Todesfall

Er war der „Held von Mogadischu“: Ulrich Wegener ist tot

Große Ehre für Ulrich Wegener: Bundesinnenminister Werner Maihofer (FDP, rechts), verleiht ihm und den Männern der Anti-Terror-Einheit GSG9 im Oktober 1977 das Bundesverdienstkreuz.

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Große Ehre für Ulrich Wegener: Bundesinnenminister Werner Maihofer (FDP, rechts), verleiht ihm und den Männern der Anti-Terror-Einheit GSG9 im Oktober 1977 das Bundesverdienstkreuz.

Berlin  Ulrich Wegener gründete die Anti-Terror-Einheit GSG9, die durch die Befreiung der „Landshut“ 1977 legendär wurde. Nun ist er gestorben.

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Ulrich Wegener ist tot. Der Gründer und Kommandeur der Spezialeinheit GSG9, der „Held von Mogadischu“, war schon zu Lebzeiten eine Legende. Wie am Mittwoch bekannt wurde, ist er am 28. Dezember im Alter von 88 Jahren gestorben. Sein Name bleibt für immer mit der Befreiung der im Oktober 1977 von Terroristen gekaperten Lufthansa-Maschine „Landshut“ in Somalia verbunden. Die „Operation Feuerzauber“ war nicht nur die Feuerprobe der damals noch jungen Anti-Terror-Einheit, sondern auch ein Erfolgserlebnis für die Bonner Republik in einer bleiernen Zeit: Die 70er-Jahre sind die Zeit des RAF-Terrors.

Das Flugzeug war von Palästinensern entführt worden, um inhaftierte RAF-Terroristen freizupressen. Wegeners Truppe schlug bei einem Aufenthalt in Mogadischu zu und befreite mehr als 90 Geiseln. „Nach der Aktion waren wir weltberühmt.“ Für seine Verdienste bekam Wegener das Große Verdienstkreuz verliehen. Fünf Jahre zuvor war er schlicht der richtige Mann zur rechten Zeit, wiewohl am Anfang seiner Karriere ein Fiasko am 5. September 1972 stand, „das traumatischste Ereignis meiner Laufbahn“, wie er selbst sagte.

Wegener kann sehr überzeugend sein und hat Charisma

An dem Tag überfällt ein palästinensisches Kommando die israelische Mannschaft bei den Olympischen Spielen in München und nimmt Sportler als Geiseln. Die Terroristen wollen mit ihnen ausgeflogen werden, am Abend greift die Polizei auf dem Flughafen in Fürstenfeldbruck ein. Es wird ein Fehlschlag, elf Israelis, fünf Kidnapper und ein Polizist sterben. Wegener, zu der Zeit der Verbindungsoffizier des Bundesgrenzschutzes (heute: Bundespolizei), erlebt das Drama im Tower damals an der Seite von Innenminister Hans-Dietrich Genscher.

Noch in München schlägt er ihm den Aufbau einer Anti-Terror-Truppe vor. Und er bietet ihm an, die Einheit aufzubauen und zu kommandieren – ein starkes Stück, eine Entscheidung abseits des „Dienstwegs“. Ein verwegener Anfang, der viel über den Mann verrät: Wegener ist direkt, unkonventionell, durchsetzungsstark, er kann sehr überzeugend sein und hat Charisma. Genscher war er schon vier Jahre früher aufgefallen. Sie sind fast gleichaltrig, hatten beide Anfang der 50er Jahre die DDR verlassen und werden sich jahrzehntelang verbunden bleiben, auch nach ihren Karrieren und privat.

GSG9 wird selbst zum Modell für andere Einheiten

1972 geht Wegener erst mal in die „Lehre“ bei den Briten und den Israelis, den Anti-Terror-Kämpfern der ersten Stunde. Später wird die GSG9 selbst zum Modell für andere Einheiten und Wegener zu einem international gefragten Experten in der Terrorismusbekämpfung. Ende der 80er Jahre, kurz vor der Pensionierung, baute er eine Spezialeinheit in Saudi-Arabien auf. Der Anti-Terror-Kampf blieb sein Lebensthema. Seinen Memoiren gab er den Titel „Ulrich Wegener. GSG 9 – Stärker als der Terror“.

Zwei Jahre nach Mogadischu übernimmt der Vater von zwei Töchtern, der zuletzt in Rheinland-Pfalz wohnte, ein anderes Kommando beim Bundesgrenzschutz, aber den Kontakt zu den „Neunern“ lässt er nie abreißen; seine Nachfolger wissen von den regelmäßigen Anrufen des Alten zu erzählen. Als die Bundespolizei Ende 2017 das 45-jährige Bestehen der Truppe (und 40 Jahre Mogadischu) in Bonn feiert, darf Wegener nicht fehlen. Es ist sein letzter Auftritt vor einem großen Publikum, nach einem Sturz zu Hause kann er sich nur noch im Rollstuhl bewegen. Seine Wissbegierde ist allerdings ungebrochen, fünf Tageszeitungen hat Wegener abonniert, um politisch auf dem Laufenden zu bleiben. Bis zum letzten Tag.

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