Großrazzia

Diebstahl im Grünen Gewölbe – Fahndung nach Clan-Mitgliedern

Juwelendiebstahl im Grünen Gewölbe: Festnahmen bei Großrazzia

Im November 2019 rauben Einbrecher Juwelenschmuck von unschätzbarem Wert aus dem Grünen Gewölbe in Dresden. Bei einer Großrazzia in Berlin wurden nun drei Tatverdächtige festgenommen.

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Berlin/Dresden.  Nach dem Diebstahl im Dresdner Grünen Gewölbe sind in Berlin drei Verdächtige festgenommen worden. Nach zwei weiteren wird gefahndet.

  • Die Polizei ist bei einer Großrazzia gegen die mutmaßlichen Diebe der Kunstschätze aus dem Grünen Gewölbe in Dresden vorgegangen
  • Drei Tatverdächtige wurden festgenommen, zwei weitere sind noch auf der Flucht
  • Die Verdächtigen sollen aus dem Berliner Clan-Milieu stammen

Die Polizei in Berlin hat am Dienstagmorgen drei Männer festgenommen, die verdächtigt werden, für den Kunstdiebstahl im Dresdner Grünen Gewölbe verantwortlich zu sein. Zwei der mutmaßlichen Diebe sind 23, der dritte 26 Jahre alt. Bei dem spektakulären Kriminalfall waren vor fast genau einem Jahr Kunstgegenstände von unschätzbarem Wert aus dem historischen Gebäude gestohlen worden.

Den Beschuldigten werden nun schwerer Bandendiebstahl und Brandstiftung in zwei Fällen vorgeworfen. Die Festgenommenen gehören nach Angaben aus Ermittlerkreisen dem Berliner Clan-Milieu an; alle drei sind Deutsche.

Insgesamt sind fünf Haftbefehle erlassen worden. Drei der Haftbefehle wurden am Dienstagmorgen bei einer Großrazzia in Berlin vollstreckt, wie der Dresdner Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt sagte. Die drei Männer wurden unmittelbar nach der Razzia nach Dresden gebracht, wo sie in Untersuchungshaft kamen. Die Festgenommenen äußerten sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft zunächst nicht zu den Vorwürfen.

Internationale Fahndung nach weiteren Verdächtigen

Die Polizei fahndet außerdem nach zwei weiteren Verdächtigen aus dem Milieu. Auch den beiden gesuchten 21-jährigen Zwillingsbrüdern werde schwerer Bandendiebstahl und Brandstiftung vorgeworfen, teilte die Dresdner Staatsanwaltschaft mit. „Die Fahndung läuft international“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Dresden.

Einer der gesuchten Tatverdächtigen ist möglicherweise mit einem Auto auf der Flucht . Die Polizei hat nach eigenen Angaben Hinweise darauf, dass der Mann mit einem grauen Renault Megane neueren Baujahrs mit Berliner Kennzeichen unterwegs sein könnte. Sie bittet um weitere Zeugenhinweise zu dem Fahrzeug. Auch der Aufenthaltsort des zweiten Gesuchten ist unklar.

Die Ermittler geht insgesamt von sechs direkt an dem Diebstahl Beteiligten aus. Haftbefehle wurden offenbar aber nur gegen die fünf Männer erlassen, gegen die ein dringender Tatverdacht besteht. Die Staatsanwaltschaft schließt zudem nicht aus, dass noch weitere Personen ins Visier der Ermittler geraten.

Die Festgenommenen sollen Teil einer polizeibekannten, arabischstämmigen Großfamilie sein, die auch für andere große Straftaten verantwortlich gemacht wird. Dazu zählt der spektakuläre Diebstahl einer 100 Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum . Dafür waren zwei Männer verurteilt worden.

Grünes Gewölbe: Spuren im Fluchtauto halfen Ermittlern

Die Auswertung von Überwachungskamera-Aufnahmen und die Untersuchung eines Fluchtautos haben die sächsische Polizei auf die Spur der Verdächtigen im Fall Grünes Gewölbe gebracht. Die vor und während des Diebstahls aufgenommen Bilder hätten den Ermittlern wertvolle Hinweise zum Verhalten der Täter gegeben, sagte ein Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft am Dienstag.

Am Tatort hätten die Kriminaltechniker wichtige Spuren gesichert. Weitere Hinweise habe die Polizei aus dem sichergestellten Fluchtauto erlangt, einem als Taxi getarnten Mercedes 500 , wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft weiter sagte.

Berlins Innensenator sieht Festnahmen als Warnzeichen für Clans

Die Festnahme der Verdächtigen sieht Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) auch als Warnzeichen an die Szene. „Niemand sollte glauben, er könne sich über diesen Staat und seine Regeln hinwegsetzen“, erklärte Geisel am Dienstag. „Der Rechtsstaat ist das Maß der Dinge. Er allein setzt die Ordnung durch. Er tut das entschlossener und klüger als manch Krimineller glaubt.“

Die Berliner Polizei habe die Dresdner Kollegen früh mit ihrer Expertise bei den Ermittlungen unterstützt, erklärte Geisel. Auch habe sie sich mit Spezialeinsatzkräften an den Razzien beteiligt. „Wir sind froh, dass bei der Aufklärung eines Kunstraubs ein großer Erfolg geglückt ist“, erklärte der Berliner Innensenator.

Die Nachricht von der Festnahme erster Tatverdächtiger hat auch das sächsische Kabinett erfreut. Regierungssprecher Ralph Schreiber sprach nach der Sitzung des Gremiums am Nachmittag von „einem guten Zeichen nach der langen Zeit“. Auch wenn der Schatz nicht so einfach wiederzufinden sei wie vielleicht die Täter, sei man guter Hoffnung, „dass auch hier bald Ergebnisse vorliegen werden“.

Mehr als 1600 Polizeibeamte an Großeinsatz beteiligt

Bei dem außergewöhnlichen Großeinsatz in Berlin mit 1640 Polizeibeamten aus acht Bundesländern, darunter Spezialkräfte des Bundes sowie der Länder Berlin und Sachsen, wurden 20 Wohnungen, zwei Garagen, ein Café sowie mehrere Fahrzeuge durchsucht. Dabei stellten die Beamten unter anderem zahlreiche Speichermedien, Kleidung sowie geringe Mengen Betäubungsmittel sicher. Die Polizei war in mehreren Bezirken im Einsatz, Schwerpunkt war Berlin-Neukölln . Bis zum Dienstagnachmittag war der Einsatz größtenteils abgeschlossen.

Grünes Gewölbe: Gestohlene Kunstschätze noch nicht gefunden

„Es ist auch unser Ziel, nach den entwendeten Juwelen zu suchen“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden. Bislang wurden den Angaben zufolge aber keine Kunstschätze gefunden.

Und die Ermittler haben auch wenig Hoffnung, dass die Objekte wieder nach Dresden zurückkehren. „Da müsste man sehr viel Glück haben, dass man die ein Jahr nach der Tat noch finden würde“, sagte der Sprecher. Doch: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Schatzkammer: So prachtvoll ist das Grüne Gewölbe
Schatzkammer- So prachtvoll ist das Grüne Gewölbe

Hoffnung auf eine Rückkehr ihrer gestohlenen Schätze haben auch die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD). „Die aktuellen Entwicklungen in Berlin geben uns große Hoffnung, dass der Einbruch in das Historische Grüne Gewölbe knapp ein Jahr danach kurz vor seiner Aufklärung steht“, sagte Generaldirektorin Marion Ackermann am Dienstag in Dresden. „Wir hoffen natürlich, dass die Juwelengarnituren gefunden werden und bald wieder an ihrem angestammten Ort zurückkehren können.“

Seit den „schrecklichen Ereignissen“ wurden laut Ackermann in Kooperation mit Experten weitreichende Maßnahmen zur Risikominimierung getroffen. Damit könne sichergestellt werden, „dass so etwas zukünftig nie wieder passieren kann.“

Diebe brachen in Sachsens Schatzkammer ein

Fast genau vor einem Jahr, am 25. November 2019, waren Diebe in die Schatzkammer von Sachsens Landeshauptstadt eingebrochen und hatten die Kunstschätze von kaum messbarem Wert gestohlen.

Wie ein Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft jetzt sagte, sollen die Einbrecher aus dem Dresdner Grünen Gewölbe mit einem PS-starken Wagen über die nahe gelegene Autobahn nach Berlin gerast sein. Das Fahrzeug war in Taxi-Optik getarnt und stand für die Flucht bereit. Die Diebe waren zunächst mit einem anderen Auto vom Tatort weg- und einige Kilometer durch die Elbestadt gefahren. In einer Tiefgarage am Stadtrand hatten sie dieses dann stehen lassen und in Brand gesteckt, ehe sie umstiegen.

Die Spuren bei den Ermittlungen zu dem spektakulären Diebstahl führten bereits vor Monaten nach Berlin. Schon im September hatte es Durchsuchungen in der Hauptstadt gegeben. Hier ging es möglicherweise um das Fluchtauto. Zuvor fand die Sonderkommission „ Epaulette “ Beweismaterial in einem Neuköllner Internet-Café und einer Wohnung. Im März war ein Phantombild veröffentlicht worden.

(dpa/ba/jb/jas/afp)

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