Corona-Hilfe vom Staat

Warum 600 Euro für jede Familie keine gute Idee ist

NRZ-Chefredakteur Manfred Lachniet kommentiert.

NRZ-Chefredakteur Manfred Lachniet kommentiert.

Foto: NRZ

Und wieder will ein Politiker Corona-Hilfen ausschütten: diesmal 600 Euro für jedes Kind. Aber das Geld braucht doch nicht jeder!

Wer will nochmal, wer hat noch nicht? Die vielen Milliardensummen, die derzeit von Bund, Ländern und auch EU auf den Markt geworfen werden, können einen leicht schwindelig machen. Oder angst und bange.

Es war sicher vernünftig, dass parallel zum Runterfahren des öffentlichen Lebens Firmen-Inhaber finanziell gestützt wurden. Auch das Kurzarbeitergeld hat sich als gutes Instrument in der Krise bewährt. Es verhindert Kündigungen, sichert das Einkommen.

Doch inzwischen vergeht kein Tag, an dem nicht neue Forderungen unseren Staat erreichen. Zugleich ersinnen Politiker stets neue Ideen, wem sie alles helfen wollen. Das hört sich oft gut an, wird aber nicht immer helfen und gleicht einem fragwürdigen Wettbewerb.

Wenn NRW-Ministerpräsident Armin Laschet nun jeder Familie pro Kind 600 Euro überweisen will, dann folgt das dem Prinzip Gießkanne. Die Zahnarztfamilie erhält die 600 Euro genauso wie die alleinerziehende Mutter. Bei letzterer ist das Geld genau richtig angelegt. Normal- und Gutverdiener sind auf diese Form der Staatshilfe aber wirklich nicht angewiesen.

Die Idee dürfte kaum verfangen

Laschets Idee, mit dem vielen Geld die Menschen wieder in die Läden und Einkaufszentren zu bewegen, dürfte kaum verfangen.

Noch ist der berechtigte Respekt vor Corona groß. Zum Shoppen hat aktuell kaum jemand Lust. Daher dürften die 600 Euro die Internet-Bestellungen nur noch weiter in die Höhe treiben. Amazon und Co. lachen. Der örtliche Handel weint.

Anstatt Familien wahllos mit Geld zu beglücken, sollten lieber jene Kinder gezielt gefördert werden, die nicht mitkommen oder benachteiligt sind. Denn Bildung zahlt sich auf lange Sicht immer aus. Schließlich muss das ausgegebene Geld auch irgendwann zurückfließen.

Wenig Gedanken macht man sich derweil über die Finanzierung all der neuen Ausgaben. Dass besonders Reiche hier stärker beteiligt werden müssen, ist sozial absolut gerechtfertigt. Nicht zuletzt sind die Reichen oft an Unternehmen beteiligt, die jetzt vom Staat so großzügig gerettet werden.

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