Deutsche Bahn

ICE verpasst Halt an Bahnhof – Lokführer hatte 2,49 Promille

Die Deutsche Bahn gilt als chronisch unpünktlich. Wir zeigen vier Fakten rund um die Pünktlichkeit auf den deutschen Schienen.

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Wittenberg  Eigentlich hätte er in Wittenberg halten sollen. Der Lokführer aber fuhr seinen ICE einfach am Bahnhof vorbei. Der Mann hatte getrunken.

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Die ruckelige Fahrweise des ICE ließ den Zugchef misstrauisch werden, dann rauschte der Zug der Deutschen Bahn auch noch am geplanten Halt in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) vorbei. Mit 2,49 Promille hat ein Lokführer am Steuer seines Zuges gesessen, wie ein Alkoholtest ergab.

Die Trunkenheitsfahrt des ICE-Lokführers hat jetzt Konsequenzen: Ihm wurde die Zulassung entzogen und er wurde vom Dienst suspendiert. Auf ihn kommen womöglich auch strafrechtliche Konsequenzen zu.

Die Polilzei ermittelt gegen ihn wegen Trunkenheit im Verkehr. Damit drohen dem 49-Jährigen bis zu einem Jahr Haft oder eine Geldstrafe. Zunächst war wegen Gefährdung des Bahnverkehrs ermittelt worden. Dafür liegt die Haftstrafe bei bis zu fünf Jahren.

Es habe keine Gefahr für Leib und Leben bestanden, begründetee eine Sprecherin am Mittwoch die Herabstufung.

Deutsche Bahn: ICE-Lokführer verpasst Halt – das Wichtigste in Kürze

  • Ein ICE-Fahrer war so betrunken, dass er einen Halt in Wittenberg verpasste
  • Er hatte 2,49 Promille im Blut
  • Ihm wurde der Lokführerschein entzogen
  • Jetzt ermittelt auch die Bundespolizei

Am Dienstagabend vergangener Woche um 22.10 Uhr hätte der Zug in Wittenberg halten sollen, fuhr aber nahezu ungebremst durch den Bahnhof. Der Zugchef hatte deswegen Bundespolizisten angesprochen, die in dem ICE saßen.

Offenbar stimmte etwas mit dem Lokführer nicht. Entsprechend wurde der Mann am nächsten Bahnhof, in Bitterfeld, aus dem Zug geholt.

Nach dem Wechsel konnte der ICE mit der Nummer 993, der von Hamburg nach Leipzig unterwegs war, weiterfahren – allerdings nicht ganz pünktlich. Der Zug erreichte sein Ziel mit 65 Minuten Verspätung.

Bahn: Entschädigungsregeln gelten

Als offizieller Grund gab die Bahn eine „Verzögerung im Betriebsablauf“ an. Die Reisenden, die nach Wittenberg wollten, seien mit der S-Bahn zurückgefahren, sagte ein Bahn-Sprecher. „Wer so erwischt wird, ist die längste Zeit seines Lebens Lokführer gewesen.“

In der Mitteilung des Unternehmens heißt es: „Wir entschuldigen uns bei unseren Fahrgästen für die Unannehmlichkeiten, die sie durch die Situation in Lutherstadt Wittenberg bzw. Bitterfeld hatten. Selbstverständlich gelten auch in diesem Fall die Entschädigungsregeln der Fahrgastrechte vollumfänglich.“

Lokführer dürfen keinen Alkohol im Blut haben

Für Lokführer gilt eine Null-Promille-Grenze. Verstöße dagegen würden nach einem strengen Regelwerk geahndet, heißt es bei der Bahn. Der Triebfahrzeugführerschein werde sofort eingezogen und dem Eisenbahnbundesamt übergeben.

Im vergangenen Jahr habe es lediglich zwei erkannte Fälle von Trunkenheit im Führerstand eines Fernverkehrszugs gegeben. „Bei 500.000 Zugfahrten entspricht das einer Quote von 0,0004 Prozent“, so eine Unternehmenssprecherin. Seit 20 Jahren gelte ein striktes Suchtmittelverbot.

Um den Triebfahrzeugführerschein wiederzubekommen, muss der Betroffene anhand medizinischer und psychologischer Untersuchungen belegen, dass kein krankheitsbedingter Alkoholmissbrauch vorliegt und eine Wiederholungsgefahr ausgeschlossen ist. Das Eisenbahnbundesamt muss der Rückgabe des Führerscheins zustimmen.

Auch im Cockpit von Flugzeugen nehmen immer wieder betrunkene Piloten Platz.

Deutsche Bahn in der Kritik

Bei Kunden der Deutschen Bahn dürfte die Panne nicht so gut ankommen. Durch ihre vielen Verspätungen und Zugausfälle ist das Image des Konzerns geschädigt worden. Diese fünf Baustellen muss die Deutsche Bahn jetzt angehen.

Eine Münchnerin verarbeitete die Verspätungen derweil auf humorvolle Weise: Sie strickte einen „Verspätungs-Schal“, den sie für einen guten Zweck auf Ebay versteigert.

Alkohol im Triebwagen – immer wieder Fälle

  • Im Juli 2017 war ein Zugführer (30) der Euregiobahn von Aachen nach Stolberg unterwegs. Fahrgäste bemerkten die ruckelige Fahrweise, riefen die Polizei. Er hatte mehr als zwei Promille.
  • 2014 hatte ein Zugbegleiter wegen der Fahrweise des Lokführers in einem ICE von Hamburg nach Berlin die Polizei gerufen. Der Mann im Triebwagen pustete zwei Promille.
  • 2012 war ein Lokführer in Rheinland-Pfalz mit verwirrten Telefonaten mit der Leitstelle aufgefallen – der Alkoholtest bescheinigte ihm fast zwei Promille.
  • In Potsdam wurde bereits 2004 ein 59-Jähriger vor Gericht gebracht. Er hatte rund drei Promille im Blut – das war aufgefallen, weil er die Bahnsteige beim Halten nicht mehr traf.

Wittenberg schon einmal vergessen

Dass Lokführer versehentlich an einem Bahnhof vorbeifahren, kommt immer mal wieder vor. Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren war schon einmal ein ICE an Wittenberg vorbeigefahren, ohne zu halten – am 4. Januar 2017.

Der Lokführer bemerkte sein Missgeschick jedoch, stoppte den Zug und konnte in den Bahnhof zurückfahren. Einen ähnlichen Fall hatte es kurz zuvor in Bitterfeld gegeben. Mehrfach sind Züge schon an Wolfsburg vorbeigerauscht, auch Göttingen und Uelzen (Niedersachsen) waren schon betroffen. (ses/ba/dpa)

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