Internet-Handel

Die Lüge von der Gratis-Lieferung

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Die ersten Paketzusteller erwägen, für Lieferungen bis zur Haustür Aufschläge zu nehmen. Das ist nachvollziehbar, löst aber nicht die Probleme.

Rund um die Uhr geöffnet, unbegrenzte Auswahl, kein Gedrängel und das alles, ohne auch nur vom Sofa aufstehen zu müssen – nicht mal für den Umtausch: Der Online-Handel hat unser Einkaufsverhalten verändert, unserer Konsumwelt eine neue Dimension geöffnet. Die Schattenseiten werden uns nur am Rande bewusst. Wenn samstags um 21 Uhr ein abgearbeiteter Paketbote bittet, die Lieferung für den Nachbarn anzunehmen. Wenn wir im Berufsverkehr im Stau stehen, weil DHL und Co ihr Geschäftsmodell nur unter fortwährender Begehung von Ordnungswidrigkeiten betreiben können und in zweiter Reihe parken. Wenn wir von Boten hören, die in ihrem Auto schlafen, weil sie sich vom Lohn keine Wohnung leisten können. Wenn wir uns darüber mokieren, dass die Leerstände in unseren Innenstädten größer werden.


Angesichts der Zustände in der Logistikbranche und bei vielen Online-Händlern muss jedem Verbraucher klar sein: Wer online kauft, lässt die Gesellschaft bezahlen. Er fördert die Verlagerung von ausgebildeten Einzelhändlern zu oft prekär bezahlten Einpackhelfern und Zustellern, meist beschäftigt bei Großkonzernen, die bei Unternehmenssitz und steuerlicher Gestaltung weit flexibler sind als unsere Ladenbesitzer vor Ort.
Wenn jetzt die Paketdienstleister aus der puren Not der Überforderung uns als Endkunden einen kleinen Aufpreis für die Zustellung abverlangen würden: Das würde uns nur einen Hauch spüren lassen, was unser Konsumverhalten gesellschaftlich tatsächlich kostet.

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