Armutsstudie

Weg mit der Gießkanne – die Reichen mehr belasten

NRZ-Kommentar_Michael Minholz

NRZ-Kommentar_Michael Minholz

Foto: Michael Minholz / funkegrafiik nrw

Die Armut durchdringt zunehmend den Mittelstand. Staatliche Hilfen muss es zielgerichteter geben, und die Reichen müssen stärker belastet werden.

Bei den einschlägigen Beratungsstellen wächst derzeit nicht nur der Andrang – die sich ändernde Klientel bereitet ebenfalls erhebliche Sorgen. Wenn dort plötzlich die verzweifelte Inhaberin eines Kosmetikstudios anklopft, weil sie den Strom nicht mehr bezahlen kann, müssen einfach die Alarmglocken schrillen. Denn wir stehen vor Zeiten mit erheblicher sozialer Sprengkraft. Viele Menschen, die bislang nicht so gerade, sondern eigentlich ganz gut mit ihren Einkünften über die Runden gekommen sind, rutschen ab in die Armut.

Der aktuelle Bericht der Hans-Böckler-Stiftung beschreibt allerdings zurückliegende Befunde, sie sind schon ein Jahr alt. Wie mögen ähnliche Befragungen ausfallen, wenn die Energiekosten erst richtig durchschlagen und die Inflationsbelastungen nicht abgebaut werden? Und weiter gedacht: Welche Gefahren erwachsen daraus für das Vertrauen in unsere Demokratie, in soziale Kompetenz unserer Politiker?

Schneller an verlässliche Daten kommen

Es wird daher für die Zukunft wichtig sein, schneller, aktueller den Überblick zu bekommen über die soziale Lage – erst dann haben die Verantwortlichen auch verlässliche Daten und Fakten, nach denen sie ihre Reaktion ausrichten können.

Und: Das derzeit von der Ampel-Regierung in weiten Teilen praktizierte Gießkannenprinzip bei staatlichen Entlastungen ist kein Konzept, das auf Dauer gerecht sein kann.

Exzessiver Zuwachs an Millionären

Nach den jüngsten Statistiken steht rund 14 Millionen von Armut betroffenen Menschen in Deutschland ein geradezu exzessiver Zuwachs an Millionären gegenüber. Die staatlichen Hilfen müssen also viel zielgerichteter vergeben werden – und die Belastungen deutlicher als bisher mit dem Reichtum steigen.

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