Tödlicher Unfall

Nach Unglück mit Lärmschutzwand: Sicherheit hat ihren Preis

Michael Minholz  kommentiert.

Michael Minholz kommentiert.

Foto: NRZ

Der Pfusch am Bau auf der A3-Unglücksstelle muss Folgen haben. Für den Verursacher, aber auch für unseren Umgang mit der Infrastruktur.

Als vor etwas mehr als elf Jahren das Kölner Stadtarchiv einstürzte und zwei Menschen in den Tod riss, wurde schnell klar, dass Pfusch am Bau der U-Bahn diese Katastrophe ausgelöst hatte. Die juristische Aufarbeitung, die erst vor kurzem beendet war, offenbarte kaum nachvollziehbares Fehlverhalten auf der Baustelle. Das Strafverfahren legt aber vor allem offen, dass es eine mangelhafte Kontrolle durch die Bauleitung gab.

Der tödliche Unfall mit einer Lärmschutzwand auf dem Kölner Autobahnring hat nach allem, was wir derzeit wissen, eine ähnliche Dimension. Und es wird die Frage gestellt werden müssen, ob genug getan wurde, um die Fertigung des Bauwerks und dessen Zustand im Laufe der Jahre fortwährend zu kontrollieren.

„Was nicht passt, wird eben passend gemacht.“

Wenn die ersten Erkenntnisse des Gutachters von der Unglücksstelle zutreffen, wurde dort beim Aufbau der tonnenschweren Lärmschutzwand nach dem hemdsärmeligen Motto verfahren: „Was nicht passt, wird eben passend gemacht.“

Derlei Vorgehen mag für den Hobbykeller taugen. Bei Bauten dieser Dimension ist eine abenteuerliche Ausführung eben nicht tolerabel, sondern fahrlässig.

Was ist die Aussage der Bauverwaltungen wert?

Der Vertrauensverlust wird zu einem nicht zu unterschätzenden Nebeneffekt dieser Tragödie. Zugespitzt formuliert kann man die Frage stellen: Was ist die Aussage der Bauverwaltungen im Lande eigentlich wert, wenn sie beispielsweise klagen, die Autobahn- oder Eisenbahnbrücken seien zwar marode und in die Jahre gekommen, aber sicher? Es stehen schließlich genug schrottreife Bauwerke in der Gegend herum, und die Belastung durch die verschiedenen Verkehre ist weiß Gott nicht geringer geworden.

Nur eine transparente Aufarbeitung wird wieder Vertrauen zurückgewinnen. Das gilt für die Ausschreibungsverfahren ebenso wie für die Dokumentation. Ganz offenkundig muss auch bei den Kontrollen kräftig aufgestockt und nachgebessert werden – sowohl beim Personal als auch bei der Prüfungs-Intensität.

Sicherheit hat ihren Preis. Aber den sollte sie uns wert sein.

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