Kommentar

Regel- oder Förderschule?

Die Inklusion

Die Inklusion

Foto: WR

Hagen.   Vivien Hillmann fordert Gleichberechtigung von Kindern mit und ohne Handicap. Das bedeutet für sie aber nicht, die Abschaffung von Förderschulen – im Gegenteil.

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Inklusion – das ist der Fachbegriff dafür, dass Kinder und Jugendliche mit und ohne Handicap gemeinsam in einer Klasse unterrichtet werden. Die Folge ist, dass mehr und mehr Förderschulen schließen, da inzwischen auch viele Schüler mit erhöhtem Förderbedarf auf Regelschulen gehen. Doch ist das tatsächlich der richtige Weg?

Auf einer Regelschule mit rund 30 Schülerinnen und Schülern in einer Klasse kann Kindern mit einer Lernschwäche oder einem anderen Handicap oftmals nicht so gut geholfen werden. Es sind einfach zu viele Schülerinnen und Schüler in der Klasse, um angemessen auf diejenigen einzugehen, die mehr Förderung brauchen. Deshalb kommen die Betroffenen häufig nicht mit dem Unterrichtsstoff hinterher. Auf einer Förderschule kann diesen Schülerinnen und Schülern besser geholfen werden, da sie maximal zu zehnt in einer Klasse sind.

Die achtjährige Chiara hat sich auf der Regelschule nicht wohl gefühlt

Meine achtjährige Schwester Chiara hat eine Lernschwäche. Sie besuchte zunächst eine Regelschule. Dort fühlte sie sich überhaupt nicht wohl. Heute besucht sie die dritte Klasse einer Förderschule. Ihre Erfahrungen schildert sie folgendermaßen: „Ich fühle mich auf der Förderschule besser aufgehoben und komme auch besser mit. Auf der Regelschule habe ich mich nicht so wohl gefühlt. Wir haben einen Test geschrieben und ich war nicht so gut wie die anderen Kinder. Dann haben mir zwei Jungs den Test weggenommen und in der Klasse herumgezeigt. Das hat mich sehr traurig gemacht. Ich habe mich geschämt, dass ich so einen schlechten Test geschrieben habe. Ab da wollte ich eigentlich nicht mehr zur Schule gehen. Heute weiß ich aber, dass ich mich nicht schämen muss, weil ich vielleicht etwas langsamer lerne als andere Kinder.“

Schüler mit Handicap können auf Förderschulen besser unterstützt werden

An diesem Beispiel werden zwei Dinge deutlich: Zum einen, dass man Kinder mit einer Lernschwäche nicht hänseln oder ärgern sollte, nur weil sie ein wenig länger brauchen, um etwas zu verstehen. Das verletzt und verunsichert diese Kinder sehr. Zum anderen zeigt das Beispiel, dass es für Schülerinnen und Schüler mit einem Handicap besser ist, die Förderschulen nicht abzuschaffen. Denn viele dieser Kinder kommen auf Förderschulen viel besser zurecht, da die Lehrerinnen und Lehrer, die extra geschult sind, sie viel stärker unterstützen können.

Kinder mit einem Handicap könnten sich auch auf Regelschulen wohl fühlen. Dann müssten die Klassen aber kleiner sein. So könnten diese Schülerinnen und Schüler sich besser konzentrieren und die Lehrkräfte könnten besser auf sie eingehen. Zu befürchten ist, dass mache Kinder gar nicht mehr zur Schule gehen wollen würden, wenn die Förderschulen ganz abgeschafft werden würden.

MediaCampus-Reporterin Vivien Hillmann, Klasse 8F, Gesamtschule Haspe, Hagen

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