Gericht

Kirchenmusiker aus Rumänien in Duisburg überfallen

Die Fassade des 1876 fertig gestellten ältesten Gebäudeteils des Land- und Amtsgerichts Duisburg an der Königstraße

Die Fassade des 1876 fertig gestellten ältesten Gebäudeteils des Land- und Amtsgerichts Duisburg an der Königstraße

Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg   Weil er nicht klauen wollte, ist ein Rumäne in Duisburg Opfer eines Gewalttat geworden. Nun wird der Fall vor dem Amtsgericht verhandelt.

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Das Blaue vom Himmel hatten Landsleute Anfang 2012 einem Rumänen versprochen: In Deutschland könne er eine schöne Wohnung bekommen, gutes Geld verdienen und vor allem sein musikalisches Talent als Kirchenmusiker ausleben. Die Wahrheit sah anders aus. Kaum in Duisburg angekommen, sollte der Mann auf Diebestouren gehen. Als er das nicht wollte, wurde er geschlagen und seiner wenigen Habseligkeiten beraubt. Einer der mutmaßlichen Täter stand am Freitag vor dem Amtsgericht am König-Heinrich-Platz.

Die Anklage warf dem 55-Jährigen Raub vor. Angeblich war der Kirchenmusiker am 15. Februar 2012 nach seiner Weigerung, als Dieb zu fungieren, von insgesamt drei Männern attackiert worden. Dabei habe ihn der Angeklagte geschubst und ihm die Geldbörse mit Papieren und 300 Euro entrissen.

Hauptbelastungszeuge in Rumänien vernommen

Bereits bei mehreren Verhandlungsversuchen hatte das Amtsgericht versucht, den kurz nach dem Vorfall nach Rumänien zurück gekehrten Zeugen vorzuladen. Doch der war nie erschienen. Deshalb hatte man die rumänische Justiz inzwischen um Amtshilfe gebeten. Der Zeuge wurde in seiner Heimat richterlich vernommen. Allerdings machte er dabei durchaus abweichende Angaben: Zunächst seien ihm seine Wertsachen weggenommen worden, dann habe man ihn körperlich angegriffen. Zudem soll der Mann im Zusammenhang mit einem Zivilverfahren in Rumänien geäußert haben, dass alle seine früheren Angaben falsch gewesen seien.

Die Juristen zogen Bilanz: Selbst wenn man auf die Aussage des Hauptbelastungszeugen noch eine Verurteilung hätte stützen können, wäre allenfalls eine Strafe wegen Diebstahls heraus gekommen. Und da die Tat inzwischen sechseinhalb Jahre her war, hielten es Verteidiger, Staatsanwalt und Schöffengericht für geraten, den Fall ohne Urteil aus der Welt zu schaffen: Das Verfahren gegen den 55-Jährigen wurde ohne Auflagen eingestellt.

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