Prozess

Nach Mordversuch: Duisburgerin will sich nicht erinnern

Der Schwurgerichtssaal des Landgerichts Duisburg vom Zeugenstand aus gesehen. Links die Anklagebank mit den Plätzen für die Verteidiger, rechts am Fenster die Sitze für Staatsanwälte und Sachverständige.

Der Schwurgerichtssaal des Landgerichts Duisburg vom Zeugenstand aus gesehen. Links die Anklagebank mit den Plätzen für die Verteidiger, rechts am Fenster die Sitze für Staatsanwälte und Sachverständige.

Foto: Udo Milbret

Duisburg.  Eine Hambornerin (58) steht für versuchten Mord vor Gericht. Bei der Polizei wusste sie noch, wie sie ihren Freund mit einem Messer verletzte.

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Unter Tränen beteuerte eine 58-jährige Hambornerin gestern vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Duisburg, keine Erinnerung mehr an den Tattag zu haben. „Ich habe die Fotos von den Verletzungen gesehen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich das gewesen sein soll“, so die Angeklagte. Am 31. Januar soll sie in der gemeinsamen Wohnung ihren zwei Jahre jüngeren Lebensgefährten durch Schläge mit der Klinge eines Messers auf den Kopf verletzt haben.

Die Anklage lautet auf versuchten Mord. Heimtückisch soll die Angeklagte von hinten zugeschlagen haben. „Ich krieg das alles nicht mehr auf die Reihe“, so die 58-Jährige am zweiten Verhandlungstag. Sie habe doch in den letzten Monaten nur in Sorge über den Mann gelebt, der sich verändert hatte, nicht mehr trank und meist nur noch dumpf brütend vor sich hin starrte.

Anklage wackelt bedenklich

Bei ihrer ersten polizeilichen Vernehmung kurz nach dem Vorfall soll sie dagegen erstaunlich genaue Erinnerungen an den Tattag gehabt haben. Laut Aussage eines Vernehmungsbeamten gab die Frau detailliert an, was sie gemacht und mit wem sie wann zusammen gewesen sei. Abends, so habe sie es zu Protokoll gegeben, habe ihr Freund stumm in der Küche gesessen.

„Sie sagte, sie habe sich ein Stück Salami abgeschnitten und ihn gefragt, ob er auch etwas haben wolle“, so ein Polizist. Doch der Freund habe nur mit gesenktem Kopf unverständlich genuschelt. „Da hat sie die Wut darüber gepackt, dass er sie seit Monaten nicht beachtet habe.“ Die Angeklagte machte den Beamten für ein Video sogar vor, wie sie zuschlug: Einmal von vorn. Damit wackelt die von der Staatsanwaltschaft angenommene Heimtücke. Und eine Nachbarin wusste im Zeugenstand zu berichten, dass die 58-Jährige bei ihr klingelte. „Sie war aufgeregt und sagte: Der verblutet. Der stirbt. Ruf einen Krankenwagen.“ Was juristisch einen Rücktritt vom Tötungsversuch bedeuten könnte.

Polizei suchte Geschädigten erfolglos

Allerdings soll die Angeklagte bei Eintreffen der Rettungskräfte auch sehr deutliche Worte verloren haben: „Sie sagte, es sei ihre Schuld. Sie habe versucht, ihrem Freund den Kopf abzuschneiden“, erinnerten sich Zeugen. Dabei soll die 58-Jährige auch den Vergleich zum Film-Bösewicht Hannibal Lector bemüht haben.

Der Geschädigte soll gestern Morgen einer Zeugin mitgeteilt haben, er wolle der gerichtlichen Vorladung nicht Folge leisten. Die Strafkammer setzte daraufhin vorsorglich die Polizei in Marsch. Doch die Beamten kamen 15 Minuten zu spät. Der 56-Jährige war nicht mehr auffindbar. Zum nächsten Prozesstag Anfang September soll nun ein weiterer Versuch unternommen werden, ihn vorführen zu lassen.

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