Schon nach kürzester Zeit wird der Sauerstoff knapp, weil die Pressluftflaschen fast aufgebraucht sind.

Als sie auf Feindfahrt gehen, werden sie von Flugzeugen angegriffen. Der Angriff lässt einige der Besatzungsmitglieder verletzt zurück, unter anderem auch Franz Kussert. Am nächsten Morgen um 5.30 Uhr nähern sich auch drei US-Zerstörer und beginnen, sie mit „Wasserbomben“ zu bombardieren. Die Attacke dauert bis 20 Uhr an. Auf die Frage, ob er oder seine Kameraden jemals Angst um ihr Leben hatten, antwortet Kussert: „Nein, in so einer Situation denkt man nicht nach und ist zum Handeln gezwungen.“ Bei dem Angriff wird das Boot so stark beschädigt, dass die Mannschaft gezwungen ist, aufzutauchen und aus dem Boot zu springen, um zu überleben.

Bei starkem Regen schwimmen die Soldaten völlig verzweifelt im Meer umher und werden beschossen. Eines der Projektile trifft Franz Kussert an der rechten Hand und bricht ihm einige Finger.

Trotzdem schafft er es, sich an Board eines Bootes zu retten und wird sofort gefangen genommen. Anschließend wird er in ein Lager für Kriegsgefangene gebracht. Während seiner Gefangenschaft erfährt er, dass Deutschland den Krieg verloren hat. Nach Kriegsende erhält Franz Kussert 50 Reichsmark und wird nach Münster gebracht, von dort aus fährt er zu seiner Schwester nach Gelsenkirchen.

Für die heutige Generation von Jugendlichen hat er eine klare Botschaft: „Ihr solltet froh sein, dass es Frieden gibt!“

Alan Ahmado, Klasse 11, Gesamtschule Haspe, Hagen

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