Pandemie

Alarm in Spanien: Kommt mit Touristen die neue Corona-Welle?

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In den Dünen von Maspalomas randalieren die Touristen. (Symbolbild)

In den Dünen von Maspalomas randalieren die Touristen. (Symbolbild)

Foto: IMAGO / Cavan Images

Madrid  Spanien und Portugal sind bis jetzt gut durch die Corona-Welle gekommen. Doch der Tourismus könnte die Zahlen wieder ansteigen lassen.

Die beste Abwehrwaffe gegen die im nördlichen Europa rollende Corona-Welle sei die Impfung, predigt Spaniens Premier Pedro Sánchez. „Denn diese funktioniert. Je mehr Menschen geschützt sind, um so weniger Chancen hat das Virus.“ Er sei stolz auf seine Bürger und ihre hohe Impfbereitschaft. 89 Prozent der über 12 Jahre alten Menschen, also der derzeit impffähigen Bevölkerung, habe den doppelten Pikser erhalten; bezogen auf die Gesamtbevölkerung liegt die Quote bei nahezu 80 Prozent. „Damit ist Spanien ein Beispiel für die ganze Welt.“

So beispielhaft soll es nun auch mit der dringend empfohlenen Auffrischung des Virusschutzes weitergehen. Die Drittimpfung für die über 70-Jährigen und die Angehörigen der Gesundheitsberufe ist bereits fast abgeschlossen. In den nächsten Tagen soll die Booster-Kampagne für alle über 60 starten. Und es gibt wenig Zweifel, dass auch diese Aufrischungsimpfung in Spaniens Gesellschaft wieder großen Anklang finden wird.

Spanien: Gelungene nationale Impfkampagne

Das Erfolgsrezept ist einfach und hat viel mit dem zentral organisierten nationalen Gesundheitssystem zu tun. Alles ist streng nach Alters- und Prioritätsgruppen gestaffelt, beginnend mit den Verwundbarsten. Alle Bürger werden aktiv von den Gesundheitsbehörden per Telefonanruf oder Kurznachricht zu einem konkreten Impftermin eingeladen. Wer zu diesem Zeitpunkt nicht kann, bekommt ohne Probleme einen Ersatztermin angeboten. Es herrscht generalstabsmäßige Planung statt Terminchaos.

Vor allem wegen des gelungenen nationalen Impffeldzuges sieht Spaniens Regierungschef Sánchez der sich in Deutschland, Österreich, der Schweiz oder Luxemburg ausbreitenden Covid-Welle eher gelassen entgegen. „Wir sind sehr viel besser gerüstet als vor einem Jahr, um mit einem Rückfall fertig zu werden“, sagt Sánchez. Das spiegele sich klar in den nationalen Corona-Zahlen, die niedriger seien als in anderen europäischen Ländern.

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In der Tat weist Spanien derzeit eine der geringsten 7-Tage-Inzidenzen Europas auf. Nach den Daten der Johns Hopkins Universität registrierte Spanien zuletzt eine wöchentliche Häufigkeit von 71 Fällen pro 100.000 Einwohnern. Viele weiter nördlich liegende Länder schauen neidisch auf die Spanier. Die Infektionskurve geht zwar südlich der Pyrenäen inzwischen ebenfalls nach oben, aber nur sehr langsam. In den Hospitälern ist es ruhig, nur zwei Prozent der Betten sind mit Covid-Patienten belegt – es gibt also nur wenig schwere Fälle.

Touristen bringen Corona nach Spanien und Portugal

Trotzdem mehren sich die Indizien, dass nun vor allem ausländische Touristen das Virus nach Spanien bringen. In einigen spanischen Urlaubshochburgen steigt die Infektionskurve spürbar stärker als im nationalen Schnitt. Das gilt etwa für die Costa-Blanca-Hauptstadt Benidorm am Mittelmeer, die Balearischen Inseln mit Mallorca und Ibiza oder das Kanaren-Winterparadies Fuerteventura. Durchweg Reiseziele, die von Urlaubern aus den deutschsprachigen Ländern sowie aus Großbritannien gerne angeflogen werden, wo die Inzidenzen sehr hoch sind.

Eine ähnlich besorgniserregende Entwicklung macht derzeit das spanische Nachbarland Portugal durch. Wochenlang wurden die Portugiesen als Europas Impfchampions gefeiert, weil dort bereits 88 Prozent der Gesamtbevölkerung den doppelten Schutz erhielten. Doch auch das kann offenbar nicht verhindern, dass nun vor allem in den touristischen Hotspots die Corona-Zahlen in die Höhe schnellen.

Corona-Regeln könnten in Portugal wieder strenger werden

Das betrifft besonders die Urlaubsküste Algarve, wo die 7-Tage-Inzidenz jetzt wieder bei nahezu 250 liegt – mit weiter steigender Tendenz. In der viel besuchten portugiesischen Hauptstadt Lissabon und auf der Ferieninsel Madeira zeichnet sich eine ähnliche Aufwärtsentwicklung ab. Dies treibt Portugals landesweite Wocheninzidenz nach oben, die laut Johns Hopkins Universität bereits auf 150 zustrebt und sich damit wieder dem roten Bereich nähert.

Die Zahl der schweren Fälle in Portugal ist zwar, ähnlich wie in Spanien, dank der hohen nationalen Impfrate weiterhin niedrig. Aber steigende Inzidenzen sind keine gute Tourismuswerbung. Deswegen schließt Portugals Regierung nicht mehr aus, demnächst einige Corona-Regeln, etwa die im Oktober stark gelockerte Maskenpflicht, wieder zu verschärfen.

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