Kommentar

Coronavirus – Was der Ausfall des Sommerurlaubs bedeutet

Auf Sonne, Sand und Meer werden wir in diesem Jahr wegen der Corona-Krise wohl verzichten müssen.

Auf Sonne, Sand und Meer werden wir in diesem Jahr wegen der Corona-Krise wohl verzichten müssen.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Berlin.  Wegen der Corona-Krise wird der Sommerurlaub in diesem Jahr ausfallen. Dies hat wirtschaftliche und auch gesellschaftliche Folgen.

Den Sommerurlaub werden wir uns wohl abschminken müssen. Dass es in der Corona-Krise so weit kommen wird, daran hat spätestens mit Einführung der Ausgangs, Kontakt- und Reisebeschränkungen wohl schon jeder gedacht – doch diskutiert wurde dies bislang nicht. Jetzt macht Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, den Anfang, und das ist gut so.

Es ist in der aktuellen Situation völlig illusorisch zu glauben, dass wir in den kommenden Monaten wieder in die Toskana fahren können, in die Bretagne oder an die Costa Brava. Auch Urlaub in Deutschland oder auch nur ein kurzer Wochenendausflug an die Nord- oder Ostsee wird so schnell nicht wieder möglich sein. Auch Verwandte an Ostern zu besuchen, ist in dieser Zeit einfach keine gute Idee. In den Nachbarländern wie auch in Deutschland erliegen gerade täglich Hunderte der Krankheit Covid-19. Da hat der Kampf gegen die tödliche Seuche absolute Priorität.

Corona-Krise hat dramatische Folgen für die Tourismus-Branche

Dennoch müssen die Folgen der Corona-Krise auf den Tourismus dringend diskutiert werden – sowohl die wirtschaftlichen als auch die gesellschaftlichen. So stehen etwa die Fluggesellschaften durch den bereits eingetretenen weitgehenden Stillstand mit dem Rücken an der Wand. Wie die Reisekonzerne brauchen sie Milliardenhilfen. Hinzu kommen Hotels, Pensionen und Gaststätten, Freizeitparkbetreiber und Strandkorbvermieter.

Fällt für sie die Saison aus, wird das dramatische Folgen haben für die Betriebe wie für Hunderttausende Beschäftigte. Denn Deutschlandtourismus ist ein Wirtschaftsfaktor, der in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Reisende aus dem In- und Ausland sorgten zuletzt für einen satten Jahresumsatz von 287 Milliarden Euro. Die Rettung dieser Branche wird notwendig werden – und sie wird teuer werden.

Ganz zu schweigen von den wirtschaftlichen Auswirkungen auf Staaten in Europa und der ganzen Welt, die auf Tourismus-Einnahmen im viel größeren Maß angewiesen sind. Während es Deutschland sicherlich gelingen wird, finanzielle Probleme der Betroffenen zu lindern, drohen in schwächer aufgestellten Ländern reihenweise Notlagen.

Wie kann man den Tourismus langsam wieder hochfahren?

Mit einer schnellen Lockerung der Reisebeschränkungen in deutschen Urlaubsregionen wie etwa Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern kann derzeit kaum gerechnet werden. Die Infrastruktur dieser Bundesländer ist mit der Versorgung der einheimischen Corona-Patienten ausgelastet – Urlauberscharen wären hier zurzeit fehl am Platz. Das sollte jedem aus Respekt vor den Mitmenschen einleuchten.

Bessert sich die Lage in den kommenden Wochen, wäre aber zum Beispiel ein Fahrplan denkbar: Unter welchen Bedingungen sind zumindest Ausflüge oder auch ein touristischer Minimalbetrieb wieder möglich? Und: Wie lässt sich ein potenziell gefährlicher Massenansturm in den Urlaubshochburgen vermeiden, wenn plötzlich die Beschränkungen wieder fallen?

Stillstand wird vor allem für Familien zum Problem

Eine offene Diskussion, wann, wo und unter welchen Bedingungen Ausflüge und Urlaub wieder möglich sein könnten, ist zu Beginn der Osterferien angebracht. Denn neben der Frage nach dem Umgang mit den wirtschaftlichen Auswirkungen stellt sich in der Corona-Krise auch die nach den Folgen für die Gesellschaft.

Vor allem für Familien wird der Stillstand im öffentlichen Leben zunehmend zur Belastung. Die Kinderbetreuung und gleichzeitige Arbeit im Homeoffice belastet viele Eltern. Wie sage ich es meinen Kindern, dass die Sommerferien, der Höhepunkt des Jahres, wohl anders werden als sonst? Und: Wie lange hält es Deutschland zu Hause aus?

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