Kommentar

Jetzt die Panzer - und was dann?

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Manfred Lachniet kommentiert.

Manfred Lachniet kommentiert.

Foto: Anna Stais / FUNKE Foto Services

Jetzt liefert Deutschland also doch Kampfpanzer in die Ukraine. Der Druck war groß. Aber die Politik von Olaf Scholz macht durchaus Sinn.

Die liberale Abgeordnete Strack-Zimmermann wird nun „Endlich!“ rufen, Anton Hofreiter von den Grünen genauso. Auch bei der CDU dürfte es für die beabsichtigte Lieferung von Leopard-Panzern an die ukrainische nur Beifall geben. Und sie alle werden hinterrufen: „Das war viel zu spät!“ - um Kanzler Olaf Scholz erneut Zögerlichkeit vorzuwerfen. Richtig ist das nicht.

Es gibt nur wenige Länder in Europa, in denen die Waffenlieferungen an die Ukraine derart medial und von einzelnen Politikern vorangetrieben werden.

Kanzler Scholz wirkt da zwangsläufig als Getriebener, obwohl er genau das nicht sein will. Leider tut er nicht viel dafür, um seine Absichten näher zu erläutern. Dennoch haben viele Menschen in Deutschland das Gefühl, dass seine besonnene und ruhige Art genau richtig für diese sehr gefährliche Zeit ist. Und es ist bemerkenswert und kaum zu erklären, dass seine SPD und er da als Außenseiter dastehen.

Die meisten Länder in der EU sind zurückhaltend bei den schweren Panzern

In den letzten Tagen wurde immer wieder der Eindruck erweckt, als wenn die Bundesregierung und damit Deutschland international isoliert dastehe. Dies ist jedoch nicht der Fall. Die meisten Länder in der EU äußerten sich nur sehr zurückhaltend bei den schweren Panzern. Auch aus Washington kamen nur zögerliche Signale. Dennoch wurde allein Scholz als Verhinderer dargestellt. Warum?

Wenn nun „Leopard“-Panzer Richtung ukrainischer Front geschickt werden, dürfte das Frühjahr sehr blutig werden. Dass die Russen aufgeben, sollte angesichts ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit kaum jemand erwarten. Und man ahnt, dass nach den Panzern dann der Ruf nach Kampfhubschraubern folgt, dann Flugzeuge - und dann?

Es ist nicht in Ordnung, wenn hierzulande jeder Rufer nach Verhandlungen als Putin-Versteher abqualifiziert wird. Natürlich ist er ein furchtbarer Aggressor. Dennoch kann ein „Immer mehr“ an Waffen keine Lösung auf Dauer sein.

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