Suizid

Jeffrey Epstein: FBI untersucht Tod des US-Milliardärs

Der wegen Sexualdelikten angeklagte US-Amerikaner Jeffrey Epstein wurde in seiner Gefängniszelle in New York tot aufgefunden.

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New York.  Der wegen Missbrauchs minderjähriger Mädchen angeklagte US-Investmentbanker Jeffrey Epstein ist tot. Er soll Suizid begangen haben.

Das Metropolitan Correctional Center in Manhattan hat gelinde gesagt nicht den besten Ruf. Seit Samstagmorgen steht die Justizvollzugsanstalt in New York City massiver denn je im Zwielicht. Denn Jeffrey Epstein, der prominente, millionenschwere Häftling, hat nach Justiz-Angaben, auf die sich führende US-Zeitungen berufen, am frühen Samstagmorgen (Ortszeit) in seiner Zelle Selbstmord begangen. Obwohl er nach einem gescheiterten Suizid-Versucht vor wenigen Wochen unter besonderer Beobachtung stand.

Epsteins Gefängnis-Tod scheint nun zum Polit-Krimi zu werden. Neben der Bundespolizei FBI hat auch Justizminister William Barr eine Untersuchung angekündigt. Barr zeigte sich „entsetzt” über die Nachricht, dass der 66-jährige Gesellschaftslöwe mit besten Verbindungen zu Politik, Adel und Finanzwelt am frühen Samstagmorgen in seiner Zelle leblos aufgefunden und später in einem Krankenhaus für tot erklärt wurde.

Der Vorfall „wirft viele ernste Fragen auf”, erklärte Barr. Meldungen von US-Medien, die sich auf Quellen bei Polizei und Gefängnisbehörden beriefen und früh Selbsttötung durch Erhängen als Todesursache angaben, bestätigte Barr nicht. In sozialen Netzwerken wird intensiv spekuliert, Epstein könnte Opfer eines Auftrags-Verbrechens geworden sein, „weil er zu viel wusste”.

Epstein soll minderjährige Mädchen missbraucht haben

Epstein, ein in New York mit Finanzgeschäften zu gewaltigem Reichtum gekommener Lebemann mit einem Bekanntenkreis, der von Ex-Präsident Bill Clinton über Englands Skandal-Prinz Andrew bis zu Donald Trump und dem Damenunterwäsche-Unternehmer Leslie Wexner (Victoria’s Secret) reichte, saß seit Juli hinter Gittern.

Ihm wurde vorgeworfen, Anfang der 2000er Jahre Dutzende minderjährige Mädchen, manche sollen erst 14 gewesen sein, sexuell missbraucht und ausgebeutet zu haben; persönlich – und über einen Kindersex-Ring durch die Vermittlung an Dritte. Im Falle einer Verurteilung in dem ursprünglich für Juni 2020 angesetzten Prozess hätten dem Multimillionär, der 66 Jahre alt wurde, bis zu 45 Jahre Gefängnis gedroht.

Der Fall sorgt seit Wochen für großes Aufsehen, weil er eigentlich bereits zu den Akten gelegt schien. Trumps Arbeitsminister Alexander Acosta ist deswegen zurückgetreten. Er war 2008 Bundesstaatsanwalt und hatte Epstein bei einem einschlägigen Verfahren in Florida glimpflich davonkommen lassen.

Epstein war als pädophiler Sextäter registriert

Epstein bekam nach Florida-Gesetz 13 Monaten Haft, die mit täglichem Freigang garniert waren. Obwohl als pädophiler Sextäter offiziell registriert, tauchte er danach wieder im Leben der Reichen und Schönen auf.

Dass Epstein mehr als zehn Jahre später wieder in die Mühlen der Strafverfolgung geriet, lag maßgeblich an der journalistischen Arbeit des „Miami Herald”. Das Blatt hatte Opfer Epsteins ausfindig gemacht und zum Reden gebracht. Es entstand das Bild eines „Sex-Monsters mit Freunden in hohen Positionen”, sagte ein Analyst im Fernsehen.

Keine Freilassung auf Kaution

Als der Eindruck sich verfestigte, es gebe viele weitere Betroffene, schlug die Staatsanwaltschaft in New York zu und ließ Epstein bei der Rückkehr im Privatflugzeug aus Europa verhaften. Bei Durchsuchungen seines opulenten Stadthauses in New York wurden „Hunderte, wenn nicht Tausende Fotos nackter, offenbar minderjähriger Mädchen“ gefunden, berichtete die Staatsanwaltschaft.

Alle Bemühungen Epsteins, der 100 Millionen Dollar Kaution zu zahlen bereit war, bis Prozessbeginn auf freien Fuß zu kommen, wurden von der Justiz wegen Fluchtgefahr abgelehnt. Wie Epstein sich umbringen konnte, ist noch ungeklärt.

Am 23. Juli wurde Epstein in seiner Zelle bewusstlos und mit Verletzungen am Nacken aufgefunden. Ob es sich um einen Selbstmordversuch handelte oder ob Gewalt Dritter im Spiel war, ist bis heute offiziell nicht bekannt. Tatsache aber ist, dass Epstein für mehrere Tage auf „suicide watch” genommen wurde. Sprich Rund-um-die-Uhr-Beobachtung per Kamera. Und bewusstes Fernhalten von Gegenständen, mit den sich der prominente Häftlinge hätte selbst schaden können.

Nach Angaben aus Justizkreisen, über die die „New York Times” und andere Leitmedien berichten, wurde die Sonder-Beobachtung für Epstein kürzlich aufgehoben. Warum und auf wessen Veranlassung? Unklar. Strafvollzugsexperten halten den Vorgang für „höchst ungewöhnlich” und „verdächtig” und „schädlich für den Ruf der Regierung Trump, die für die Bundesgefängnisse verantwortlich ist”.

Opfer sind wütend „über das Versagen der Justizbehörden”

Wenn ein Sträfling der Gefahr von Übergriffen durch Mithäftlinge oder Selbstmord-Gedanken ausgesetzt gewesen sei – dann Epstein. Fachleute erwarten, dass Videos Aufschluss darüber geben, was in Epsteins Zelle tatsächlich geschah. Und ob womöglich ein Zusammenhang mit erst in dieser Woche bekannt gewordenen älteren Gerichtsunterlagen besteht, die neben Epstein auch andere schwer belasten.

Danach hatte Virginia Giuffre, ein junges Opfer Epsteins, 2016 ausgesagt, dass sie von dem New Yorker Millionär ausgebeutet und danach an etliche Prominente für sexuelle Dienstleistungen „ausgeliehen” worden sei.

Unter den genannten Namen sind: Mitglieder von Königshäusern (England), ein Premierminister, ein früherer Gouverneur, zwei ehemalige US-Senatoren, ein inzwischen verstorbener Top-Wissenschaftler und reiche Finanziers. Einige der Beschuldigten haben die Vorwürfe als erfunden abgestritten.

Mit Epsteins Tod wird die Aufklärung des Skandals um Kindersex und Zwangsprostitution nach Einschätzung beteiligter Juristen „um einiges schwieriger – oder sogar unmöglich”. Opfer Epsteins zeigen sich in ersten Stellungnahmen „wütend über das Versagen der Justizbehörden”.

Frieden zu finden mit den Geschehnissen von damals, sei nun kaum mehr möglich, sagte Jennifer Aroz. Sie gibt an, im Alter von 15 Jahren von Epstein vergewaltigt worden zu sein und fordert, dass die „Ermittlungen trotz des Todes der Hauptperson weitergehen”.

Trump distanzierte sich von Epstein

Donald Trump, der sich zuletzt nach Kräften von Epstein distanzierte , nachdem Videos von beiden aufgetaucht waren, die sie bei Partys mit jungen Frauen zeigten, sagte vor einigen Jahren: „Großartiger Typ. Ich kenne Jeff seit 15 Jahren. Macht viel Spaß mit ihm zusammen zu sein. Man sagt sogar, dass er so wie ich schöne Frauen mag. Und viele von ihnen sind jünger. Kein Zweifel – Jeff genießt sein Gesellschaftsleben.“

Zum Tod Epsteins und den Aufsehen erregenden Umständen hat sich der amerikanische Präsident bisher nicht geäußert.

• Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und y0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

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