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Krisenzeiten klammern das Streikrecht nicht aus

Stephanie Weltmann

Stephanie Weltmann

Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Essen.  Pflegekräfte sind in der Pandemie besonders gefordert. Dass sie nun trotz Dauerbelastung streiken, verdient Anerkennung, nicht Kritik

Unsere Gesellschaft hat von der Pflege in der Pandemie Außergewöhnliches verlangt. Das gilt besonders für die Unikliniken, deren hoch spezialisierte Fachkräfte bei der Behandlung der Covid-19-Patienten eine zentrale Rolle spielen und die zugleich die Regelversorgung vieler schwerst kranker Menschen in diesem Land weiter stemmen. Dass Pflegende trotz Dauerbelastung Kraft aufbringen und für ihre Interessen kämpfen, verdient Anerkennung, nicht Kritik.

Krisenzeiten klammern das Streikrecht nicht aus. Wenn dem so wäre, dürfte die Pflege gar nicht streiken, denn in der Krise steckt sie seit Jahren. Der Fachkräftemangel ist eklatant, nicht erst seit der Pandemie. Gleichwohl sind streikende Pflegekräfte ein vergleichsweise junges Phänomen. Pflegende sind gut darin, sich um andere zu kümmern. Oft tun sie es bis zur Selbstaufgabe und stehen dabei allzu selten für sich selbst ein.

Dass es Uniklinik-Beschäftigte diesmal tun, ist die Folge einer Verweigerungshaltung der Arbeitgeberseite, die nach 20 Monaten Pandemie jeglicher Grundlage entbehrt. Es ist ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten, dass die Tarifgemeinschaft deutscher Länder in den Tarifverhandlungen nicht einmal ein Angebot unterbreitet hat.

Die Pflegenden zeigen Verantwortung, auch im Moment des Streiks. Auf vielen Stationen wird besprochen, wer bleibt und wer streiken kann. Es gibt Notdienstregeln, und die vergangenen Tage zeigten, dass Beschäftigte bei Engpässen ihren Streik auch unterbrechen. Eben dann, wenn sie gebraucht werden. Was die Pflege selbst braucht, ist ein gutes Angebot der Arbeitgeberseite, das ihnen Wertschätzung zollt.

» Lesen Sie hier den Contra-Kommentar von Frank Meßing: Der Warnstreik in der Pflege ist unangebracht

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