Massentierhaltung

Was Massenhühnerhaltung in Deutschland bedeutet

In vielen Hühnerställen ist es viel zu eng und voll.

In vielen Hühnerställen ist es viel zu eng und voll.

Foto: WAZ FotoPool

Hagen.   Mehr als 67,5 Millionen Hühner werden in Deutschland zur Fleischgewinnung in Massen gehalten. Welche Vorschriften es gibt, wie es aber trotzdem oft in einem Hühnerstall aussieht, beschreibt Zeus-Reporterin Eda Aylin Pekdemir.

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Mehr als 67,5 Millionen Hühner werden in Deutschland zur Fleischgewinnung in Massen gehalten. Die jungen Küken werden 30 bis 35 Tage intensiv gemästet, damit der Fleischanteil einem ausgewachsenen Huhn gleichkommt.

Besonders beliebt bei Verbrauchern und Märkten ist das Brustfleisch der Hühner. In der konventionellen Haltung werden sie in künstlich beleuchteten Hallen in Gruppen mit bis zu 10.000 und mehr Tieren gehalten.

Laut Statistiken müssen sich 26 Hühner einen Quadratmeter Platz teilen. Dies würde etwa einem DIN-A5-Blatt-Papier pro Huhn entsprechen. Die Hühner sind so überfüttert, dass sie sich kaum noch bewegen können. Nur mit Mühe können sie sich an die Futter- und Wassertanks schleppen. Die meiste Zeit verbringen sie im Liegen und auf ihrem getrocknetem Kot.

Schnelles Wachstum

Ein Merkmal der Rasse der Masthühner (auch Masthybriden genannt) ist das schnelle Wachstum. Sie wachsen dreimal so schnell wie normale Legehennen. Oft müssen die Hühner circa 51 Gramm pro Tag an Gewicht zunehmen, damit sie das Endgewicht möglichst rasch erzielen. Übertragen auf einen Menschen bedeutet das Folgendes: Für ein 30 Kilogramm schweres Kind würde das bedeuten, dass es täglich zwei Kilogramm zunehmen müsste. Ein Masthybrid kann täglich etwa 6,5 Prozent seines Eigengewichts zunehmen. Aus diesem Grund brechen die Hühner oft unter ihrem eigenen Gewicht zusammen, da die Beine sie nicht mehr halten können. Viele sterben auch daran und werden anschließend nicht einmal aus dem Stall beseitigt.

Für ein noch schnelleres Wachstum und eine Minderung der Ausbreitung von Krankheiten greifen viele Landwirte fast immer zu Antibiotika. Laut einer Studie des nordrhein-westfälischen Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz aus dem Jahr 2012 bekamen neun von zehn untersuchten Hühnern Medikamente. Früher wurden Antibiotika pro Gehege verabreicht. Heute hat sich die Gabe von Medikamenten zur Prophylaxe automatisiert, so dass diese mit einem Knopfdruck in das Trinkwasser der gesamten Tiere verabreicht werden können. Nicht genießbare Stellen der Restprodukte (Abfall) vieler Tiere wurden damals zu Eiweißpulver gemahlen und den Hühnern, aber auch anderen Tieren, als Nahrung vorgesetzt. Dies war sehr günstig. Aber als die Restprodukte durch die Krankheit BSE (auch Rinderwahnsinn genannt) verseucht waren, wurde diese Methode von der Regierung verboten. Fast alle Zuchttiere, die die verseuchte Nahrung fraßen, schwächelten, wurden krank und starben sogar.

Sojaplantagen in Südamerika

Da die industrielle Futterherstellung in Deutschland recht kostspielig ist, wird auf Sojaplantagen in Brasilien, Argentinien und Paraguay Futter für Tiere in Deutschland hergestellt. Obwohl die Hühner nur wenige Wochen alt werden, bevor sie geschlachtet werden, leiden die Tiere an Krankheiten. Besonders häufig sind Herz-Kreislauf- Versagen, Fettleber/Nieren-Syndrom, Wirbelsäulenkrümmung, abnormales Knochenwachstum, Knochenmarkentzündung, Muskelkrankheiten, Brustblasen, Verätzungen an den Fußballen und gestörte Knochenentwicklung der Beine.

Wenn das geplante Endgewicht erreicht ist, werden die Hühner zum Schlachthof gebracht und dort geschlachtet. Im Jahr sind es über 613 Millionen Masthühner, die geschlachtet werden. Häufig gibt es eine Überproduktion der Tiere (meistens Geflügel und Schenkel). Aus diesem Grund werden sie in afrikanische Länder verschickt. Das Kilo Fleisch wird dort dann für weniger als einen Euro verkauft. Das bedeutet für den afrikanischen Markt einen Überfluss an billigem Fleisch, der dazu führt, dass einheimische Produzenten ihr Fleisch, was eventuell teurer ist, nicht mehr verkaufen können.

Eda Aylin Pekdemir, 11. Klasse, Gesamtschule Haspe, Hagen

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