Clan-Kriminalität

Razzia bei Al-Z.-Clan: Sozialbetrug von einer Million Euro

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Auch Waffen waren bei der Großrazzia in mehreren Objekten des Clans entdeckt worden

Auch Waffen waren bei der Großrazzia in mehreren Objekten des Clans entdeckt worden

Foto: -/LKA Nordrhein-Westfalen/dpa

Leverkusen/Duisburg.  Der Sozialbetrug des Al-Z.-Clans ist wohl noch größer als angenommen. Innenminister Reul spricht von einem Schadenshöhe von einer Million Euro.

Das Ausmaß des mutmaßlichen Sozialbetrugs im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen Angehörige des Al-Z.-Clans ist noch größer als bislang bekannt. Es gehe um mehr als eine Million Euro, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags. Davon sollen 430.000 Euro auf die vier am Dienstag festgenommenen Familienmitglieder entfallen und der Rest auf weitere der insgesamt 30 Beschuldigten des Verfahrens.

Seit der spektakulären Großrazzia sitzen drei Personen in verschiedenen Haftanstalten in U-Haft, berichtete die Polizei am Mittwoch - der 46-Jährige Hauptbeschuldigte und seine beiden Söhne im Alter von 24 und 28 Jahren. Die 42-jährige Ehefrau des Clan-Anführers sei gegen Auflagen „aus sozialen Gründen“ wieder auf freiem Fuß, teilte die Polizei mit. Ein Polizeisprecher erklärte auf Nachfrage: „Sie muss Kinder versorgen.“

Clan-Chef-Villa wurde auch mit Rauschgiftspürhunden durchsucht

„Auch einen Tag nach dem landesweiten Großeinsatz gegen die Clankriminalität in NRW laufen die Ermittlungen und die Auswertungen der Asservate durch die Spezialisten der Düsseldorfer Polizei für die Bekämpfung der organisierten Kriminalität auf Hochtouren“, berichtete die Polizei am Mittwoch. Insgesamt gut 30 Objekte in Verbindung mit Clan-Strukturen waren am Dienstag bei Razzien in NRW durchsucht worden. Unter anderem in Köln, Düsseldorf, Essen, Bochum, Krefeld und Mönchengladbach.

Bis in die späten Abendstunden hatten Ermittler die Villa in Leverkusen durchforstet, berichtete die Polizei am Mittwoch. „Neben Geld- und Rauschgiftspürhunden kam später auch ein Bodenradar zum Einsatz. Die Suche im Garten verlief ergebnislos“, teilte die Polizei mit.

14.300 Euro Bargeld unter Fußmatte in Mercedes S-Klasse entdeckt

Stand Mittwoch seien bei den Razzien Vermögenswerte beschlagnahmt worden im Gesamtwert von 600.000 Euro. So hatten die Ermittler bei einem SEK-Zugriff in Duisburg in einem gemieteten S-Klasse-Mercedes des Hauptverdächtigen Bargeld entdeckt - 14.300 Euro. Sie waren versteckt unter einer Fußmatte im Fonds. Ein Sprecher erläuterte, der Hauptverdächtige Clan-Chef sei zumeist in Miet-Fahrzeugen unterwegs gewesen, was die Ermittler als Möglichkeit interpretieren, Schwarzgeld zu ‘waschen’. Der 46-Jährige sei häufig in Duisburg gewesen, „um dort zu zocken“, hieß es bei der Polizei.

In Neuss fanden Ermittler bei einem anderen Verdächtigen 19 Blanko-Corona-Testbescheinigungen mit Stempel. Bei Durchsuchungen seien insgesamt 15 Luxusuhren sichergestellt worden; dabei wird der Wert alleine der Armbanduhr des Hauptverdächtigen von der Polizei auf 30.000 Euro geschätzt. Ebenfalls konfisziert worden seien bei ihm ein Mercedes Typ Vito im Wert von 40.000 Euro und ein Quad, sagte ein Polizeisprecher. Außerdem rechnete die Polizei in die Summe konfiszierter Vermögenswerte auch „verschiedene Grundschuldeintragungen“ ein, erklärte ein Sprecher.

Clan-Familie bezog Sozialhilfe

Noch nicht einberechnet worden sei der Wert der Villa, die der Clan-Chef mit seiner Familie bewohnte. Sie werde ebenso vom Land NRW konfisziert werden, was jedoch noch im Grundbuch festzulegen sei, teilte ein Polizeisprecher mit. Es brauche voraussichtlich dazu aber noch einen richterlichen Beschluss, hieß es bei der Polizei.

Der Wert des Anwesens im Leverkusener Ortsteil Rheindorf wird auf mehrere Hunderttausend Euro geschätzt, die in der bisherigen Übersicht der konfiszierten Vermögenswerte noch nicht berücksichtigt seien, sagte der Polizeisprecher. Die Familie hatte trotz ihres Vermögens unbekannter Herkunft über 400.000 Euro Sozialleistungen bezogen, hieß es am Mittwoch.

Clan-Razzien: Noch viel Arbeit für die Ermittler

„Die Arbeiter der Ermittlungskommission und die Ermittlungen dauern an“, teilte die Polizei mit. Eine endgültige Bilanz, insbesondere zu den beschlagnahmten Werten, brauche noch einiges an Zeit.

Der Dienstag brachte Polizeibehörden bundesweit noch weitere erhebliche Ermittlungsarbeit. Bei einer konzertierten weltweiten Großaktion in 16 Ländern gegen Verbrecherbanden gab es auch in NRW Razzien. Dabei wurden bundesweit über 150 Wohnungen, Lagerhallen und Geschäftsräume durchsucht; weltweit mehr als 700 Objekte, berichtete das Bundeskriminalamt. Die Ermittlungen in diesen Fällen stünden in keinem Zusammenhang mit den Aktionen gegen den kriminellen Clan, erläuterte der Polizeisprecher auf Nachfrage. (dae)

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