Sexualität

Eine Gynäkologin klärt auf: Das muss jede Frau wissen

Dr. Sheila klärt auf: Diese drei Sex-Mythen sind falsch

Sex-Mythen im Check: Ist ein großer Penis immer besser? Das hat Redakteurin Johanna Rüdiger die Sex-Expertin und Gynäkologin Dr. Sheila de Liz gefragt.

Sex-Mythen im Check: Ist ein großer Penis immer besser? Das hat Redakteurin Johanna Rüdiger die Sex-Expertin und Gynäkologin Dr. Sheila de Liz gefragt.

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Berlin  Von Orgasmus-Mythen bis hin zu Tipps für mehr Lustempfinden: Sheila de Liz beantwortet die wichtigsten Fragen zum weiblichen Körper.

Sheila de Liz sagt, sie habe eine „Mission“: Sie will aufklären. Und zwar Frauen über ihren eigenen Körper. Denn die Gynäkologin findet, dass die meisten Frauen viel zu wenig wissen über alles das, was unterhalb des Bauchnabels passiert.

Die Amerikanerin, die mit 15 Jahren nach Deutschland gekommen ist und in Mainz eine frauenärztliche Praxis betreibt, will das jetzt ändern: „Unverschämt - Alles über den fabelhaften weiblichen Körper“ (Rowohlt, 16,99 Euro) heißt ihr Buch, das gerade erschienen ist. Wir haben mit ihr gesprochen

Frau de Liz, warum heißt Ihr Buch„Unverschämt“? Geht es beim weiblichen Körper immer noch um Scham, ist das heute noch so ein Tabu?

Sheila de Liz: Ja, in Deutschland ist der weibliche Körper auf alle Fälle noch tabuisiert. Es fängt damit an, dass die meisten Frauen schon ihre Organe nicht richtig benennen können. Für die Deutschen ist alles ab Bauchnabel der mysteriöse Unterleib. Wenige Frauen, die in meine Praxis kommen, können tatsächlich sagen:

Das ist mein Eierstock, das ist meine Gebärmutter. Und wenn dann irgendwas zwickt oder wehtut, sind sie sofort verunsichert, weil alles so mysteriös ist. Allein die Sprache zeigt schon, wir sehr wir uns schämen sollen: Schamlippe, Schamhügel und so weiter. Mit diesen Begriffen stehe ich auf Kriegsfuß, denn es fehlen die richtigen Worte.

Warum ist es so wichtig zu wissen, wie unsere Organe heißen?

De Liz: Ganz einfach: Wenn du keine Worte für etwas hast, kannst du auch nicht darüber sprechen.

Sie schreiben auch: „Mir sind schon Akademikerinnen begegnet, zum Teil auch Ärztinnen, denen nicht klar war, dass man aus der Harnröhre pinkelt und nicht aus der Vagina.“ Das kann nicht sein, oder? Wissen wir wirklich so wenig über unseren Körper?

De Liz: Das ist wirklich ganz schlimm. Es sind nicht alle, aber immer mal wieder kommt es tatsächlich vor, dass ich Frauen vor mir sitzen habe, die tatsächlich denken, sie pinkeln aus der Vagina. Das geht durch alle Bildungsschichten. Generell stellen mir in meiner Praxis Patientinnen immer wieder die gleichen Fragen. Es sind diese Mythen, mit denen ich endlich aufräumen möchte. Ich finde: Die Frauen haben ein Recht darauf, zu wissen, wie alles funktioniert – das ist meine Mission!

Auch beim Thema Sex und Orgasmus wollen Sie aufklären. Was sind denn die schlimmsten Mythen, mit denen Sie da aufräumen müssen?

De Liz: Einer der Sex-Mythen, der mich am meisten stört und den ich unbedingt aufklären will, ist zum Beispiel dieser Glaubenssatz, dass jede Frau durch penetrativen Sex zum Orgasmus kommen kann. Ich möchte jede Frau von diesem Druck befreien, dass sie durch rein vaginalen Sex, ohne Zusatzhilfe, zum Orgasmus kommen muss.

Ganz, ganz viele Frauen denken, wenn der Penis in die Vagina reingeht, dass muss doch reichen, da muss ich doch einen Orgasmus haben. Dabei können nur 20 bis 30 Prozent der Frauen ohne zusätzliche Stimulation beim herkömmlichen vaginalen Sex zum Höhepunkt kommen. Die meisten von uns brauchen einfach eine zusätzliche Stimulation der Klitoris. Das ist einfach so.

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Sie sagen, der normale Geschlechtsverkehr, bei dem die Klitoris nicht direkt stimuliert wird, ist überhaupt nicht geeignet, Frauen zum Orgasmus zu bringen – wozu brauchen wir dann überhaupt noch den Penis?

De Liz: Zur Befruchtung. Nein, im Ernst, es fühlt sich ja auch angenehm an, es ist eben ein sehr inniger Moment, den Mann in sich zu spüren. Nur der Penis allein bringt die wenigsten von uns zum Orgasmus. Mein Tipp für bessere Orgasmen ist deshalb auf jeden Fall Sexspielzeug.

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Ein anderer Mythos, mit dem Sie aufräumen wollen, ist der G-Punkt. Jetzt bitte ein für alle Mal: Gibt es ihn, ja oder nein?

De Liz: Es ist kein Punkt, sondern ein Areal. Und auch kein eigenständiges Organ – es sind die Unterseiten von den Klitorisschenkeln.

Also ja. Es gibt ihn.

De Liz: Ja, es gibt ihn. Aber viele denken, es sei ein Organ, was man wie die Mandeln rausholen kann. Das ist definitiv nicht so – es ist sozusagen die Unterseite der Klitoris, die dann von innen stimuliert wird. Die Klitoris hat im Untergrund zwei Schenkel, die links und rechts die Vagina umklammern. Also liegen auf der Vorderseite der Vagina, links und rechts der Harnröhre, die empfindlichen Strukturen – das G-Areal. Aber man soll sich jetzt bloß nicht stressen, so nach dem Motto: Wo ist jetzt mein G-Punkt, ich finde ihn nicht.

Also raten Sie, keine Zeit darauf zu verschwenden, den G-Punkt zu suchen?

De Liz: Bloß nicht suchen! Nicht jede Frau reagiert gleich auf diese empfindliche Stelle, wir sind ja alle unterschiedlich.

Sie schreiben auch über das Thema Lust, und da heißt es bei Ihnen: „Spätestens ab 21 Uhr haben manche Frauen schon im Hinterkopf, wie sie sich heute Abend wieder vor Sex drücken können.“ Ist das nicht ein Klischee? Sind wir wirklich so schlimm?

De Liz: So viele Frauen, durch die Bank weg, von jung bis alt, haben einfach keine Lust auf Sex. Es ist wirklich ein Problem. Hier muss man genau hinschauen und fragen: Ist es ein körperliches Problem oder ist es psychisch? Der physische Lustkiller Nummer eins ist eine Veränderung im Hormonsystem, und die gängigsten Ursachen dafür sind die Wechseljahre oder hormonelle Verhütungsmittel. Bei der Pille, Hormonring oder der Spritze sinkt der Anteil an freiem Testosteron im Blut.

Und wenn es ein psychisches Problem ist?

De Liz: Körperlicher und psychischer Stress, der nicht ausreichend abgebaut wird, tötet bei uns Frauen die Lust. Bei Männern ist es genau umgekehrt: Männer brauchen oft Sex, um Stress abzubauen. Frauen dagegen müssen erst ihren Stress abbauen, um Sex haben zu können. Viele Frauen versuchen, in so einer Situation mehr Dinge zu finden, die ihnen Lust verschaffen.

Und wieso ist das falsch?

De Liz: Weil wir zuerst die negativen Faktoren beheben müssen. Das heißt: Ich kann das romantischste Date aller Zeiten mit meinem Mann in Paris haben, wenn ich aber auf ihn sauer bin oder mich sorge, ob ich einen Orgasmus bekommen werde, dann nützt alle Romantik nichts. Ich habe trotzdem keine Lust auf Sex.

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