Pandemie

Corona: So schlimm ist das Impfdesaster im Rest der Welt

Lesedauer: 4 Minuten
Zweite Corona-Welle erfasst Südamerika

Zweite Corona-Welle erfasst Südamerika

Die zweite Corona-Welle hat südamerikanische Länder wie Uruguay und Argentinien fest im Griff. In den beiden Ländern sterben gerade so viele Menschen wie fast nirgendwo sonst auf der Welt. Das ebenfalls in Südamerika gelegene Peru hat indes seine Zählweise bei den Corona-Todesfällen geändert, damit gibt es dort auf einen Schlag mehr als doppelt so viele Tote.

Beschreibung anzeigen

Berlin/Brüssel.  Hierzulande läuft die Impfkampagne nun. Doch in ärmeren Ländern ist bisher nicht mal ein Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft.

In Europa und in den USA kommt der Impfzug ins Rollen. Doch in vielen ärmeren Ländern wurde nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Diese Spaltung ist gefährlich, warnen Gesundheitsexperten und mahnen eine gerechtere Verteilung der Dosen an.

In welchen Regionen und Ländern läuft es beim Impfen schlecht?

Vor allem in Afrika gibt es viele weiße Flecken. Bei der Hälfte des Kontinents verfügen die Behörden über keine Daten. Beim Rest herrscht größtenteils Impfnotstand: Nach Angaben der an der Universität Oxford angesiedelten Online-Plattform Our World in Data sind in vielen Ländern weniger als ein Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Aber auch in Lateinamerika gibt es große Lücken. Am östlichen Rand Europas sehen die Zahlen ebenfalls düster aus. So sind in der Ukraine nur 0,3 Prozent der Bevölkerung voll mit Impfstoff versorgt.

In welchen Regionen und Ländern ist der Impfzug auf Touren gekommen?

In Europa und den USA ist die Situation im Allgemeinen relativ gut. Sieht man von Zwergstaaten wie den Seychellen ab, steht Israel weltweit an der Spitze. Dort wurden laut Our World in Data 59,4 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Danach folgen Bahrain (48,9 Prozent), Chile (44 Prozent), die USA (41,8 Prozent), Ungarn (41,3 Prozent) und das Vereinigte Königreich (41,1 Prozent). Deutschland (21,7 Prozent) steht auf Rang zehn.

Was sind die Konsequenzen dieser Spaltung in Arm und Reich?

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden bis 8. Juni weltweit rund 2,1 Milliarden Impfdosen verabreicht. Fast 44 Prozent davon seien in reichen Ländern wie den USA, Großbritannien oder Deutschland verteilt worden. Rund ein halbes Jahr nach dem Start der Impfkampagne seien nur 0,4 Prozent der Dosen in armen Ländern wie Südafrika oder Peru angekommen. „Besonders frustrierend an diesen Zahlen ist, dass sich daran seit Monaten nichts geändert hat“, kritisiert WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Nach Einschätzung von Hilfsorganisationen ist die Verteilungsfrage der Schlüssel. „Wenn alle 2,1 Milliarden verabreichten Impfdosen gerecht abgegeben worden wären, wären laut Berechnungen der WHO weltweit das gesamte Gesundheitspersonal und die Älteren geimpft“, sagte Elisabeth Massute von Ärzte ohne Grenzen unserer Redaktion.

Mehr zum Thema Corona in unserem Newsletter. Jetzt anmelden!

Welche Corona-Gefahren drohen nun?

Gesundheitsexperten schlagen Alarm. „In Afrika steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen wieder an: In den vergangenen zwei Wochen betrug das Plus 20 Prozent“, so Massute von Ärzte ohne Grenzen. „Es besteht das Risiko, dass sich die Pandemie in diesen Ländern weiter ausbreitet. Aber auch in lateinamerikanischen Ländern wie Brasilien und Argentinien sowie in Asien – etwa in Indien – ist die Lage nach wie vor kritisch aus der Gesundheitsperspektive.“

In der globalisierten Welt ist eine komplette Abschottung nicht möglich. Ab diesem Sommer dürften Menschen wieder verstärkt in Urlaub gehen oder aus geschäftlichen Gründen verreisen. Container werden um den ganzen Erdball transportiert. Gefährliche Virusmutanten wie die in Indien entstandene Delta-Variante wüten besonders heftig dort, wo der Impfschutz fehlt. Sie sind deutlich ansteckender als das Corona-Stammvirus. Ohne ausreichende Verteilung von Impfdosen kann die Pandemie nicht eingedämmt werden. Es besteht die Gefahr, dass die Seuche in neuen Wellen auf die vermeintlich virusfreien Zonen in Europa und anderswo überschwappt.

Was plant die Impf-Initiative Covax?

Die von der WHO gegründete Covax-Initiative will mit Unterstützung der Staatengemeinschaft bis Ende des Jahres mindestens zwei Milliarden Impfdosen an ärmere Länder liefern – genug für etwa ein Viertel der Bevölkerung dieser Staaten. Allein Deutschland hat bislang zwei Milliarden Euro dafür zugesagt und 30 Millionen Impfdosen. Aus der EU kommen insgesamt 100 Millionen Einheiten bis Jahresende.

Kann der G7-Gipfel die weltweite Ungleichheit beseitigen?

Eines der zentralen Themen wird es auf jeden Fall. Der britische Premier Boris Johnson will als Gastgeber die Regierungschefs der G7 darauf verpflichten, dass die weltweite Corona-Impfung bis Ende 2022 abgeschlossen ist. Der Vorstoß von US-Präsident Joe Biden, die Patente für Corona-Impfstoff auszusetzen, findet wohl keine Zustimmung. Die EU-Staaten wollen Biden vielmehr drängen, es den Europäern nachzumachen und auf Exportbeschränkungen für Vakzine zu verzichten.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Panorama

Leserkommentare (3) Kommentar schreiben