Krankheit

Affenpocken: So gut und so lange schützt die Pockenimpfung

| Lesedauer: 4 Minuten
Affenpocken: Stiko empfiehlt Impfung bei bestimmten Gruppen

Affenpocken: Impfung wird bei Risikogruppen empfohlen

Affenpocken sind mit den ausgerotteten Pocken verwandt. Alte Impfstoffe werden derzeit auch für Affenpocken diskutiert. Die Stiko empfiehlt bereits eine Impfung für bestimmte Gruppen.

Beschreibung anzeigen

Berlin.  Die Pocken konnten durch eine Impfkampagne ausgerottet werden. Nun empfiehlt die Stiko auch eine Affenpocken-Impfung für Risikogruppen.

  • Im 20. Jahrhundert wurden die Pocken durch eine gezielte Impfkampagne weltweit ausgerottet
  • Bei den Affenpocken fragen sich nun viele Menschen: Schützt die alte Impfung eventuell auch noch heute?
  • Für Risikogruppen hat die Ständige Impfkommission nun eine Empfehlung abgegeben

Nach mehr als zwei Jahren, in denen das Coronavirus unser Leben bestimmt hat, bereitet eine neue Krankheit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Sorgen. Die Affenpocken breiten sich in immer mehr Ländern aus, auch das Robert Koch-Institut (RKI) ruft zu Wachsamkeit auf. Allerdings verbreitet sich gerade vor allem die westafrikanische Variante des Virus, die vor allem milde Krankheitsverläufe auslöst.

Die Affenpocken sind eng mit den sogenannten echten Pocken verwandt – einer Krankheit, die dank einer weltweiten Impfkampagne seit dem Jahr 1980 als ausgerottet gilt. Laut dem RKI lassen sich aus ihrer Bekämpfung Schlüsse ziehen, die gegen die Verbreitung der Affenpocken helfen können. Eine spezielle Therapie gegen die Krankheit gibt es nämlich nicht.

Affenpocken: "Normale" Pockenimpfung schützt gut

Während der Impfkampagne gegen die echten Pocken wurde vielen Menschen das Vaccinia-Virus verimpft. Es ist dem Erreger der Pocken so ähnlich, dass er Geimpfte auch gegen die Pocken schützt. Diese sogenannte Kreuzprotektion ist zu 85 Prozent bei Affenpocken wirksam. Geimpfte zeigten laut RKI leichtere Krankheitsverläufe als ungeimpfte Personen.

Allerdings: Die Impfkampagne der WHO wurde zwischen 1967 und 1980 durchgeführt. Pockenimpfungen liegen also mindestens 40 Jahre zurück, der Impfschutz lässt nach. Außerdem zeigt der Vaccinia-Virus-Lebendimpfstoff hohe Nebenwirkungen: Bei Einem von einer Million Geimpften gab es laut RKI tödliche Komplikationen im Zusammenhang mit der Pockenimpfung.

Bundesregierung hat Impfdosen eingelagert

In der Bundesrepublik Deutschland war die Pockenimpfung bis 1975 für Einjährige Pflicht. Noch länger gab es die Impfpflicht in der DDR: Dort wurde die Impfpflicht erst 1982 aufgehoben. Sichtbar ist das bei vielen Menschen bis heute: Da die Pocken-Impfung an der Injektionsstelle eine lokale und "geplante" Pocken-Infektion hervorrief, entstanden dort Pusteln. Diese sind bei vielen Menschen, die damals geimpft wurden, noch als runde Narbe am Oberarm zu erkennen.

Sehen Sie hier: So verbreiten sich die Affenpocken in Europa und weltweit

Und auch, wenn die letzten Pocken-Impfungen in Deutschland rund 40 Jahre zurückliegen: Bis heute lagert die Bundesregierung etwa 100 Millionen Dosen eines älteren Pockenimpfstoffs ein. Zwei Millionen Dosen davon wurden allerdings der WHO gespendet. Außerdem sei das Vakzin laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach wegen der zu erwartenden Nebenwirkungen nicht zum Einsatz gegen Affenpocken geeignet.

Stiko empfiehlt Affenpocken-Impfung für Risikogruppen

Es gibt allerdings bereits neuere Pocken-Impfstoffe, sogenannte MVA-Impfung (MVA: Modifiziertes Vacciniavirus Ankara). Dieser ist besser verträglich und hinterlässt auch keine Impfnarbe. Lauterbach kündigte bereits an, 40.000 Dosen des in der EU für Erwachsene zugelassenen Impfstoffs Imvanex zu bestellen.

Am Donnerstag (9. Juni) sprach die Ständige Impfkommission (Stiko) für bestimmte Risikogruppen eine Impfempfehlung aus. Die Impfung wird Menschen nach einem engen körperlichen Kontakt zu Infizierten, Personal in Laboren mit ungeschütztem Kontakt zu Proben und homosexuellen Männern mit wechselnden Partnern empfohlen, teilte die Stiko mit. Verwendet werden soll das Vakzin Imvanex. Der Beschlussentwurf der Empfehlung muss nun noch in ein sogenanntes Stellungnahmeverfahren und ist daher noch keine endgültige Empfehlung.

Laut dem Beschlussentwurf sollen Menschen ab 18 Jahren, die engen körperlichen Kontakt mit einem Infizierten, beispielsweise durch Sex, hatten, so früh wie möglich in einem Zeitraum von bis zu 14 Tagen mit dem Pockenimpfstoff behandelt werden. Gleiches gilt für Laborpersonal nach ungeschütztem Kontakt zu kontaminierten Proben. Zudem soll Menschen mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko die Impfung angeboten werden.

Schützt die Corona-Impfung vor den Affenpocken?

Nein. Die Impfstoffe gegen das Coronavirus wurden als Maßnahme gegen Sars-Cov-2 entwickelt. Sie immunisieren nicht gegen das Variolavirus, den Erreger der Pocken. (mit afp)

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Panorama

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben