Basketball

Mit NBA-Star Derrick Williams zum Bundesliga-Titel

Bereit für die großen Würfe: Derrick Williams.

Bereit für die großen Würfe: Derrick Williams.

Foto: dpa

München.  Einst stand er mit LeBron James im NBA-Finale. Nun startet Basketballer Derrick Williams mit dem FC Bayern München in die Bundesliga-Play-offs.

Er kam, um zu gewinnen. Dieses Vorhaben hat Derrick Williams bisher eindrucksvoll umgesetzt. Als Hauptrunden-Erster startet er am Samstag mit dem FC Bayern München in die Play-offs der Bundesliga. Im Interview spricht der 27-Jährige über die kommenden Spiele, seinen einstigen Teamkollegen LeBron James – und seine Mutter.

Herr Williams, nun wird es ernst, die Play-offs beginnen. Freuen Sie sich auf die entscheidende Phase der Saison?

Ja, das tun wir alle. Es war eine lange Saison. Wir haben gut gespielt, wir waren sehr konstant und jetzt freuen wir uns alle auf diese Spiele gegen Braunschweig. Alle sind aufgeregt, es ist die entscheidende Phase der Saison.

Die derzeitige Bayern-Mannschaft gilt als stärkstes Team der Bundesligageschichte. Sehen Sie in der Liga überhaupt eine Mannschaft, die Bayern München in einer Best-of-5-Serie schlagen kann?

Es gibt viele gute Teams in der Liga. Und jeder Spieler weiß: In den Play-offs kann alles Mögliche passieren. Deshalb darf man nie zu weit vorausschauen, wir blicken von Runde zu Runde. Aber ich denke schon, dass wir sehr stark sind. Dreimal wurden wir in dieser Saison besiegt, dreimal waren es Auswärtsspiele und dreimal waren es Teams, die nicht wie wir noch zusätzlich in der Euroleague gespielt haben. Wir hatten einen ziemlich straffen Spielplan bei zwei der Niederlagen. Also klar: Wenn wir alle gesund sind, wird es verdammt schwer, uns zu schlagen.

Enttäuschung über das Aus in der Euroleague

Mit Bayern haben Sie knapp die Play-offs in der Euroleague verpasst. Wie sehr schmerzt das Aus in Europas höchstem Wettbewerb noch?

Schon, aber vor dem Saisonstart waren die Play-offs nicht das oberste Ziel. Es ging mehr darum, in der Euroleague eine gute Rolle zu spielen, die Marke Bayern München zu etablieren und die Gegner wissen zu lassen, dass wir kein Team sind, das sie einfach überrollen können. Es ging darum, für die kommenden Jahre zu lernen. Klar, alle waren nach dem Ausscheiden enttäuscht, aber hätte man uns vorher erzählt, dass wir dem Viertelfinale so nah kommen, hätte das jeder abgenickt. Sechs Siege hatte man uns anfangs zugetraut - am Ende waren es 14.

Ihr Vertrag endet nach dieser Saison. Wie geht es weiter?

Darüber kann ich noch nicht viel sagen (lacht). Noch ist nichts wirklich sicher, ich habe keine Antwort. Aber soviel ist sicher: Ich mag es in München, ich habe hier eine gute Zeit.

Zieht es Sie zurück in die NBA?

Wer weiß. Es waren zahlreiche Scouts von NBA-Teams in München, um mich spielen zu sehen, wir stehen in Kontakt. Es war eine Saison, in der ich mich wieder beweisen musste, so wie ich es mein ganzes Leben lang tun musste. Als ich in der High School spielte, war ich nicht in der Liste der 150 besten US-Nachwuchsspieler zu finden, zwei Jahre später wurde ich beim NBA-Draft an zweiter Stelle gewählt. Ich weiß also wie es sich anfühlt, wenn keiner mehr mit einem rechnet und dann überrascht man doch. Das zu wiederholen, ist immer mein Ziel.

Sie haben bei den Cleveland Cavaliers mit Superstar LeBron James zusammengespielt. Kann man selbst als gestandener Profi noch von ihm lernen?

Er ist nicht nur ein außergewöhnlicher Spieler, sondern auch ein toller Mensch. Sehr bodenständig, auch wenn er solch ein Superstar ist. Er kann keine drei Meter laufen, ohne dass 20 bis 30 Leute ihn verfolgen, Autogramme und Fotos mit ihm wollen. Wie ein Rockstar. Und trotzdem ist er so ein guter Typ, ein Familienmensch, der sich sozial engagiert. Was ich von ihm gelernt habe, als Mensch und als Anführer einer Mannschaft, will ich auch hier einbringen. Ich will vermitteln, dass harte Arbeit sich auszahlt. Dass jeder Tag, jede Trainingseinheit zählt. Mit ihm zusammenzuspielen, im NBA-Finale zu stehen – das sind Erfahrungen, die ich nie vergessen werde.

Tragen Sie auch wegen LeBron James nun die Trikotnummer 23?

Wegen Michael Jordan, aber natürlich auch wegen LeBron. Als er in die NBA kam, war ich zwölf Jahre alt, er war mein Lieblingsspieler. Verrückt, wie sich das Leben manchmal so spielt. Als Kind sah ich ihn im Fernsehen und spiele dann mit ihm zusammen in einem Team. Es ist hart, über eine solange Zeit so gut zu sein. Diese Ausdauer, dieser Wille. Wenn du solch einen Spieler siehst, bist du froh, wenn du nur halb so gut sein kannst. Man braucht Menschen, zu denen man aufschaut. Und LeBron ist definitiv eine der größten Einflüsse in meinem Leben.

"Ich wollte einfach nur spielen"

Warum hat es Sie überhaupt nach München verschlagen? Anderswo hätten Sie viel mehr Geld verdienen können.

Ja, aber dieses Jahr ging es mir nicht ums Geld. Es ging um die Gelegenheit, Basketball zu spielen. Mir war egal, wieviel ich verdiene, ich wollte einfach nur spielen - in einem Team, das in der Euroleague spielt. Außerdem ist Bayern München ein großer Name. Das Basketball-Team ist jung, aber der Verein ist weltbekannt.

Bayern München ist vor allem als Fußballklub bekannt. Sind Sie manchmal im Stadion?

Ja, zu drei Spielen habe ich es schon geschafft. Es ist nicht einfach, weil sich unsere Spielpläne zu oft überschneiden. Aber das war auf jeden Fall mein Ziel, als ich kam. Ich wollte Bayern München Fußball spielen sehen. Wie ich es als 15-Jähriger getan habe, als ich mich immer mehr für Sport interessierte und Spiele im Fernsehen sah. Auch wenn Fußball keine so große Rolle in den USA spielt, so habe ich doch immer wieder eingeschaltet.

Wie gefällt es Ihnen generell in Deutschland?

Ich war vorher noch nie in Deutschland, als sich ankam, gab es hier in München gerade das Oktoberfest. Ein schöner Einstand, wir hatten dort ein interessantes Teamtreffen (lacht). München ist eine tolle Stadt, sicher, sauber – und teuer (lacht). Es macht Spaß, durch Deutschland zu reisen und die verschiedenen Städte kennenzulernen. In Berlin habe ich es beispielsweise sehr genossen, dort einfach herumzulaufen und die Stadt so zu entdecken.

Ist Ihre Mutter eigentlich je zu Besuch gekommen? Immerhin ist sie eine der wichtigsten Personen in ihrem Leben, sie hat Sie und ihre Schwester alleine großgezogen.

Leider hat sie es zu Weihnachten nicht geschafft. Aber sie ist definitiv die wichtigste Person in meinem Leben. Sie hat mich und meine Schwester großgezogen, hat das Haus um 5 Uhr morgens für die Arbeit verlassen und ist um 18 Uhr wiedergekommen. All diese Stunden in den vielen Jahren, damit es den Kindern an nichts fehlt. Nun versuche ich, dafür zurückzuzahlen. Das kann man nicht mit Geld aufwiegen. Das kann ich nie zurückzahlen. Sie ist eine sehr spezielle Frau.

Wie sehen Sie den Spielstil im Vergleich zur NBA?

Die NBA ist ein Geschäft. Manchmal laufen Dinge nicht so, wie man es selbst gerne hätte. Statt eines Basketballspiels ist es ein Geschäft. Hier habe ich gerade wieder mehr Spaß, ich lerne ein neues Land und neue Leute kennen. Ich wollte einfach wieder einen frischen Start. Das ganze Drumherum macht wieder Spaß. Der Spielstyl der Liga ist auch ein anderer. Das Besondere in Deutschland ist, dass dieser sehr vom jeweiligen Trainer abhängt. Wir haben einen Trainer aus Montenegro, viele unserer Spieler kommen aus Serbien. So ist auch unser Stil eher vom Balkan geprägt, während beispielsweise ein Team wie Rasta Vechta unter seinem Trainer Pedro Calles eher den spanischen Stil pflegt. Du hast Teams, die schnell spielen. Teams, die mehr Wert auf Distanzwürfe legen und Teams, für die die Verteidigung die wirksamste Waffe ist. Man muss sich bei jedem Spiel auf einen anderen Stil einstellen. In der NBA geht der Trend dahin, dass viele Teams schnell spielen und 30 bis 40 Drei-Punkte-Würfe abfeuern. Hier ist der Spielstil noch vielfältiger.

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