Prozess

Tennislehrer drängte Frauen zum Missbrauch: Voll schuldfähig

Vor dem Landgericht Essen muss sich seit dem 10. Januar ein Bottroper Tennislehrer, der einen Verein in Dorsten trainiert hatte, wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verantworten.

Vor dem Landgericht Essen muss sich seit dem 10. Januar ein Bottroper Tennislehrer, der einen Verein in Dorsten trainiert hatte, wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verantworten.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen/Bottrop.   Frauen und Mütter hatte er zum Missbrauch von Kindern gedrängt. Jetzt steht der Tennislehrer vor Gericht. Auf Milde darf er nicht hoffen.

Der Bottroper Tennislehrer, der in Dorsten erfolgreich einen Verein trainiert hatte, gilt als voll schuldfähig und darf deshalb strafrechtlich nicht auf Milde hoffen. Der 39-Jährige muss sich seit dem 10. Januar vor dem Landgericht Essen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verantworten. Laut Anklage und eigenem Geständnis hatte er bundesweit Frauen dazu gebracht, ihre oder fremde Kinder zu missbrauchen und ihm die entsprechenden Fotos zuzusenden.

Die Dimension des Falles und die Bereitwilligkeit der Frauen, seinen Wünschen zu folgen, erschreckt. Die Polizei, so wurde im Verfahren vor der V. Jugendschutzkammer bekannt, hat mittlerweile ermittelt, dass der mit einer Akademikerin verheiratete Mann mit 9000 Frauen Chats unterhielt. Inzwischen gibt es 52 Fallakten, mit denen auch gegen die Frauen strafrechtlich ermittelt wird. Aber noch ist erst ein kleiner Teil des Beweismaterials, darunter eine Million Fotos, ausgewertet worden.

Erfolgreiche Arbeit mit Kindern im Tennisclub

Es sind keinesfalls soziale Randgruppen, von denen die Kinder missbraucht wurden. Da ist auf der einen Seite der in Bottrop lebende Tennislehrer, der zur aktiven Zeit sportliche Erfolge einheimste. In Dorsten wurde er als Trainer gefeiert, weil er einen schwächelnden Verein wiederbelebte. Auszeichnungen gab es für die erfolgreiche Arbeit auch auf Verbandsebene. Gelobt wurde vor allem die engagierte Kinder- und Jugendarbeit, die der 39-Jährige betrieben hatte.

Auf der anderen Seite die Frauen, die er auf sexuell bestimmten Internet-Plattformen kontaktiert hatte. Die Namen, die er ihnen in seinem Telefonverzeichnis gab, wirken erniedrigend. Eine nannte er „Schlampe“, eine andere „Hure“. Aber unter ihnen war zum Beispiel eine Erzieherin aus München, die bereitwillig vor der Kamera zwei ihr anvertraue Kleinkinder missbrauchte und ihm die Aufnahmen schickte.

Sex mit Polizistin vor den Augen ihrer Tochter

Mit einer Frau aus dem Tennisverein hatte er auch Sex im Dorstener Vereinsheim – vor den Augen ihres dreijährigen Sohnes. Und in Wuppertal hatte er eine Polizistin gefunden, die sich zum Sex mit ihm traf und ihre sechsjährige Tochter zusehen ließ.

Nach Angaben der Frauen und Mütter sei dies alles auf Wunsch des Angeklagten geschehen. Er sei sehr dominant gewesen, sie hätten sich ihm nicht entziehen können.

Angeklagter will an Kindern kein Interesse haben

Er selbst betont, dass er nie selbst ein Kind angefasst habe. Dafür gibt es auch tatsächlich keinen Beweis, höchstens den ein oder anderen Anhaltspunkt. Er sagt auch, es sei ihm gar nicht auf die Bilder und den echten Missbrauch angekommen. Es sei ihm mehr um seine eigene Fantasie gegangen.

Der psychiatrische Gutachter Frank Sandlos hält dies aber für „sehr unwahrscheinlich“. Die Taten zeigten, dass er auch pädophile Interessen hätte. Sandlos schilderte den Angeklagten als Mensch mit einer gesteigerten Sexualität und einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung, der vor allem eigene Interessen befriedige. Er nutze andere Menschen aus, ohne auf deren Gefühle Rücksicht zu nehmen.

Angst vor der Entdeckung ist wichtig für ihn

Leistungsorientiert nannte er den 39-Jährigen, der auch im Sport immer nach Anerkennung und Erfolg gestrebt habe. Der Angeklagte habe immer wieder „Kick-Erlebnisse“ beschrieben, das seien „ausgeprägte Wünsche von gefährlichen, verbotenen Situationen, die Erregung und Angst vor der Entdeckung.“ Sandlos: „Das spielt bei ihm eine Rolle.“

Die Empfehlung für eine der Haft folgende Sicherungsverwahrung wollte der Psychiater nicht vorbehaltlos aussprechen. Der Angeklagte sei sicher ohne Behandlung als gefährlich einzustufen. So habe er weitergemacht, nachdem die Polizei sein Haus durchsucht hatte. Auf der anderen Seite sei er aber durchaus therapierbar, wenn dies auch ein langer Prozess sei. Das Verfahren wird fortgesetzt.

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