Pandemie

Covid-19 trotz hoher Impfquote: Was wir aus Israel erfahren

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Israel: Leichtere Corona-Krankheitsverläufe trotz hoher Zahlen

Israel: Leichtere Corona-Krankheitsverläufe trotz hoher Zahlen

Israelische Ärzte berichten, dass Coronaverläufe jetzt weniger schwer verlaufen. Patienten seien nicht so krank als während vergangenen Wellen.

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Berlin  In Israel steigen die Corona-Infektionen - und damit die Zahl Schwererkrankter. Einige Ärzte gehen aber von milderen Verläufen aus.

  • Mit Blick auf die Corona-Impfungen gilt Israel als Musterbeispiel
  • Doch trotz der hohen Impfquoten steigt die Zahl der Infektionen wieder
  • Das könnte der Wissenschaft helfen

Israel galt in der Corona-Pandemie lange als Impfweltmeister - und auch Monate nach dem Start seiner rasanten Impfkampagne ist es noch eines der Länder mit den meisten vollständig gegen Covid-19 immunisierten Menschen. Angesichts der Delta-Variante steigt die Zahl der Neuinfektionen wieder deutlich. Aus diesem Grund sind wissenschaftliche Erkenntnisse zum Verlauf der Pandemie in dem Mittelmeerstaat besonders wertvoll: Sie zeigen, wie sich das Coronavirus angesichts einer hohen Impfquote verhält. Nun gibt es neue Stimmen zu den Hospitalisierungen - und leichteren Verläufen.

Wie die israelische Zeitung "Haaretz" berichtet, steigt die Zahl der ernsthaften Verläufe wieder an. Dennoch schilderten mehrere Ärztinnen und Ärzte den Eindruck, dass stationär aufgenommene Covid-Patienten generell leichter krank seien als während der vergangenen Wellen. Laut einem Bericht des israelischen Gesundheitsministeriums lagen am vergangenen Sonntag 191 Infizierte in Israel im Krankenhaus, darunter 113 Geimpfte.

Israelische Ärztin: "Haben es mit einer anderen Krankheit zu tun"

"Obwohl wir nicht viele Patienten haben, ist es für uns klar, dass sich diese Welle anders verhält", zitiert "Haaretz" die Ärztin Noa Eliakim-Raz, die die Corona-Station im Beilinson-Krankenhaus in Petah Tikva leitet. "Wir glauben aus klinischer Sicht, dass die Eigenschaften anders sind und wir es mit einer anderen Krankheit zu tun haben."

Sie sehe aktuell Covid-Patienten, die rein formell zwar die Kriterien einer ernsten Erkrankung erfüllten. Dazu zählten eine Sauerstoffsättigung im Blut unter 93 Prozent und sichtbare Infektionen beim Röntgen des Brustkorbs. Dennoch seien die Patienten in besserer klinischer Verfassung als diejenigen mit den gleichen Symptomen in den vergangenen Wellen.

Genesen Covid-19-Patienten schneller als früher?

Der Zustand der Erkrankten verbessere sich heute schneller, dementsprechend könnten sie auch früher entlassen werden. Bislang sei keiner ihrer Patienten während der aktuellen Infektionswelle auf die Intensivstation gekommen, so Eliakim-Raz weiter. "Das ist ein Hauptunterschied zu den vorherigen Wellen, wo Patienten täglich auf die Intensivstation geschickt oder von ihr zurückgebracht wurden."

Ähnlich äußert sich gegenüber der Zeitung die Medizinerin Khetam Hussein, Leiterin der Abteilungen für Infektionsschutz und Corona auf dem Rambam Health Care Campus in Haifa: "Mein Eindruck ist, dass die Patienten weniger ernsthaft krank sind als in der vorherigen Welle." Die Symptome seien zwar die gleichen, würden aber weniger schwer erscheinen.

Israel: Weniger Schwererkrankte als vor der Impfkampagne

Der Leiter der Herzog-Rehaklinik in Jerusalem sieht hingegen keinen Unterschied bei der Art und Weise der Corona-Erkrankungen in der verschiedenen Wellen, wie "Haaretz" weiter schreibt. Auffällig sei nun allerdings, dass weniger Patienten in der Rehaklinik ankämen: "Zu den Höhepunkten der vorherigen Wellen kamen an drei oder vier Tagen 80 Patienten zu uns", so der Mediziner. Mittlerweile seien es nur noch zwei oder drei Personen pro Tag. "Ich hoffe, das hat damit zu tun, dass die Impfung die Erkrankung abmildert."

Vor dem Start der Impfkampagne sind 4 Prozent aller Covid-19-Infizierten schwer erkrankt, wie "Haaretz" unter Berufung auf das israelische Gesundheitsministerium erklärt. Mit dem Impffortschritt heute seien es 1,5 Prozent der Infizierten. Einer Studie des Gesundheitsministeriums zufolge seien sogar Geimpfte mit Vorerkrankungen besser geschützt als gleichaltrige Ungeimpfte ohne Vorerkrankungen.

Trotz der ermutigenden Zahlen gab es in der jüngsten Vergangenheit auch Fälle, die für Verunsicherung sorgten: So zeigten sich die israelischen Gesundheitsbehörden besorgt, nachdem ein geimpfter Schüler unwissentlich mehr als 80 Personen mit Corona infizierte. Eine Analyse des Gesundheitsministeriums wies zudem darauf hin, dass die Wirksamkeit der Impfung bei der Verhinderung einer Infektion auf 64 Prozent gesunken ist.

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