Weltklimakonferenz

Greta Thunberg muss Teilnahme an Protest abbrechen

Greta Thunberg mit ernüchterndem Fazit in Madrid

Die 16-Jährige hoffe, dass die 25. Weltklimakonferenz etwas Konkretes hervorbringt. Denn bisher habe sich immer noch nichts geändert, so die Schwedin.

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Berlin.  Greta Thunberg ist in Madrid. Die Aktivistin will mit Hunderttausenden für mehr Klimaschutz protestieren – doch das sorgt für Probleme.

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Um Greta Thunberg gibt es immer eine Menge Rummel. Fast überall, wo die 16-jährige Schwedin auftritt, bilden sich Menschentrauben um sie. So war das auch bei ihrem Besuch in Madrid am Freitag. Sie löste so viel Begeisterung aus, dass sie den Klima-Protestmarsch verlassen musste.

Der Rummel um ihre Person war so groß, dass Thunberg zur Bühne, auf der die Abschlusskundgebung stattfand, sogar gefahren werden musste – natürlich mit einem Elektroauto. Die Organisatoren sprachen von 500.000 Teilnehmern am Freitagabend, eine offizielle Zahl gab es zunächst nicht.

Beim UN-Klimagipfel, der ursprünglich in Santiago de Chile stattfinden sollte und wegen der dortigen Unruhen kurzfristig nach Madrid verlegt wurde, ist nun fast Halbzeit. Der Handel mit Emissionen und die Unterstützung für vom Klimawandel besonders hart getroffene Staaten stehen auf der Agenda der kommenden Woche.

Speziell arme Länder, die am wenigsten zur Krise beitragen, leiden unter den Folgen von Dürren und Wetterkatastrophen. Ob konkrete Maßnahmen beschlossen werden, war aber weiter fraglich.

Die Hilfsorganisation Care monierte am Freitag, die Industrienationen spielten in Madrid bislang auf Zeit, und auch die EU-Kommission bleibe weiter hinter den Erwartungen zurück.

Bei der Großdemo war auch der spanische Filmstar Javier Bardem dabei, ebenso wie zahlreiche Indigene aus Lateinamerika, die ganz besonders unter der Umweltzerstörung und Abholzung der Regenwälder leiden. Die Politiker müssten jetzt „auf der Höhe dieses historischen Moments“ sein, erklärte Bardem mit Blick auf die anhaltenden internationalen Klimaproteste.

Greta Thunberg in Madrid – Das Wichtigste in Kürze:

  • Greta Thunberg hat es gerade noch so auf klimaneutralem Weg nach Madrid zum UN-Klimagipfel geschafft
  • Bei ihrer Ankunft wurde sie regelrecht belagert
  • Am Abend musste sie deshalb den Protestmarsch abbrechen und fand hinterher warnende Worte

Auch Thunberg forderte die Politiker bei einer kurzen Rede unter dem Jubel der Anwesenden erneut auf, konkrete Fortschritte im Kampf gegen die Erderwärmung zu erzielen.

Greta Thunberg mit ernüchterndem Fazit in Madrid
Greta Thunberg mit ernüchterndem Fazit in Madrid

Zuvor hatte sie bei einer Pressekonferenz eingeräumt, dass die weltweiten Klimaproteste junger Aktivisten bisher so gut wie nichts dazu beigetragen hätten, den Klimawandel aufzuhalten – es kam einer Art Geständnis gleich. „Wir haben das Bewusstsein für Klimafragen geweckt, aber das reicht noch lange nicht aus“, sagte sie. „Somit kann man sagen, dass wir viel, aber dann auch wieder nichts erreicht haben.“

Sie selbst sehe sich dabei nur als „einen kleinen Teil einer sehr großen Bewegung“, die weiter für eine bessere Zukunft kämpfen werde. Lesen Sie hier: Die Erde sendet beim Klimawandel ihr wohl letztes Alarmsignal.

Ab der nächsten Woche wird auf Ministerebene verhandelt, dann reist auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze beim Klimagipfel an. Im Mittelpunkt der Treffen stehen ehrgeizigere Ziele als bisher, was die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens angeht.

Dieses sieht vor, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Jedoch müssen die ambitionierteren Pläne erst bei der nächsten Klimakonferenz im kommenden Jahr vorgelegt werden. Thunberg sagte dazu: „Halbe Gipfeltreffen können wir uns gar nicht leisten, wir müssen jede Chance nutzen.“

Greta Thunberg durfte Zug nicht gleich verlassen

Bei ihrer Ankunft in Madrid hatten dutzende Medienvertreter die 16-Jährige am Freitagmorgen an Gleis 15 des Bahnhofs Chamartín im Norden der spanischen Hauptstadt empfangen. Wegen des hohen Andrangs musste Thunberg eine knappe Viertelstunde in dem Zug ausharren, ehe sie begleitet von spanischen Sicherheitskräften aussteigen konnte.

Großer Bahnhof für Greta Thunberg
Großer Bahnhof für Greta Thunberg

Den Rummel nahm sie gelassen und schrieb kurze Zeit später augenzwinkernd auf Twitter: „Ich habe es heute Morgen mit Erfolg geschafft, mich nach Madrid einzuschleichen! Keine Ahnung, ob mich irgendwer gesehen hat... Aber es ist toll, in Spanien zu sein!“

Dazu stellte sie ein Video, auf dem zu sehen ist, wie sie beim Ausstieg aus dem Zug von Menschen umringt wird. In Madrid werden am Freitagabend Hunderttausende Teilnehmer zu einer Protestkundgebung erwartet.

Greta war mit einem Nachtzug von Lissabon in die spanische Hauptstadt gereist. Zuvor hatte ein Angebot eines religiösen Nachbarschaftsvereins aus der spanischen Gemeinde Talavera de la Reina nahe Toledo für Aufregung gesorgt: Er wollte der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg einen Esel zur Weiterreise von Lissabon nach Madrid zur Verfügung stellen.

„Wir sind uns der Wichtigkeit bewusst, die Welt für die Situation der Umwelt zu sensibilisieren und schließen uns Thunbergs Kampf an“, hieß es am Mittwoch auf der Facebookseite des Vereins „Asociación Fray Hernando de Talavera“. „Unsere Vorfahren haben dieses Fortbewegungsmittel benutzt und es war das umweltfreundlichste überhaupt.“ Neben dem Post war ein Foto eines örtlich aufgezogenen Esels zu sehen.

War Gretas Reise über den Atlantik gar nicht klimaneutral?

Die 16-jährige Thunberg war am Dienstag nach dreiwöchiger Segelreise über den Atlantik in Portugal eingetroffen. Die Aktivistin vermeidet Flugzeuge, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Trotz ihres klimafreundlichen Transportmittels hagelte es Kritik – die Reise sei gar nicht wirklich klimaneutral.

Der Grund: Seglerin Nikki Henderson, die Greta auf ihrer Reise nach Europa begleitete, musste mit dem Flugzeug von Großbritannien in die Vereinigten Staaten fliegen. An Board war außerdem das australische Youtuber-Paar, das Greta ihr Boot zur Verfügung gestellt hatte.

Greta Thunberg äußert sich zu Kritik

Ähnliche Kritik musste die junge Klimaaktivistin schon bei ihrer Hinreise einstecken. Um das Segelboot „Malizia II“, mit dem Greta nach New York gesegelt war, wieder zurückzubringen, mussten fünf Personen mit dem Flugzeug nach New York fliegen. Auch der deutsche Segelprofi Boris Hermann, mit dem Greta hingesegelt war, nahm das Flugzeug zurück.

Greta Thunberg im Interview: Das würde sie Angela Merkel sagen
Greta Thunberg im Interview- Das würde sie Angela Merkel sagen

Die 16-Jährige äußerte sich kürzlich zu den Vorwürfen: „Ich reise nicht so, weil ich möchte, dass alle das tun. Ich tue das, um eine Botschaft zu senden, dass es heute unmöglich ist, nachhaltig zu leben, und das muss sich ändern. Es muss viel einfacher werden.“

UN-Weltklimagipfel in Madrid

Thunberg ist nach Madrid gereist, um an der zweiwöchigen Weltklimakonferenz teilzunehmen. Begleitet wurde sie von mehreren portugiesischen Aktivisten, die genau wie die 16-Jährige an dem großen Klimamarsch im Zentrum Madrids teilnehmen wollen.

Greta Thunberg – Mehr zur Klima-Aktivistin

Im Vorfeld der reise gab es Unklarheiten, ob es die Klimaaktivistin überhaupt zur Konferenz schaffen würde. Sogar Eurowings bot Hilfe an – Greta hatte jedoch abgelehnt. (dpa/les)

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