Meinung

Die Corona-Verschleißschicht

Monika Willer

Monika Willer

Foto: Michael Kleinrensing / WP Michael Kleinrensing

Unbezahlte Überstunden als Dank für Corona-Engagement. Die Corona-Helden von gestern zahlen heute die Zeche

Natürlich tun zwei unbezahlte Überstunden in der Woche keinem Angestellten weh. Die meisten Mitarbeiter in der freien Wirtschaft leisten seit Jahr und Tag ohnehin Überzeiten, und keiner fragt danach.

Nur in der Corona-Zeit fällt es eben besonders auf. Einerseits werden gerade die Beschäftigten im Einzelhandel sowie im Bildungs- und Gesundheitssektor beklatscht und gefeiert, weil sie so unermüdlich das System am Laufen halten. Andererseits ist ihre Arbeit notorisch schlecht vergütet. Drittens zahlen sie nach hinten heraus die Rechnung. So wie jetzt eben die Thalia-Mitarbeiter, die gebeten werden, zwei unbezahlte Überstunden pro Woche zu leisten.

Aus unternehmerischer Sicht ist diese Forderung verständlich, weil sich durch Corona der Aufwand erhöht hat, der Ertrag jedoch rückläufig ist. Trotzdem handelt es sich um das ganz falsche Signal, denn die Botschaft braucht nicht übersetzt zu werden, sie ist klar.

Diese Doppelmoral gehört zu den bitteren Erkenntnissen der Corona-Monate. Es gibt keine Corona-Helden. Es gibt nur die Krisen-Verschleißschicht, die am Ende vom Lied sofort wieder an ihren niedrigen Sozialstatus erinnert wird.

Solche Entwicklungen schnell zu erkennen und noch schneller gegenzusteuern, das sollte derzeit ebenso Aufgabe der Politik sein wie die Sorge für gesundheitsförderliche Alltagsregeln.

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