Kommentar

Ukraine-Krieg: Putin geht nicht der Atem aus

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Jan Jessen

Jan Jessen

Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Der Kremlherrscher scheint überzeugt davon zu sein, dass die russischen Streitkräfte noch längst nicht ihr gesamtes Potenzial ausgeschöpft haben.

Die Intensität des Kriegs in der Ukraine ist in den vergangenen Tagen etwas abgeflaut. Die russischen Streitkräfte scheinen sich im Donbass im Osten des Landes derzeit zu reorganisieren, um genügend Schlagkraft für die Eroberung der unter ukrainischer Kontrolle stehenden Restgebiete der Oblast Donezk zu entwickeln.

Zunehmend Probleme bereiten den Russen offenbar die vom Westen gelieferten Artillerie-Systeme wie die deutsche Panzerhaubitze 2000 oder die von Großbritannien gelieferten Mehrfachraketenwerfer des Typs M270, die häufig eine größere Reichweite als russische Systeme haben, vor allem aber präziser sind. Insbesondere an der südlichen Front erzielen die Ukrainer deswegen derzeit kleinere militärische Erfolge. Zugleich binden die ständigen Angriffe der ukrainischen Armee im Süden russische Kräfte, die Moskau eigentlich für die nächste größere Offensive im Donbass bräuchte.

Mit der vollständigen Eroberung der Oblast Donezk hätte der russische Präsident Wladimir Putin ein wesentliches Kriegsziel erreicht. Ob er dann stoppen würde, ist allerdings fraglich. Vieles deutet darauf hin, dass sich die russische Armee danach Richtung Odessa wenden könnte. Fiele der wichtigste Hafen der Ukraine unter russische Besatzung, wäre das ein wirtschaftlicher Genickschlag – und würde Putin in möglichen Friedensverhandlungen alle Trümpfe in die Hand geben.

Der Kremlherrscher scheint überzeugt davon zu sein, dass die russischen Streitkräfte noch längst nicht ihr gesamtes Potenzial ausgeschöpft haben. Nicht von ungefähr zieht sich Moskau nicht aus Syrien zurück oder reduziert das dortige Engagement, sondern verstärkt im Gegenteil in jüngster Zeit Luftangriffe auf die von islamistischen Fanatikern und der Türkei kontrollierte nordsyrische Provinz Idlib und provoziert im Süden des Bürgerkriegslands mit Luftschlägen gegen mit den USA verbündete Milizen.

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