Interview

Aniston und Witherspoon – Superstars in „The Morning Show“

| Lesedauer: 7 Minuten
Jennifer Aniston (l.) und Reese Witherspoon spielen zwei Journalistinnen in der TV-Serie „The Morning Show“. Die zweite Staffel ist nun angelaufen.

Jennifer Aniston (l.) und Reese Witherspoon spielen zwei Journalistinnen in der TV-Serie „The Morning Show“. Die zweite Staffel ist nun angelaufen.

Foto: Willy Sanjuan / Willy Sanjuan / Invision / AP

Berlin.  Jennifer Aniston und Reese Witherspoon über die zweite Staffel ihres Hits „The Morning Show“, Karrieredruck und den Preis des Erfolges.

Zu den Kronjuwelen des amerikanischen Showbusiness gehören beide. Jennifer Aniston, 52, unsterblich als Rachel in 236 Folgen der Kult-Serie „Friends“, schaffte nach dem Serienaus mit großem Erfolg auch den Sprung auf die Kinoleinwand.

Reese Witherspoon, 45, ist seit über 30 Jahren in vielen Kinofilmen zu sehen, darunter im Biopic über Country-Musik-Legende Johnny Cash „Walk the Line“, wofür sie in der Rolle als dessen Ehefrau June Carter 2006 mit dem Oscar als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde. Zuletzt glänzte sie in der TV-Serie „Big Little Lies“.

Danach folgte die erste Staffel von „The Morning Show“ (2019), ein leicht satirisches TV-Drama nach einer tatsächlichen US-TV-Nachrichtensendung. Die zweite Staffel von „The Morning Show“ wird bereits seit 17. September auf Apple tv+ gestreamt. Mehr zum Thema:Sitcom: „Friends“-Reunion startet im deutschen Fernsehen

Mrs. Aniston, Mrs. Witherspoon, wie haben Sie „The Morning Show“ weiterentwickelt?

Jennifer Aniston: Die zweite Staffel nimmt den Faden dort auf, wo die erste aufgehört hat. Ging es in der ersten Staffel vor allem noch um sexuellen Missbrauch in einem US-Nachrichtensender und um die #MeToo-Problematik, werden diesmal viele neue Ideen mit eingewoben. Natürlich gibt es auch weiterhin die Rivalität zwischen den beiden Anchor-Women Bradley und Alex, die Reese und ich spielen. Der Zuschauer wird auch Zeuge der großen Probleme, die sie dadurch beruflich, aber auch privat haben. Es rücken auch die Leute wieder mehr in den Fokus, die gefeuert oder aussortiert wurden. Es gibt viele überraschende Wendungen, die wir natürlich nicht verraten wollen. Und wir haben einen Besetzungscoup gelandet: Wir haben Julianna Margulies mit an Bord geholt. Sie ist ja bestens bekannt aus den Kult-Serien „Emergency Room: Die Notaufnahme“ und „The Good Wife“.

Reese Witherspoon: Die zweite Staffel steigt noch tiefer in die Materie ein und die Charakterzeichnungen sind noch komplexer. Sie beginnt zum Jahreswechsel 2019/2020 – also kurz vor dem großen Shutdown durch die Covid-19-Pandemie. Außerdem thematisieren wir den Rassismus im Showbusiness, die immer noch weit verbreitete Homophobie, und dass ältere Menschen bei uns in den USA so schnell zum alten Eisen geworfen werden. Für mich war auch sehr wichtig, dass sich die Beziehung zwischen Bradley und Alex rasant weiterentwickelt. Und was die beiden mit ihrer neuen Macht im Nachrichtensender anfangen. Auch interessant:Reese Witherspoon: „Ich fühle mich jetzt viel sinnlicher“

Wir leben in einer Zeit, wo der Druck auf jeden von uns extrem ist. Einerseits verlangt man von uns, jederzeit perfekt zu sein – andererseits sind wir alle sehr schnell ersetzbar.

Witherspoon: Diesen Druck habe ich während meiner ganzen Karriere gespürt – und spüre ihn immer noch. Ich glaube auch, dass wir noch nie in einer Zeit lebten, die Fehler und Unzulänglichkeiten so wenig verzeiht. Wir sind doch alle Menschen, die zu schlimmen Dingen, aber auch zu großartigen Dingen fähig sind. Wenn jemand mal gestrauchelt ist, bedeutet das heutzutage fast unmittelbar, dass er gesellschaftlich vernichtet wird. Ich finde schon, dass jeder eine zweite Chance bekommen sollte.

Aniston: Ersetzbar im Showbusiness? Absolut! Ich habe diese Bedrohung sehr oft empfunden. Unsere Show wendet sich ja auch gerade deshalb gegen diese inhumane Art der Cancel Culture.

In „The Morning Show“ spielen Sie zwei sehr engagierte TV-Journalistinnen. Haben Sie durch diese Rollen neue Einsichten in puncto Journalismus gewonnen?

Witherspoon: Der Journalismus hat sich in den letzten Jahren drastisch verändert. Außerdem steht er auch in harter Konkurrenz zu den sozialen Medien. Und wir wissen doch mittlerweile alle, was da täglich für Lügen und Fake News verbreitet werden. Obwohl es auch seriöse Nachrichten-Outlets gibt, ist es für den Normalverbraucher immer schwieriger, das Wahre vom Falschen unterscheiden zu können. Ich erlebe das Dilemma hautnah bei meinen Kindern. Die informieren sich – im Gegensatz zu mir – nur noch online. Und das ist das Problem.

Aniston: Es gibt da einen Generationenkonflikt. Die Kids von heute sehen die Welt fast alle nur noch weiß oder schwarz. Früher hat man sich von den Morgennachrichten sehr gut informiert gefühlt. Da wurde einem ein gültiger aktueller Blick auf Amerika und auf die Welt vermittelt. Das existiert nicht mehr. In den letzten Jahren sucht sich doch fast jeder die Nachrichten, die er mag, selbst aus. Und die haben mit der tatsächlichen Wirklichkeit oft nur noch wenig zu tun.

Witherspoon: Wenn ich ehrlich bin, finde ich es ganz gut, dass ich in einer Zeit aufgewachsen bin, wo ich vieles überhaupt nicht wusste – gar nicht wissen konnte. Nachrichten wurden da noch selektiert und bewertet. Heutzutage werden wir doch mit Nachrichten geradezu bombardiert. Und da die Spreu vom Weizen zu trennen, ist wirklich sehr schwer geworden. Ich schalte mich auch mal aus dem Informationsfluss weg. Um durchzuatmen. Aber ich habe einen großen Respekt vor echtem Journalismus. Und ich finde, dass er wichtig und unerlässlich ist. Ich bin sehr glücklich, dass ich in einem Land lebe, in dem es Pressefreiheit gibt.

„Ruhm und Erfolg muss man teuer bezahlen“, sagen Sie als Alex in der Show. Mussten Sie als Jennifer auch viel dafür bezahlen?

Aniston: Das fragen Sie mich jetzt nicht im Ernst? (Lacht) Ich musste einen sehr hohen Preis dafür bezahlen, um in Hollywood erfolgreich sein zu können. Das trifft sicher auch auf Reese zu und auf viele von uns. Andererseits hat mir mein Beruf so viel Schönes gegeben und so viel Freude bereitet. Ich bin vielen kreativen und interessanten Menschen begegnet und konnte sogar mit ihnen arbeiten. Als Künstlerin will ich ja im Spotlight stehen und beachtet werden. Alles andere wäre doch geheuchelt. Und letztlich kann ich doch auch immer selbst bestimmen, welchen Preis ich wirklich zahlen will. Von mir werden Sie diesbezüglich also kein Gejammer hören. Im Gegenteil: Ich bin unendlich dankbar.

Witherspoon: Ich stimme Jennifer in jedem Punkt zu. Allerdings verabscheue ich es, wenn Menschen sich einen Sport daraus machen, einen grundlos in die Pfanne zu hauen. Oder Sätze, die man mal gesagt hat, aus dem Kontext zu reißen, nur um einen schlecht dastehen zu lassen. Das versuche ich immer weniger an mich heranzulassen. Denn ich fühle mich eigentlich in meiner Haut sehr wohl.

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